Der Hamburger Footballspieler Joshka Gustav (r.) im Trikot der Coloroda Buffaloes © picture alliance / ASSOCIATED PR

Hamburger Footballer Gustav: Vorfreude auf Super Bowl - Traumziel NFL

Stand: 07.02.2021 09:08 Uhr

Joshka Gustav hat einen Traum: Er will in die NFL. Der Hamburger spielt zurzeit Football am renommierten College von Colorado und blickt mit Vorfreude auf den Super Bowl. Im NDR Interview spricht Gustav über das Duell zwischen Tampa Bay und Kansas City, die Zukunft seines Sports in Europa und die eigenen Ziele.

von Robin Hollstein

Heute sind die Augen der Sportfans aus der ganzen Welt auf Tampa gerichtet: In Florida wird der Super Bowl ausgetragen, das größte Einzelsportevent des Globus. Im Finale der National Football League (NFL) kommt es zum Generationenduell. Die Tampa Bay Buccaneers treffen mit dem 43 Jahre alten Quarterback Tom Brady auf Titelverteidiger Kansas City Chiefs, der vom neuen Superstar Patrick Mahomes angeführt wird.

Daumen drücken für Brady und die Buccaneers

Auch der Hamburger Gustav beobachtet das Geschehen ganz genau. Er drückt Altmeister Brady die Daumen. "Ich hoffe, dass die Buccaneers gewinnen, weil ich viel Respekt vor Brady habe: Wie er Football spielt, wie er seinen Körper behandelt und wie ernst er all das nimmt", sagt der 21-Jährige im Interview mit dem NDR.

Der Super Bowl ist der Traum für jeden Footballspieler. Natürlich auch für Gustav - der Outside Linebacker hat im Jahr 2019 seine ersten Einsätze für die Colorado Buffaloes in der höchsten College-Division der USA absolviert. Doch der Weg in die NFL ist weit und beschwerlich: Nicht einmal zwei Prozent der College-Spieler schaffen den Sprung in die beste Football-Liga der Welt.

Besondere Saison im College Football   

Gustav erlebte jüngst eine Spielzeit, die anders war als jede zuvor. Saisonstarts in den einzelnen "Ligen" (Conferences) wurden aufgrund der Corona-Krise teils mehrfach verschoben, Partien wurden komplett abgesagt und die College-Mannschaften absolvierten unterschiedlich viele Spiele.

Für den Defensivspieler war es dennoch keine verlorene Saison: "Ich glaube, dass es für uns alle langfristig gesehen ziemlich gut war, weil wir über die Saison hinweg viel gelernt haben", betont Gustav. "Ich hatte nicht den Druck, falls ich nicht gut spiele, dass mir die Saison am Ende fehlen wird."

Gefehlt haben in Pandemie-Zeiten weitgehend die lauten und leidenschaftlichen Football-Anhänger in den USA. "Es war echt komisch, dass wir keine Fans bei den Spielen hatten", sagt Gustav. Beim Saisonabschluss in San Antonio gegen das Top-20 Team aus Texas waren zwar rund 10.000 Zuschauer im Stadion, allerdings kommen sonst mehr als 60.000.

Angefangen hat alles bei den Hamburg Blue Devils

Alles angefangen hat für Gustav in der Jugend bei den Hamburg Blue Devils. Dort lernte er das A bis Z des Footballs. Die drei Jahre zählt der 21-Jährige zu den besten seiner Karriere. Hamburg als Metropole fehlt ihm ohnehin. Seine neue Heimat Boulder ist weitaus beschaulicher. Doch auch aus Colorado hat er einen klaren Blick auf seinen Sport in Deutschland. Das Potenzial sei noch lange nicht ausgeschöpft.

"Es gibt so viele Football-Talente in Deutschland. Aber ich fand es immer schade, dass es keine gute Förderung gab, damit sie auch den nächsten Schritt machen können." Joshka Gustav

Die Talente, die es in die USA geschafft haben, waren meist auf sich allein gestellt. Mit dem "NFL-Pathway-Program" und den "Gridiron Imports" gibt es immerhin Förderungsmöglichkeiten, die jungen Spielern aus Europa den Weg an diverse Highschools und Colleges ebnen und sie dort unterstützen.

Schub durch die "European League of Football"?

Möglicherweise verleiht eine neue Liga dem Football in Deutschland einen Schub: Die "European League of Football" (EFL) geht im Sommer 2021 zunächst mit acht Teams, darunter Hannover/Hildesheim, Hamburg und Barcelona, an den Start. Patrick Esume, der als Experte bei den Deutschen TV-Übertragungen der NFL arbeitet, ist für das Projekt verantwortlich. Zukünftig soll die Liga auf rund 20 Teams in zehn europäischen Ländern ausgeweitet werden.

Gustav glaubt, dass diese Liga den Football in Deutschland bereichern kann: "Jüngere Leute werden zu den Vereinen kommen, wenn sie ihre Vorbilder in Europa im Stadion und im Fernsehen sehen können. Wenn die EFL in Europa bekannt wird, dann wird es in Amerika auch bekannter. Dann werden US-Teams auch Scouts nach Europa schicken."

Gustavs Ziel ist die NFL

Für Spieler wie Gustav wäre diese Liga eine gute Motivation gewesen, um den nächsten Schritt zu machen. Doch er hat es auch so an das College in Colorado geschafft. In vier Jahren entscheidet es sich, ob er den Sprung in die NFL schafft. Sein Wunschteam sind die New Orleans Saints: "Aber an sich ist das egal - Hauptsache NFL", sagt Gustav.

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 07.02.2021 | 22:50 Uhr

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