Szene aus dem DEL-Duell zwischen Wolfsburg und Bremerhaven. © imago images / Jan Huebner

DEL verschiebt Saisonstart - Spielergewerkschaft übt Kritik

Stand: 03.10.2020 10:20 Uhr

Der für November geplante Start in die neue Saison in der Deutschen Eishockey Liga ist erneut verschoben worden. Frühestens in der zweiten Dezember-Häfte könnte wieder gespielt werden.

Der angestrebte Starttermin am 13. November sei unter den derzeitigen Corona-Bedingungen nicht einzuhalten, verkündete die Liga-Führung nach einer Video-Konferenz mit den 14 Clubs am Freitag. "Wir haben stets sehr deutlich und transparent kommuniziert, dass wir unter den aktuellen Vorgaben sowie mit der Unsicherheit, ob und in welchem Umfang die nötige finanzielle Unterstützung für die Clubs kommt, nicht in die Saison starten können. Daran hat sich bis heute leider nichts geändert. Von daher war diese Entscheidung alternativlos, auch wenn sie uns sehr schwerfällt", sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke.

Er unterstrich noch einmal die Bedeutung des im Konjunkturpaket der Bundesregierung beschlossenen Ausgleichs von bis zu 800.000 Euro pro Verein. "Wenn das auch noch wegfallen sollte, wäre das ein richtiger Genickschlag."

Spielergewerkschaft reagiert mit Unverständnis

Die neu gegründete Spielergewerkschaft SVE reagierte mit Unverständnis auf die erneute Verschiebung des Saisonstarts. "Aus einem konkreten Starttermin im November ist für Euch Fans und uns Spieler ein Blick ins Ungewisse geworden. Anstelle von mutmachenden Antworten und einer berechtigten Hoffnung auf eine Rückkehr aufs Eis und in die Fankurven, hat der heutige Tag viele Fragen und große Enttäuschung hinterlassen", so die SVE am Freitagabend in sozialen Netzwerken.

"Wir sind eine der größten Hallensportarten Europas, aber eine der wenigen, die ihre Saison wieder nach hinten ins Ungewisse verschoben hat", schrieb der SVE-Vorsitzende Moritz Müller auf Instagram. "Mir ist bewusst, dass alle Sportarten derzeit am Kämpfen sind, um einen Spielbetrieb aufzustellen, aber diesen Kampf spüre ich beim Eishockey noch nicht."

Finanzloch von 60 Millionen Euro

Die Corona-Krise trifft die Clubs hart. Die DEL hat ein durch die Corona-Pandemie ausgelöstes Finanzloch in Höhe von 60 Millionen Euro ausgemacht. Die neue Regelung einer maximal 20-prozentigen Auslastung der Hallen hilft nicht, DEL-Clubs leben bis zu 80 Prozent von den Einnahmen aus Heimspielen, deren Austragung kostenintensiver ist als beispielsweise im Handball oder Basketball.

Eine zeitnahe Aufstockung auf gewünschte 50 bis 60 Prozent ist aufgrund gestiegener Corona-Fallzahlen höchst unwahrscheinlich. 

Die DEL hatte einen Saisonstart am 13. November an verbindliche Zusagen aus der Politik über Finanzhilfen bis zum 2. Oktober geknüpft. Diese blieben aus, auch wenn die Politik Verständnis für die missliche Lage der DEL zeigte.

Saison ohne Play-offs denkbar

Bis spätestens Mitte November sollen weitere Entscheidungen zum Saisonablauf getroffen werden. Die Spielergewerkschaft beklagt die Ungewissheit: "Fest steht für uns: Wir sind für die Nennung eines konkreten Starttermins."

Derzeit ist vorgesehen, in der zweiten Dezemberhälfte zu beginnen. Dies biete auch die Möglichkeit, "mit einer verkürzten Saison Kosten zu reduzieren", so Tripcke. In diesem Fall werde es wegen der knappen Zeit zwar "eng für Play-offs", aber die Frage nach dem Modus sei ohnehin "ein Luxusproblem. Wir wollen und müssen flexibel sein."

Die erneute Verschiebung des zuvor bereits auf den 13. November gelegten Starts könnte dazu führen, dass der Meister 2021 erstmals seit 41 Jahren ohne Play-offs gekürt wird.

Weitere Informationen
Fans der Grizzlys Wolfsburg im Heimspiel gegen die Fischtown Pinguins © picture alliance/CITYPRESS24 Foto: Michael Taeger/CITYPRESS24

Existenzängste im Eishockey: Ruf nach staatlicher Hilfe

Anders als im Fußball sorgt die begrenzte Zuschauerzulassung im Eishockey nicht für Freude. Ohne staatliche Zuschüsse sei in der DEL ein Spielbetrieb nicht möglich, heißt es. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 02.10.2020 | 23:03 Uhr

Mehr Sport-Meldungen

Jubel bei den Drittliga-Fußballern des SV Meppen © imago images / Werner Scholz

Schlusslicht Meppen überrascht gegen Ingolstadt

Die Emsländer bezwingen den Aufstiegskandidaten mit 2:0. Tankulic und Rama treffen beim dritten SVM-Saisonsieg. mehr

Luka Tankulic (l.) vom SV Meppen erzielt im Spiel gegen den FC Ingolstadt das 1:0 © imago images / Werner Scholz
4 Min

Leidenschaftlicher SV Mepppen zwingt Ingolstadt in die Knie

Dank einer überragenden kämpferischen Leistung hat der SV Meppen seinen dritten Saisonsieg gefeiert. Ingolstadt wurde 2:0 geschlagen. 4 Min

Jogi Löw © picture alliance / Sven Simon Foto: Elmar Kremser/SVEN SIMON
3 Min

Joachim Löw bleibt Bundestrainer - die Analyse

Joachim Löw bleibt trotz zuletzt schwacher Resultate Fußball-Bundestrainer. Martin Roschitz mit der Analyse zur Entscheidung. 3 Min

Niklas Sagawe beim Speerwurf © picture alliance/Fotostand Foto: Fotostand / Fusswinkel

Talente in der Corona-Krise: "Gute Sportler gehen flöten"

Hallen und Sportplätze geschlossen - Wettkämpfe wegen der Pandemie abgesagt. Was machen Kinder und Jugendliche ohne Sport? mehr