Arnd Peiffer bei einem Sommerrennen. © imago images / Matthias Rietschel

Biathlon-"Silberrücken" Peiffer sorgt sich um den Nachwuchs

Stand: 17.11.2020 11:38 Uhr

Olympiasieger Arnd Peiffer spricht über eine etwas andere Wintersportsaison, die großen Sorgen der Biathlon-Talente und sein nahendes Karriereende.

von Ines Bellinger, Moritz Cassalette und Fabian Wittke

Mit 33 Jahren ist Arnd Peiffer der "Silberrücken" unter den deutschen Biathleten. Aber das macht dem Olympiasieger und fünfmaligen Weltmeister vom WSV Clausthal-Zellerfeld gar nichts aus. "Ich bin überzeugt, dass ein 33-Jähriger in Topform immer einen 22-Jährigen in Halbform schlagen kann", sagt Peiffer dem NDR. Und wie um seine Position als "Platzhirsch" zu untermauern, definiert er gleich mal seine Ziele für die am 28. November in Kontiolahti in Finnland beginnende Weltcup-Saison: Ein Platz unter den Top Ten im Gesamtweltcup soll es sein, mindestens ein Podestplatz bei einem Einzelrennen und eine Medaille bei der Weltmeisterschaft im Februar in Pokljuka in Slowenien.

Biathlet Arnd Peiffer © imago images/Sven Simon Foto: Frank Hörmann

AUDIO: Sportschau-Olympia-Podcast - mit Hannawald und Peiffer (53 Min)

Hütten-Kohorten und Testreihen in Lappland

Um sich auf die bis Ende März dauernde "Ochsentour" durch den Corona-Winter vorzubereiten, ist Peiffer mit seinen Kollegen nach Lappland gereist. In Muonio, 200 Kilometer nördlich des Polarkreises, finden die Biathleten derzeit das "weiße Gold" der Wintersportler. "Wir sind dreieinhalb Wochen am Stück unterwegs, um so ein bisschen dem Schnee hinterherzureisen", erzählt Peiffer am Telefon. Wegen der Coronavirus-Pandemie ist das gar nicht so einfach, denn auch für Wintersportler in fast menschenleeren Gegenden gelten strenge Hygienevorschriften. Ein PCR-Test, nicht älter als 72 Stunden, war für die Einreise nach Finnland nötig, auch im Trainingslager, vor der Weiterreise und nach der Ankunft in Kontiolahti wird getestet. "Wir gelten als Berufspendler. Es ist vorher sehr eng abgesprochen worden mit der Lokalregierung. Und das ist politisch auch so gewollt, dass wir hierherkommen und uns hier vorbereiten."

In Muonio gibt es ausschließlich feste Hütten-Kohorten, die zusammen zum Training auf die Strecke gehen, zusammen wohnen und zusammen essen - damit nicht alle in Quarantäne müssen, falls es doch einen Corona-Fall gibt. "Es fehlt ein bisschen die Leichtigkeit", sagt Peiffer. "Aber ich will nicht jammern, wir konnten fast normal trainieren in einer Individual- und Outdoor-Sportart. Das ist ein Riesenvorteil gegenüber dem Handball zum Beispiel."

Dem Nachwuchs fehlt die Perspektive

Stand jetzt soll die Weltcup-Saison im Biathlon mit derselben Anzahl Rennen wie im vergangenen Winter stattfinden. Im IBU-Cup, der Zweiten Liga des Biathlons, hingegen werden bis Weihnachten überhaupt keine Rennen gestartet. Die, die sich dort anbieten wollen, um einen Weltcup zu laufen, haben vorerst keine Bühne mehr. Peiffer glaubt, dass viele Talente, die mit 17, 18, 19 Jahren gerade vor der Entscheidung stehen, ob sie voll auf die Karte Profisport setzen sollen oder nicht, dem Biathlon abhanden kommen werden. "Es ist in vielen Sportarten so: Die obere Ebene kann noch ein bisschen weitermachen, weil natürlich der ganze Sport davon lebt, dass der Sport noch präsent ist. Aber für den Nachwuchs fehlt ein bisschen die Perspektive." Das sei ein Problem, das man wahrscheinlich erst in fünf, sechs Jahren spüren werde.

Erlebnis Oberhof - nicht mit Pappfiguren zu ersetzen

Das Thema Weltcup- und WM-Rennen ohne Fans betrachtet Peiffer mit gemischten Gefühlen. Zum Auftakt in Kontiolahti sei es egal, ob nun 200 Zuschauer an der Strecke stünden oder gar keine. Aber in Biathlon-Hochburgen wie Oberhof oder Ruhpolding werde er die tolle Stimmung vermissen. "Am Birxsteig in Oberhof stehen die Leute in 20er-Reihen, schon morgens", schwärmt er. "Das ist einfach ein Erlebnis, das kann man nicht mit ein paar Pappfiguren ersetzen."

Reicht es für einen vierten Olympia-Start?

Ob Peiffer "normale" Zeiten in seinem Sport als Athlet noch einmal erleben und ein viertes Mal bei Olympia starten wird, steht derzeit in den Sternen. Obwohl die nächsten Winterspiele nur ein halbes Jahr nach den auf kommendes Jahr verschobenen Sommerspielen stattfinden sollen, spielt Peking in seinen Planungen noch keine große Rolle. "Nach der WM werde ich mal in mich reinhören", sagt er, "meine Gebrechen mal so durchgehen und dann überlegen, ob es noch für eine weitere Saison reicht."

Weitere Informationen
Volle Zuschauerränge bei der Biathlon-WM im Februar 2020 in Antholz in Südtirol. © imago images / ZUMA Wire

Der Wintersport und die Angst vor dem finanziellen Kollaps

Der Wintersport kämpft ums Überleben. Das Dilemma: Nur wer medial sichtbar ist, bekommt Gelder. Mehr bei sportschau.de extern

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 17.11.2020 | 05:00 Uhr

Mehr Sport-Meldungen

Christoph Hemlein vom Fußball-Drittligisten SV Meppen © imago images / Eibner

SV Meppen will allen Widrigkeiten trotzen

Drittligist Meppen kehrt heute nach dreiwöchiger Corona-Pause in den Spielbetrieb zurück. Die Aufgabe ist denkbar schwer. mehr

Fabian Nürnberger (l) vom 1. FC Nürnberg überwindet Keeper Philipp Kühn vom VfL Osnabrück zum 2:0 © imago images / Zink

Erste Pleite für Osnabrück - VfL von Nürnberg vorgeführt

Die Niedersachsen gehen gegen den "Club" mit 1:4 unter und fallen auf Platz sechs der Zweitliga-Tabelle zurück. mehr

Mads Mensah Larsen (r.) von der SG Flensburg-Handewitt im Champions-League-Spiel gegen Brest in Aktion © imago images / Holsteinoffice

SG Flensburg-Handewitt in Brest: Diesmal soll es ein Sieg sein

Vor einer Woche spielte die SG zu Hause nur remis gegen den belarussischen Meister. Am Mittwoch soll mehr herausspringen. mehr

Khaled Narey (v.l.), Amadou Onana, Toni Leistner und Moritz Heyer vom HSV © Witters Foto: Valeria Witters

Geht das schon wieder los, HSV?

Wie bereits in den beiden Zweitliga-Jahren zuvor zeigt die Formkurve beim Hamburger SV nach einem starken Start nach unten. mehr