Golfprofi Kurt Kitayama © Porsche European Open / Stefan von Stengel

Golf in Winsen: Eine Runde auf dem "grünen Monster" mit Profi Kitayama

Stand: 03.06.2021 14:15 Uhr

Ab Sonnabend treten Martin Kaymer und Co. bei den European Open in Winsen an der Luhe an. Zu den Geheimfavoriten gehört Kurt Kitayama. ARD-Golf-Experte Matthias Cammann hat den Platz an der Seite des Amerikaners gespielt und erlebt, warum vom "grünen Monster" die Rede ist.

von Matthias Cammann

Für einen Amateur wie mich ist es ein Höhepunkt im Golfer-Leben. Einmal vor einem großen Profi-Turnier an einem Pro-Am teilnehmen. Pro-Am bedeutet: Ein Profi bildet mit drei Amateuren ein gemeinsames Team. In meinem sind an diesem Tag Christian, immerhin einer der besten deutschen Amateure der Altersklasse über 50 und Andreas, ein ehemaliger Hockey-Bundesliga-Spieler.

Am ersten Abschlag treffen wir auf Kurt Kitayama, 28 Jahre alt, aus Kalifornien in den USA. Der Golfprofi erinnert von der Statur eher an einen Ringer oder Gewichtheber. Nur 1,70 Meter groß, aber dafür breites Kreuz und muskulöse Waden. Wir werden noch erleben, wofür das gut ist.

Superstars des Turniers beim Pro-Am dabei

Erste Spielbahn: Der Wind bläst kräftig von vorn. Uns Amateuren macht der Gegenwind zu schaffen. Für die Profis, auf einem der anspruchsvollsten Plätze Europas, eher ein Loch zum warm werden. Nicht besonders lang, keine besonderen Schwierigkeiten. Die einzige der 18 Bahnen ohne Wasserhindernis. Kitayama spielt locker ein Par. Er ist einer von 29 Profis, die der Veranstalter für das Pro-Am ausgesucht hat. Alle sind verpflichtet mitzumachen. Wie an diesem Tag auch die Superstars des Turniers, der ehemalige Weltranglisten-Erste Martin Kaymer aus Deutschland, Titelverteidiger Paul Casey (England) und Olympia-Silber-Gewinner Henrik Stenson (Schweden).

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Kitayamas Ziel: "Gewinnen, wie eigentlich immer"

Loch Nummer vier: eins der schwierigsten auf dem Platz, Par 4, 445 Meter lang. Nach gut 260 Metern geht es im 90-Grad-Winkel nach links. Dann noch gut 180 Meter bis zum Grün. Das liegt auf einer Halbinsel mit schmalem Zugang. Höchster Schwierigkeitsgrad. Jetzt spielt Kitayama zum ersten Mal seine Athletik aus, schlägt 280 Meter weit, kürzt damit über die Ecke ab und hat noch 140 Meter bis zum Grün. Bei leichtem Rückenwind reicht ihm ein Eisen 9. Kurz darauf nur ein Putt - Birdie.

Zwei Turniere hat der Amerikaner auf der European Tour schon gewonnen. Angesprochen auf sein Ziel diese Woche in Winsen, sagt er lächelnd: "Gewinnen, wie eigentlich immer." Nimmt man das zurückliegende Loch als Maßstab, gibt es keinen Zweifel, dass es gelingen könnte.

Seit Monaten in einer Corona-Blase

Zwischen den Schlägen komme ich mit dem Kalifornier ins Gespräch. Er schwärmt von Hamburg. Auch wenn viel Verkehr rund um sein Hotel in der Innenstadt herrsche, nach seiner Ankunft am Montag habe er eine kleine Stadtrundfahrt gemacht und zumindest aus dem Auto einiges gesehen. Ansonsten dürfen die Profis ihr Hotel nur verlassen, um zum 40 Kilometer entfernten Golfplatz zu fahren. Kitayama und Co. leben in einer Corona-Blase. Ausnahmen gibt es nicht. Und das nun schon seit zehn Monaten.

Kurz darauf habe ich mein Erfolgserlebnis. Loch Nummer 6, ein langes Par 4. Wir Amateure schlagen zwar von anderen Abschlägen als die Profis ab. Mit 370 Metern ist die Bahn aber immer noch ganz schön lang. Ich erreiche das Grün mit dem zweiten Schlag und bekomme nicht nur Beifall vom Profi. Er bessert sogar meine Pitchmarke aus - ein Loch, das entsteht, wenn ein Ball aus luftiger Höhe auf dem Grün aufschlägt. Kurt Kitayama ist nicht nur gut, sondern auch wirklich nett.

220 Meter gegen den Wind mit einem Holz 3

Loch Nummer 9, ein ewig langes Par 5. Während meinem Mitspieler Christian sein bester Schlag des Tages gelingt und er später dafür den Preis für den längsten (Amateur-)Drive abräumt, liegt der Ball des Profis rechts neben dem Fairway im hohen Gras. Wo wir drei anderen zufrieden wären, selbigen einfach wieder auf die Spielbahn zu bringen, nimmt Kurt sein Holz 3 und drischt den Ball 220 Meter weit gegen den Wind. Zwei Schläge später hat er das nächste Birdie gespielt.

"Von der Länge her ist der Platz auch für mich eine Herausforderung." Golfprofi Kurt Kitayama

Kurts Caddie Daniel nimmt es gelassen hin. Und konzentriert sich auf seine Aufgaben. Entfernungen ausmessen, Beschaffenheit der Grüns checken und Besonderheiten in ein Notizbuch eintragen. Alles wichtig, wenn es Sonnabend ernst wird. Und außerdem muss er sich ganz schön abschleppen. Ich nehme die Tasche aus Spaß mal auf die Schulter und bin baff. 30 Kilogramm mindestens. Vollgepackt mit Schlägern, Bällen, Getränken und vielem mehr.

Aber Daniel beschwert sich nicht: "Ich nehme lieber etwas mehr von allem mit. Denn wenn etwas fehlt, wird Kurt richtig sauer." Zwischen 5 und 10 Prozent des gewonnenen Preisgelds sind ausreichende Entschädigung für Kitayamas Caddie.

Loch 14 mit einem Grün, so schmal wie ein Handtuch

Das Loch Nummer 14: ein Par 3, völlig neu gebaut für dieses Turnier. Nur 140 Meter lang, aber über einen riesigen Teich und auf ein Grün, das schmal ist wie ein Handtuch. Und hier erwischt es den Profi. Kitayamas Ball fliegt ins Wasser. Böen bis Windstärke 5 beeinflussen auch sein Spiel.

US-Golfer Xander Schauffele auf dem Green in Winsen © picture alliance / Peter Boehmer Foto: Peter Boehmer
Der Nord Course von Green Eagle ist der längste Platz auf der European Tour.

Zum Abschluss der Runde wird es hart. Noch drei lange Par-5-Löcher warten auf uns. Nach mittlerweile knapp vier Stunden richtig anstrengend. "Von der Länge her ist der Platz auch für mich eine Herausforderung", sagt Kitayama. Tatsächlich ist der Nord Course von Green Eagle der längste, den es auf der European Tour gibt.

Nach fünf Stunden haben wir die 18 Löcher geschafft. In der Endabrechnung landen wir auf einem Mittelfeldplatz. Aber egal: Es war ein Erlebnis, auf einem so perfekt präparierten Platz spielen zu können. Und hautnah mitzuerleben, wie einer der 100 besten Golfspieler der Welt "das grüne Monster" bändigt.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 07.06.2021 | 16:25 Uhr

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