Stand: 29.02.2020 11:23 Uhr

Ehlers/Flüggen: Coronavirus erschwert Weg nach Tokio

von Christian Görtzen, NDR.de

An Optimismus herrschte noch am 24. Februar kein Mangel. "Wir bringen die Sonne mit - versprochen", hatten die beiden Beachvolleyballprofis Niels Ehlers und Lars Flüggen, die beide für den Hamburger SV pritschen, blocken und schmettern, aus ihrem Trainingslager auf Sri Lanka verkündet. Es durfte als Ansage verstanden werden, dass sie mit Verve in die kommenden Turniere der World Tour starten wollten. Nur einen Tag später aber trübte sich die Wetterlage für das Nationalteam des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) erheblich ein.

Nach dem Vier-Sterne-Event im chinesischen Yangzhou sagte der Weltverband FIVB innerhalb kurzer Zeit auch das Drei-Sterne-Turnier in Bandar Abbas (Iran) ab. Der Grund ist hier und da derselbe: das Coronavirus, das sich weltweit ausbreitet und reihenweise Veranstaltungen aus dem Terminplan kippt. Ehlers und Flüggen machen sich bereits Gedanken, ob sie sich in fünf Monaten tatsächlich an ihrem Sehnsuchtsort werden aufhalten können - in Tokio, wo laut Plan vom 24. Juli bis 9. August die Olympischen Sommerspiele stattfinden sollen.

Coronavirus sorgte für vier Turnierabsagen in Asien

Dafür gibt es gleich zwei Gründe. Zum einen mindert jede Vertagung eines Turniers, die de facto eine Absage sein wird, die Chancen des Duos darauf, sich das Olympia-Ticket zu sichern. "Wir hätten noch zehn Turniere spielen können. Vier in Asien wurden jetzt erst einmal abgesagt: eines in Singapur, zwei in China, eines in Iran", sagte Flüggen dem NDR via Skype-Interview. "Die werden wohl auch nicht mehr ersetzt, da es die Leute nicht mehr hinkriegen werden, die Turniere neu auf die Beine zu stellen."

Die Olympia-Qualifikation im Beachvolleyball gestaltet sich so, dass für jedes Duo die besten zwölf Ergebnisse aus zwei Jahren in die Wertung einfließen. Während die Hamburger Vize-Weltmeister Julius Thole und Clemens Wickler das Olympiaticket schon so gut wie in der Tasche haben, müssen Ehlers/Flüggen bis zum Stichtag 15. Juni weiter fleißig Punkte sammeln für eine Reise nach Tokio, wo sie 2019 bei einem Vier-Sterne-Turnier den zweiten Platz belegten.

Droht gar eine Verschiebung der Olympischen Spiele?

"Für uns sind Turnierausfälle natürlich bitter, da wir auf der Kippe stehen, noch nicht sicher qualifiziert sind. Wir würden gerne noch die Turniere nutzen, um Punkte zu sammeln und an ein paar Leuten vorbeizuziehen. So erschwert es das Ganze natürlich für uns", sagte Flüggen.

Ehlers merkte an: "Es könnte durchaus sein, dass das so weitergeht und auch andere Turniere verschoben werden." Dass das Coronavirus immer größeren Einfluss auf das Leben der Menschen ausübt, hat das Duo bereits bei der Anreise nach Sri Lanka registriert. "Die Anzahl der Mundschutz tragenden Menschen auf den Flughäfen war schon riesig, die war bestimmt bei 50:50. Das ist definitiv total angestiegen." Über Gespräche mit Freunden und Verwandten haben sie zudem erfahren, zu welchen Folgen das Coronavirus in Europa und seit kurzem in Deutschland geführt hat.

Und dann ist da noch der zweite Grund, der es fraglich macht, ob das Duo Ende Juli in der japanischen Hauptstadt um Medaillen wird kämpfen können. Angesichts der immensen Ausbreitung des Coronavirus' erscheint es derzeit sogar als nicht abwegig, dass die Olympischen Spiele verschoben werden, womöglich um ein Jahr auf 2021, vielleicht gar auf 2022. "Bei uns steht derzeit eher noch der Weg zu Olympia im Vordergrund. Wenn das Ding aber abgesagt wird, würden wir uns sicherlich ganz schön in den Arsch beißen", sagte Flüggen. Ehlers versuchte es mit Optimismus: "Wir haben nächste Woche ein Turnier in Katar, dann eines in Cancun, die finden nach aktuellem Stand auch statt. Darauf liegt für uns der Fokus. Alles Weitere können wir nicht beeinflussen."

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 01.03.2020 | 23:00 Uhr

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