Stand: 24.12.2018 11:10 Uhr

Boris Herrmann und sein größtes Segel-Abenteuer

von Bettina Lenner, NDR.de
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Boris Herrmann steht vor der größten Herausforderung seiner Segelkarriere.

Einmal um die Welt segeln. Ganz allein. Davon hat Boris Herrmann schon als kleiner Junge geträumt. Dreimal hat er mittlerweile den Globus umrundet, aber noch nie als Solist und nonstop. Das soll sich in zwei Jahren ändern, wenn der 37-Jährige in das Rennen seines Lebens startet: Die prestigeträchtige Vendée Globe gilt als härteste Einhand-Regatta der Welt und führt ohne Zwischenstopp von der französischen Atlantikküste einmal über alle Ozeane und zurück.

In 80 Tagen um die Welt. Gefangen auf einer 20-Meter-Jacht. Ein Drittel der Zeit unter Deck, wo es eng und stickig ist. Auf sich gestellt - alles egal: "Das Vendée Globe ist eins der ältesten großen Hochseerennen und auch das purste, weil man alleine losfährt", sagte Herrmann im NDR Sportclub. Die Gefahren, die Einsamkeit können den Wahl-Hamburger nicht schrecken: "Ich habe es schon öfter erlebt, dass ich ein Einsamkeitsgefühl habe. Aber das ist eine kurze Phase in der Regel am Anfang des Rennens, das geht vorbei. Und dann macht es auch wieder sehr viel Spaß, wenn man mitten in diesem faszinierenden Abenteuer steckt."

Erster großer Test gelungen

Die Tücken der See kennt der gebürtige Oldenburger von Kindesbeinen an. Er wurde auf dem Familienschiff groß, kam über das Jollen- zum Hochseesegeln, ist einer der wenigen deutschen Segelprofis. 2001 war er jüngster Teilnehmer bei der Atlantiküberquerung "Mini Transat", vor drei Jahren heuerte er als Navigator auf der ersten Jacht an, die nur unter Segeln die Nordostpassage bezwang.

Mit der unter der Flagge des Yacht Club de Monaco segelnden "Malizia", die mit bis zu 70 Stundenkilometer über den Ozean rast, will Herrmann einmal mehr Segel-Geschichte schreiben. Pierre Casiraghi, Sohn von Caroline von Monaco, ist der Gründer des Teams, beide bestreiten auch gemeinsame Rennen. Vier Jahre dauert die Vorbereitung auf den großen Moment, erst kürzlich hat Herrmann den ersten großen Test mit dem Hightech-Racer, den er allein bewältigen musste, mit Bravour bestanden. Bei der Regatta Route du Rhum, die über 6.660 Kilometer von Saint Malo in der Bretagne bis nach Guadeloupe in der Karibik führt, belegte er Rang fünf - die bislang beste Platzierung eines deutschen Einhandseglers in der 40-jährigen Geschichte des legendären Transatlantik-Klassikers. Ein Viertel der insgesamt 123 gestarteten Schiffe schaffte es nicht ins Ziel.

Die größte Angst: ein technischer Defekt

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Gründer des Teams "Malizia": Pierre Casiraghi (r.).

Die Vendée Globe, die 2020 zum neunten Mal ausgetragen wird und über rund 46.000 Kilometer nonstop rund um den Globus führt, haben dramatische Kenterungen und Rettungsaktionen sowie eine Ausfallrate von bis zu 60 Prozent zu einer Legende gemacht. Körperlich wie psychisch muss Herrmann topfit sein, um die Herausforderung zu meistern. Einen Durchhänger kann sich der Skipper trotz maximal einer Stunde und manchmal gar nur fünf Minuten Schlaf am Stück nicht leisten: "Wir müssen rund um die Uhr fit sein", schilderte er: "Bei so einem Rennen ist man auch mental extrem gut vorbereitet. Es gibt für alle Fälle Szenarien." Einziges No-Go: "Man darf nicht über Bord fallen, weil das Schiff mit Autopilot eigenständig geradeaus steuert und dann wegfährt."

Seglerisches Können, Mut und Erfahrung sind nötig im einsamen Kampf gegen die Naturgewalten - allerdings nutzlos, wenn die Technik versagt. Die größte Angst des 37-Jährigen, der als erster Deutscher bei der Vendée Globe starten würde: "Dass man durch einen blöden technischen Fehler dieses ganze aufwändige Projekt und diesen Lebenstraum zunichtemacht, denn man darf nicht anhalten. Wenn irgendetwas kaputtgeht, was ich nicht austauschen oder selbst reparieren kann an Bord, dann ist das Rennen für mich zu Ende."

Wertvolle Daten für die Klimaforschung

Für den Niedersachsen steht indes nicht nur der sportliche Erfolg, sondern auch die "Malizia Ocean Challenge" im Fokus. Das Projekt wird wissenschaftlich vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Meeresforschung in Kiel begleitet, das Schiff sammelt unterwegs über einen speziellen Sensor wertvolle Daten für die Klimaforschung. "Als Hochseeregattaprofi will ich mehr tun, als einfach nur so schnell wie möglich von A nach B zu segeln", sagte Herrmann, der zudem Kinder bei einem Schulprojekt an seinen Segelabenteuern teilhaben lässt , um sie so für das Thema Klimawandel zu sensibilisieren: "Wir müssen mit unserem Element sorgsam umgehen und dafür sorgen, dass der Nachwuchs die Bedeutung sauberer Meere versteht und verinnerlicht", unterstrich der Extremsegler.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 23.12.2018 | 22:35 Uhr

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