Stand: 07.06.2020 19:27 Uhr

Leichtathletik: Sportler kritisieren DM-Pläne

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"Ich bin sprachlos": Gesa Felicitas Krause.

Die entsetzten Reaktionen der Athleten ließen nicht lange auf sich warten. "Ich bin sprachlos. Fußball spielt man mit 22 - und ein Meisterschaftsfinale mit acht bis zwölf Läuferinnen soll nicht möglich sein?", schrieb Gesa Felicitas Krause bei Instagram. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hatte zuvor mitgeteilt, dass die wegen der Corona-Pandemie abgesagte DM in Braunschweig am 8. und 9. August nachgeholt werden soll, allerdings ohne Laufdisziplinen auf der freien Bahn und ohne Staffelwettbewerbe. Der Sicherheitsabstand bei diesen Disziplinen könne nicht gewährleistet werden, so der DLV, der für die Veranstaltung eine Sondergenehmigung beantragt hat. Diese sei noch nicht erteilt worden, aus dem niedersächsischen Innenministerium habe es jedoch bereits positive Signale gegeben.

Solidarität innerhalb der Leichtathletik

Nicht nur bei der WM-Dritten im Hindernislauf handelte sich der Verband scharfe Kritik ein. "Das wird doch so keine richtige deutsche Meisterschaft", meinte Sprint-Ass Gina Lückenkemper, auch wenn die Vize-Europameisterin über 100 m persönlich nicht direkt betroffen ist. Doch vor allem die Solidarität innerhalb der Leichtathletik wurde im Zuge der DLV-Pläne ein Thema. "Leichtathletik bedeutet Laufen, Springen, Werfen. Und ohne Laufen ist es nicht das Gleiche", unterstrich Krause: "Kein Hindernislauf und keine Mittelstrecken - eine Entscheidung, die ich nicht nachvollziehen und in keinem Sinne befürworten kann."

Frage nach Zuschauern noch offen

Die Meisterschaften hätten ursprünglich an diesem Wochenende im Braunschweiger Eintracht-Stadion stattfinden sollen, am neuen Termin Anfang August sind sie anscheinend nur mit rigiden Schutzmaßnahmen durchführbar. Ob und wieviele Zuschauer dabei zugelassen sind, ist noch offen.

Das 23-seitige Hygiene- und Durchführungskonzept des DLV ist auch als Vorlage für weitere Wettkämpfe auf Landes- und Vereinsebene gedacht und sieht unter anderem vor, alle Laufwettbewerbe auszusetzen, die nicht auf getrennten Bahnen gestartet und beendet werden. In Braunschweig beträfe dies neben den 3.000 m Hindernis die 1.500 und 5.000 m. Die Reaktionen ehemaliger Top-Athleten fielen drastisch aus: "Ist doch echt langsam zum Kotzen, und Fußball darf gespielt werden! Ich fühle gerade echt mit Euch allen", polterte die frühere Langstrecken-Serienmeisterin Sabrina Mockenhaupt. "Was für ein Scheiß", kommentierte Jan Fitschen, 10.000-m-Europameister von 2006.

Verband wirbt um Verständnis

Der DLV, der seinen wichtigsten Wettkampf retten und zudem zeigen will, "dass es die Sportart noch gibt" (DLV-Präsident Jürgen Kessing), warb um Verständnis: "Wir verstehen die Enttäuschung darüber, dass aufgrund der besonderen Rahmenbedingungen nicht alle Disziplinen in das DM-Konzept integriert werden konnten." Die behördlichen Auflagen aufgrund der Pandemie würden es jedoch "zum jetzigen Zeitpunkt schlicht nicht zulassen".

"Wir müssen auch weiterhin berücksichtigen, dass wir uns nach wie vor mit einer bisher nicht gekannten Pandemie auseinandersetzen. Es ergeben sich vielfältige Einschränkungen, die nicht nur den Sport daran hindern, linear in die gewohnte Normalität zurückzukehren. Unser vornehmliches Ziel ist es daher, überhaupt einige Deutsche Meisterschaften während der Corona-Krise auf die Beine zu stellen. Sollte es aufgrund von weiteren Lockerungen und Genehmigungen die Möglichkeit geben, Mittel- und Langstrecke bei der DM durchzuführen, werden wir das tun." DLV-Generaldirektor Idriss Gonschinska

Laut Frank Lebert, Geschäftsführer der Deutschen Leichtathletik Marketing GmbH, könnten ausgefallene Laufwettbewerbe eventuell beim Istaf in Berlin im September nachgeholt werden: "Dort haben unsere Athleten die Möglichkeit, in einem würdigen Rahmen und einem internationalen Umfeld um die deutsche Meisterschaft zu kämpfen." Dem Verband geht es nach Monaten der Wettkampfabstinenz im Rahmen des Möglichen auch um eine Standortbestimmung für die besten Athleten. Oder, wie Kessing sagte: "Ein Pferd nur im Stall zu halten, macht keinen Sinn."

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 05.06.2020 | 20:25 Uhr

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