Stand: 03.07.2019 12:49 Uhr

"Rothenbeach": Großer Sport und super Stimmung

von Andreas Bellinger, NDR.de
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Auf den Rängen am Hamburger Rothenbaum herrscht stets beste Stimmung.

Die Temperaturen gehen rauf und runter - die Stimmung aber nicht. Bei heißen Beats und wabernden Bässen machen die Zuschauer der Beachvolleyball-WM im Hamburger Stadion am Rothenbaum Party und lassen sich die gute Laune weder von tropischer Hitze noch von Tief "Nasir" verderben. Egal ob 30 Grad oder kühlere Luft aus Nordwest an den Tagen danach, das Motto am "Rothenbeach" heißt: Sommer, Sonne, Strandfeeling. "Es ist schön zu sehen, wie Beachvolleyball-verrückt die Leute hier sind", sagt Laura Ludwig, die nach ihrer Babypause fast schon wieder die Alte ist. Die in Hamburg lebende Titelverteidigerin und Olympiasiegerin von Rio 2016 ist das Glamour-Girl der Weltmeisterschaft. Aber nicht allein der Garant für das Gelingen der 6,5 Millionen Euro teuren Veranstaltung, die von der Hansestadt mit 3,5 Millionen Euro gesponsert wird.

Mackerodt: "Hamburg ist ein Hotspot"

"Natürlich hängt Vieles vom Abschneiden der deutschen Teams ab", sagt Mitorganisator Frank Mackerodt. Klar aber sei: "Hamburg ist ein Hotspot", so der einstige (Beach-)Volleyballstar. Die Doppeldeutigkeit dürfte dabei durchaus gewollt sein. Denn natürlich spielt das Wetter eine große Rolle bei einer Sportart, die am Strand geboren wurde. "Bislang haben wir bei unseren Turnieren hier immer Glück gehabt", sagt der auch im Hamburger Senat geschätzte Strippenzieher und beschwört im Gespräch mit dem NDR lächelnd den "Wettergott": "Das ist in Hamburg schließlich nicht unbedingt alltäglich." Das im Beachvolleyball einzigartige Zeltdach auf dem Stadion konnte bislang eingerollt bleiben. Auch wenn sich mancher Akteur bei anfänglich fast 50 Grad im Inneren des Stadions insgeheim ein Dach über dem Kopf gewünscht haben mag.

Am "Rothenbeach" bleibt keiner durstig

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Die Klatschpappe ist beim Publikum derweil immer zur Hand. An heißen Tagen auch als Fächer. Dann finden sich die knappen Outfits, die die Spielerinnen der Überlieferung nach 1994 gemeinsam mit dem Weltverband etabliert haben, auch auf der Tribüne wieder. "Wir spielen selbst Beachvolleyball, uns macht die Hitze nichts aus", sagt Julia Fleischmann stellvertretend für die hitzebeständigen Besucher auf den 2.000 gelben Sitzen, die für 35 Euro fest gebucht werden können, während für die restlichen 12.800 Plätze der Eintritt frei ist. "Die Stimmung ist grandios, eine super Party", sagt die 27-Jährige aus Lübeck und nimmt einen Schluck Mineralwasser, das am "Rothenbeach" für Spieler und Zuschauer nicht ausgeht.

Olympiasieger Brink: Ein grandioses Familienfest

"Beachvolleyball zeigt sich in allen Facetten von seiner besten Seite", sagt Olympiasieger Julius Brink. Die WM sei ein Familienfest, bei dem keiner Angst um seine Kinder haben müsse, so der ARD-Experte. Sogar an einen Parkplatz für Kinderwagen haben die WM-Macher gedacht. Gut auch für die zurückgetretene Olympiasiegerin Kira Walkenhorst, die mit einem "Drilling" auf dem Arm ihrer einstigen Partnerin Ludwig zuschaute. Ein bisschen Wehmut konnte die junge Mutter nicht verbergen, die allzu gerne bei der Titelvergabe ein Wörtchen mitreden würde. Denn was vor dem Turnier niemand glauben mochte, schien zur Halbzeit plötzlich gar nicht mehr ausgeschlossen zu sein. "Eine Medaille ist nicht mehr unwahrscheinlich", sagt Brink und legt sich mutig fest: "Ich glaube fest daran, dass die deutschen Teams am Ende irgendetwas mitnehmen werden."

Schlapp war bislang nur das Netz

Derweil geht die Post weiter ab auf dem Center Court und den beiden Nebenplätzen mit 1.500 bzw. 500 Plätzen. Großer Sport gepaart mit allerhand musikalische Einlagen und Animationen, die offensichtlich keinen kalt lassen. "Allein das Gefühl, aufs Feld zu laufen und die Fans zu hören, ist schon Granate", sagt Ludwig. Selbst ein schlappes Netz beim WM-Auftakt mit den Hamburger Hoffnungsträgern Julius Thole und Clemens Wickler wurde einfach überspielt: Der DJ legte Mike Krügers "Nippel" auf - statt Stimmungskiller gab es Lachsalven. Der Gruppenzwang ist ansteckend, der Rhythmus aus den Boxen geht umweglos direkt ins Blut und lässt den Körper wie von alleine tanzen. "Beachvolleyball ist eine Mixtur aus Party und Sport", sagt Brink im Interview mit NDR.de.

Ludwig mit Gänsehaut

Einfach nur zugucken ist nicht angesagt. Dafür sorgen die Kommandos vom Regiepult hoch oben unter dem Dach der Arena. Die La Ola wird von dort gesteuert so wie das zum Ritual erhobene Aufstehen beim Matchball. Den Spielern gefällt’s. Von Gänsehaut spricht Publikumsliebling Ludwig. Aufpassen müsse sie sogar, nicht loszuheulen. Und auch Lokalmatador Thole, der mit seinen 2,06 Metern beim Schlendern über die Anlage nicht zu übersehen ist, hat so etwas selten erlebt: "Die Atmosphäre ist überragend. Die Fans geben Vollgas, es ist eine Riesenparty."

Dieses Thema im Programm:

Sportschau | 03.07.2019 | 15:00 Uhr