VIDEO: Ankommen! Boris Herrmann und seine härteste Regatta (30 Min)

Boris Herrmann: "Es fällt mir jetzt schwer, allein zu sein"

Stand: 31.01.2021 19:00 Uhr

80 Tage hat Weltumsegler Boris Herrmann bei seinem Vendée-Globe-Debüt allein auf hoher See verbracht. Das hat beim Hamburger Spuren hinterlassen. Die ersten Lehren aus der Kollision kurz vor dem Ziel sind dennoch bereits gezogen.

von Bettina Lenner

"Ganz langsam komme ich wieder an Land an, aber es dauert länger als ich dachte. Ich bin auch deutlich erschöpfter als bei anderen Rennen", verriet der 39-Jährige dem NDR in einer Videobotschaft. Mit seiner Frau Birte und der sieben Monate alten Tochter Marie-Louise war Deutschlands neuer Segelheld am Sonntag auf dem Rückweg nach Hamburg - und freut sich unbändig auf die Hansestadt. "Das ist dann das richtige Ankommen, in den eigenen vier Wänden. Darauf freue ich mich besonders: wieder zu Hause einen Kaffee zu kochen und auf dem Sofa zu sitzen."

Es sei toll, wieder unter Leuten zu sein. "Das ist das, wonach ich mich so gesehnt habe." Einsamkeit, sein ständiger Begleiter während der härtesten Einhand-Regatta der Welt, kann er derzeit kaum ertragen. "Es fällt mir jetzt eher schwer, allein zu sein. Ich kann zum Beispiel gar nicht schlafen, wenn ich alleine in einem Raum liege", so der Familienvater. "Das wird sich alles nach und nach normalisieren."

Erneute Teilnahme "ein großer Wunsch von mir"

Dennoch kann sich Herrmann eine erneute Teilnahme an der Vendée Globe vorstellen, die das nächste Mal in vier Jahren ausgetragen wird. Allen Strapazen, aller Einsamkeit zum Trotz. "Das ist ein großer Wunsch von mir. Natürlich verflucht man es absolut, wenn man da draußen ist bei schweren Bedingungen. Wenn man sich sagt 'Mach es bitte nie wieder!' Aber an der Ziellinie arbeitet das Gehirn schon wieder daran, wie man es in vier Jahren noch mal und besser machen könnte."

"Nach dem Rennen ist vor dem Rennen. Am ersten oder zweiten Tag nach der Ankunft wäre die Antwort noch eine andere gewesen." Boris Herrmann

Kollision "eigentlich irrelevant" für Gesamt-Beurteilung

Die ersten wichtigen Schlüsse sind bereits gezogen. "Für mich ist für die Zukunft klar, dass ich die Alarmsysteme mindestens verdoppeln werde", sagte Herrmann, der - einen Podestplatz, möglicherweise sogar den Sieg vor Augen - rund 90 Seemeilen vor dem Ziel mit einem baskischen Fischtrawler zusammengeprallt war. Sowohl Herrmann als auch die Besatzung des fast 30 Meter langen und 8 Meter breiten Kutters blieben unverletzt. Doch weil Herrmanns Yacht "Seaexplorer - Yacht Club de Monaco" erhebliche Schäden davontrug, musste er das Tempo deutlich reduzieren und wurde schließlich Fünfter.

Mittlerweile hat der Hamburger Kontakt zu Kapitän Josu Zaldumbide und der Reederei aufgenommen, nachdem er zuvor vermutet hatte, das Schiff habe das AIS (Automatic Identification System) ausgeschaltet. Warum seine eigenen Alarmsysteme offenbar versagten, ist nicht vollständig geklärt.

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Die beschädigte Hochseeyacht "Seaexplorer" von Weltumsegler Boris Herrmann © picture alliance/dpa/MAXPPP | Joël Le Gall

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"Es ist großes Pech und natürlich muss man das technisch untersuchen, warum der Alarm nicht ausgelöst wurde", sagte Herrmann dem NDR. "Aber die Episode mit dem Fischkutter ist eingeordnet in das ganze Rennen wie ein kleines Schlagloch am Ende, wo mir noch einmal ein Reifen geplatzt ist kurz vor dem Ziel. Eigentlich ist sie irrelevant für die Beurteilung der gesamten Geschichte."

"Ich hab's geschafft. Ich bin auch echt stolz drauf." Boris Herrmann

Das Klimaschutzprojekt vorantreiben

Noch zwei, drei Tage Ruhe und Entspannung. Dann, davon ist der 39-Jährige überzeugt, "werde ich schon wieder von morgens bis abends durch die Wohnung rennen und überlegen, wie wir das nächste Schiff bauen oder was als Nächstes kommen soll".

Kurzfristig will der Skipper, der auf seiner langen Reise aus einem bordeigenen Labor wissenschaftlichen Einrichtungen wie dem Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel und dem Max-Planck-Institut umfangreiche Daten lieferte, aber vor allem sein Klimaschutzprojekt weiter vorantreiben. "Es geht uns ja nicht nur um Segeln, sondern auch um Nachhaltigkeit und den Klimawandel", betonte der Hamburger, der für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen wurde. "Das ist etwas, das mich jetzt im Moment am meisten motiviert und morgens aus dem Bett treibt: zu überlegen, was wir in dem Bereich wirklich machen können."

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 31.01.2021 | 22:50 Uhr

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