Eine Frau in Tokio schaut durch die Olympischen Ringe © IMAGO / ZUMA Wire

Ein Jahr nach der Olympia-Absage: "Es ist immer noch kritisch"

Stand: 24.03.2021 08:22 Uhr

Heute vor einem Jahr wurden die Olympischen Spiele von Tokio wegen der Pandemie in den Sommer 2021 verschoben. Zwölf Monate nach dieser sporthistorischen Entscheidung sind Corona und auch die Zweifel an Olympia immer noch da.

von Matthias Heidrich

"Ich war traurig, als die Olympischen Spiele im letzten Jahr abgesagt wurden, aber es war vollkommen richtig", sagte Handball-Nationaltorwart Johannes Bitter dem NDR. Auch für diesen Sommer ist sich der Wahl-Hamburger noch nicht sicher, ob die Spiele in Japan über die Bühne gehen: "Es ist immer noch kritisch."

IOC-Boss Bach ohne Zweifel

Das größte Sportevent der Welt in der anhaltenden Corona-Krise kritisch zu hinterfragen, ist IOC-Präsident Thomas Bach vollkommen fremd. "Tokio bleibt die am besten vorbereitete Olympiastadt überhaupt und wir haben keinen Grund, daran zu zweifeln, dass die Eröffnungsfeier am 23. Juli stattfinden wird", verkündete Bach zuletzt gewohnt wortstark. So ähnlich klang der 67 Jahre alte einstige Fecht-Olympiasieger allerdings auch in den stürmischen Wochen des Vorjahres, bevor am 24. März doch die Verlegung der Spiele beschlossen wurde.

VIDEO: Handball-Nationaltorwart Bitter erwartet Olympia ohne Publikum (2 Min)

Für Handballprofi Bitter, den es im Sommer zurück zum HSV Hamburg zieht, wären es die ersten Olympischen Spiele. Der 38-Jährige hält trotz allem an seinem Traum von einer Olympia-Teilnahme mit der deutschen Nationalmannschaft fest.

"Ich denke, dass man die Olympischen Spiele stattfinden lassen kann. Wir haben gezeigt, dass Meisterschaften funktionieren. Wir wissen, wo die Probleme sind." Johannes Bitter

Kugelstoßerin Christina Schwanitz sieht das anders. "In Tokio sind ja nicht nur 300 Sportler", sagte die 35-Jährige im Sportschau-Olympia-Podcast. Die Welt- und Europameisterin hat Anfang März bei der Hallen-EM im polnischen Torun Bronze gewonnen, was angesichts von gut 50 Corona-Infektionen bei Athleten und Funktionären im Nachlauf aber weniger Beachtung fand.

Schwanitz für erneute Olympia-Verschiebung

"EM-Blase", Hygienekonzept, auch vor den Wettkämpfen, es scheint alles nicht geholfen zu haben. "Noch mehr absondern geht nicht", sagte Schwanitz. "Aber das zeigt die Gefährlichkeit des Virus".

"Ich persönlich würde die Spiele am liebsten auf 2024 schieben, damit die Welt noch mal zwei Jahre Zeit hat, um mit der Corona-Situation umzugehen." Christina Schwanitz

Für Isabell Werth kein denkbares Szenario. Tokio wären die sechsten Spiele für die deutsche Dressurreit-Ikone. Stolze zehn Olympia-Medaillen hat die 51-Jährige schon im Schrank hängen, sechs davon aus Gold. "Ich glaube, dass am Ende des Tages so viel finanzielles Budget dranhängt, dass eine weitere Verschiebung unvorstellbare Größenordnungen mit sich bringen würde." Die Kosten für die Verschiebung im vergangenen Sommer hatte Japan mit gut zwei Milliarden Euro beziffert.

"Ich bin hundertprozentig dafür, dass wir die Spiele in diesem Jahr durchziehen - in welcher Form auch immer." Isabell Werth

Abgespeckt haben die Organisatoren zuletzt schon und beschlossen, dass keine ausländischen Zuschauer zu den Spielen anreisen dürfen. Zudem wollen die Olympia-Macher rund 760 Millionen Euro in die Vermeidung von Infektionen fließen lassen.

Teaserbild für den Podcast "Der Sportschau-Olympia-Podcast" © WDR
AUDIO: Sportschau-Olympia-Podcast mit Christina Schwanitz und Isabell Werth (68 Min)

DOSB-Chef Hörmann sieht "Restrisiko" für Athleten

DOSB-Chef Alfons Hörmann sieht für Olympia-Teilnehmer trotzdem ein "Restrisiko", nimmt aber auch die Athleten in die Verantwortung. "Wer auf Nummer sicher gehen möchte, muss in letzter Konsequenz verzichten", sagte Hörmann bei "Sky". "Es wird niemand zur Teilnahme an Olympischen Spielen gezwungen."

Fackellauf gegen die Anti-Olympia-Stimmung?

Die japanische Bevölkerung ein Stück weit schon, obwohl sich in Umfragen zwei Drittel gegen die Spiele im Sommer aussprechen. Ob der Fackellauf daran etwas ändern kann? Ab Donnerstag soll das Olympische Feuer nun endlich seine Reise durch die 47 Präfekturen Japans antreten. Im vergangen Jahr war es am 12. März im antiken Olympia entzündet worden und hatte am 20. März Japan erreicht. Vier Tage vor der Absage. In Tokio hoffen sie nun, dass die Flamme das Olympia-Feuer in einem Land wieder entfacht, das zuletzt olympiamüde geworden ist.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 24.03.2021 | 09:25 Uhr

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