Eishockey-Torwart Dustin Strahlmeier von den Grizzlys Wolfsburg © IMAGO / Sven Simon

Ein Jahr Corona und die Folgen: Wie geht es den Profiligen heute?

Stand: 09.03.2021 08:17 Uhr

Im vergangenen März brach die Deutsche Eishockey Liga (DEL) ihre Saison wegen der Corona-Pandemie ab. Der Handball folgte kurz darauf, im Basketball wurde ein Finalturnier gespielt. Ein Jahr später sichern die Hilfspakete der Bundesregierung das Überleben der Clubs.

Am 10. März 2020 saßen die Kufencracks der Grizzlys Wolfsburg im Bus und warteten auf die Abfahrt zum ersten Play-off-Spiel in Nürnberg. Dann kam der Anruf: Kommando zurück! Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) hatte ihre Saison nach einer Telefonkonferenz vorzeitig abgebrochen, das Coronavirus den ersten Spielbetrieb im deutschen Profisport gestoppt. "Wir haben uns nicht um die Vorreiterrolle gerissen, aber wir haben sie angenommen und den richtigen Instinkt bewiesen", sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke ein Jahr danach: "Es wäre uns sonst ein paar Tage später um die Ohren geflogen."

Fußball und Basketball unterbrachen nur

Die DEL tat sich leichter als andere Sportarten, denn sie hatte ihre Hauptrunde abgeschlossen. "Der Umsatzausfall tat weh, aber Geisterspiele machten damals auch wirtschaftlich noch weniger Sinn", erklärt Tripcke. Die Fußball-Bundesliga trug am nächsten Tag noch das Nachholspiel Mönchengladbach gegen Köln ohne Zuschauer aus, dann pausierte sie für gut zwei Monate.

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Die Handball-Bundesliga (HBL) setzte zwei Tage später den Spielbetrieb zunächst für eineinhalb Monate aus und entschied sich erst am 21. April zum Saisonabbruch, der THW Kiel wurde zum "Corona-Meister" ausgerufen. Die Basketball-Bundesliga (BBL) kürte im Juni in einem Finalturnier in München, auf das einige Clubs freiwillig verzichteten, ohne Zuschauer Alba Berlin zum Champion.

Corona-Staatshilfe sicherte das Überleben

Geisterspiele sind mittlerweile auch im Eishockey Alltag - nach langem Ringen und zweimaliger Saisonverschiebung. "Am Anfang hat es gerappelt, aber dann haben alle die Front geschlossen und zusammen an einem Ziel gearbeitet", sagt Tripcke. Weil bei vielen Clubs ohne Zuschauer mehr als die Hälfte der Einnahmen wegbrach, verzichteten die Spieler auf bis zu 60 Prozent des Gehalts.

Der Gesamtumsatz der Liga wurde von 130 Millionen Euro aus der letzten Vor-Corona-Saison halbiert, mit Ausnahme von RB München erhielten alle Clubs bis zu 800.000 Euro Staatshilfe. Im zweiten Corona-Hilfspaket könnten sie in diesem Jahr noch einmal bis zu einer Million Euro beantragen. "Damit schaffen wir es zu überleben", sagt Tripcke.

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Eishockey-Profi Dominik Bittner von den Grizzlys Wolfsburg © imago images / Eibner

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"Momentan läuft es ganz gut", sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. Die Clubs würden wohl finanziell überleben. mehr

Viele Unsicherheiten für die kommende Saison

Aber: "Es wird ein paar Jahre dauern, bis die Umsätze sich völlig erholen." Noch ist völlig unklar, mit welchen Zuschauereinnahmen die Clubs in der nächsten Saison rechnen können. Die enormen Zugeständnisse der Spieler seien endlich, "das kann man nicht dauerhaft machen", glaubt der DEL-Geschäftsführer. Bestehende Verträge "ein zweites Mal nachzuverhandeln, ist eine schwierige Aufgabe". Mehr als die Hälfte der Spieler hat aufgrund der Unsicherheit noch keinen Kontrakt für die nächste Spielzeit. 

BBL: "Jedes gespielte Spiel ist ein kleiner Sieg"

Die BBL zog jüngst nach der Hinrunde Halbzeitbilanz. Und war zufrieden. Im Großen und Ganzen läuft es, abgesehen von einigen Verschiebungen wegen Corona-Fällen und Quarantäne-Maßnahmen. "In diesem Jahr gilt das Motto: Jedes gespielte Spiel ist ein kleiner Sieg", sagte Geschäftsführer Stefan Holz: "Bislang sind wir recht gut durch die Pandemie gekommen." Da allein wegen der weggebrochenen Ticketeinnahmen gut 25 Millionen fehlen, hat der Liga-Boss aber stets betont, dass Gelder vom Bund auch 2021 nötig sein werden. Diese seien "zwingend erforderlich".

Hanning hofft auf baldige Zuschauerrückkehr

"Den Clubs geht es ja im Grunde genommen gut. Wir haben Staatshilfen bekommen, weil man gesagt hat: 'Man will die Leuchttürme nicht verlieren für den Sport'. Wir können unseren Sport ausüben", sagte Bob Hanning im Sportschau-Olympia-Podcast. Der DHB-Vizepräsident und Manager von Handball-Bundesligist Füchse Berlin hofft zudem auf eine baldige Zuschauerrückkehr: "Wir haben den Ländern Hygienekonzepte vorgelegt und ich hoffe, dass wir jetzt auch dahin kommen, dass diese Anwendung finden. Denn alle finden sie gut, aber keiner traut sich, sie umzusetzen."

Teaserbild für den Podcast "Der Sportschau-Olympia-Podcast" © WDR
AUDIO: Sportschau-Olympia-Podcast mit Bob Hanning (79 Min)

Handball trotzt der Terminhatz - notfalls Finalturnier

HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann bezeichnet den damaligen Abbruch der Handball-Saison auch heute noch als die richtige Entscheidung - und kämpft mit den Clubs darum, die Spielzeit diesmal sportlich zu beenden. Bei insgesamt 38 Spieltagen und regelmäßigen Spielverlegungen eine Mammutaufgabe. "Ich glaube aber, dass wir mit einigen Zumutungen 38 Spieltage schaffen können oder zumindest nah dran kommen", sagte Bohmann.

Alternativen zum klassischen Format mit Hin- und Rückrunde existieren daher längst. "Zur Not könnten wir die Saison mit einem Finalturnier zu Ende bringen, dafür liegt bereits ein Plan B in der Schublade", so Bohmann.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 09.03.2021 | 09:25 Uhr

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