Stand: 19.02.2019 11:38 Uhr

Beachvolleyball: Kozuch/Ludwig wollen hoch hinaus

von Fabian Wittke, NDR.de
Beachen unter der Sonne Südafrikas: Margareta Kozuch (l.) und Laura Ludwig.

Beachvolleyballerin Laura Ludwig und ihre neue Partnerin Margareta Kozuch legen los. In der Sonne von Kapstadt, mit dem weltberühmten Tafelberg im Rücken, hat das Team von Erfolgscoach Jürgen Wagner die ersten Eindrücke und Spuren im Sand hinterlassen. Das Duo macht in Südafrika einen gefestigten, zielstrebigen und aufgeräumten Eindruck. Wagners Handschrift ist bereits jetzt erkennbar - der Erfolgsplan zwar geheim, aber dennoch spürbar. Wer die Trainingseinheiten des neuen Teams verfolgt, hat das Gefühl, dass es bereits für jede Herausforderung einen Plan - im Zweifel sogar einen Plan B - gibt. Nichts dem Zufall überlassen, auch das gehört zu den Maximen von Wagner.

Die Sonne strahlt, der Himmel beginnt, sich fein zu streifen. Die Bucht ist klein - fast schon niedlich - doch groß genug, dass zwei Beachvolleyball-Felder hintereinander nicht auffallen. "Clifton 4th", so heißt diese Idylle, die erahnen lässt, dass es auch noch Clifton eins bis drei geben muss. Der Zweitname "Modelstrand" ist nicht durch Zufall entstanden, räkeln sich hier doch auffällig viele Astralkörper in der Sonne. Hier trainieren weitgehend unerkannt Laura Ludwig und ihre neue Partnerin Margareta Kozuch. Hier, wo die Strandverkäufer trotz ihrer schweren Kühlkisten ein immer freundliches Gesicht auflegen und nicht wissen, dass gerade eine leibhaftige Olympiasiegerin an ihren flüssigen Spezialitäten interessiert ist. Genau hier im südafrikanischen Kapstadt, wo der direkt neben dem berühmten Tafelberg gelegene Lion's Head eine untypische Windstille schafft. Nicht ohne Grund trug diese Region ursprünglich den Namen "Kap der Stürme". Erst später bekam dieses wunderschöne Fleckchen Erde den deutlich positiver besetzten Namen "Kap der guten Hoffnung."

Ludwig über Kozuch: "Wir surfen auf einer Welle"

Nach der ersten Trainingseinheit des Tages und der anschließenden etwa 30-minütigen Besprechung der beiden Athletinnen mit Trainer Wagner und Mentalcoach Anett Szigeti nehmen sich Ludwig und Kozuch Zeit, um über ihre ersten gemeinsamen Schritte zu sprechen. "Es ist gut angelaufen, wir surfen auf einer Welle", beschreibt Abwehrspielerin Ludwig die zurückliegenden Wochen mit ihrer neuen Partnerin. In ihrer typisch schelmischen Art schiebt sie noch hinterher, sich schwer zu tun, dass bei Kozuch/Ludwig ihr Name im Vergleich zu Ludwig/Walkenhorst nur noch an zweiter Stelle steht. Doch das Alphabet sieht es nun mal so vor.

Kozuch knufft ihre Partnerin in die Seite und lacht herzhaft über diesen Scherz. Ganz offenbar ist da eine Menge positive Energie zwischen diesen beiden Frauen. Sie drehen im Auto bei den gleichen Songs das Radio lauter und albern viel zusammen. "Wir müssen uns echt anstrengen, ernst zu bleiben", sagt Ludwig mit einem breiten Grinsen.

Gestiegene Erwartungen

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Margareta Kozuch (l.) und Laura Ludwig harmonieren schon sehr gut.

Die Harmonie zwischen den beiden ist aber nicht der einzige Grund, weshalb Ludwig so sehr an "Kusia" (gesprochen Kuscha), wie sie Kozuch nennt, gebaggert hat. Die athletischen und volleyballerischen Voraussetzungen von Kozuch seien überragend, "doch sie muss einiges umstellen", sagt Ludwig: "Aber das macht sie auch schon richtig gut". Alles in allem hat Ludwig in der neuen Konstellation ein "gutes Gefühl".

Natürlich weiß die neunmalige Beachvolleyballerin des Jahres, dass mit den Erfolgen des Duos Ludwig/Walkenhorst auch die Erwartungen der Öffentlichkeit gestiegen sind. Doch die 33-Jährige macht deutlich, "dass Kira und ich auch erst Mal Jahre der Entwicklung durchgemacht haben, bis es für die Weltspitze gereicht hat". Ob es in der neuen Konstellation für ganz oben reicht, "werden wir dann sehen". Aktuell sei es in erster Linie wichtig, "daran zu arbeiten, den besten Kozuch-Ludwig-Beachvolleyball zu entwickeln", sagt die Hamburgerin.

Dabei ist die Heim-WM in der Hansestadt eine fantastische Möglichkeit, bereits im Sommer zu überprüfen, ob die gemeinsame Arbeit Früchte trägt. Es ist quasi ein Trainingsturnier auf Weltklasseniveau. Der Fokus liegt jedoch auf den Olympischen Sommerspielen im kommenden Jahr in Tokio.

Kozuch träumt von Olympia

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Margareta Kozuch setzt alles auf die Karte Beachvolleyball.

Es wären für Kozuch die ersten Spiele ihrer Karriere. Zwar hat die ehemalige Spielführerin der Nationalmannschaft mehr als 300 Länderspiele für Deutschland in der Halle gemacht, mit der Olympia-Qualifikation hat es jedoch nie geklappt. Die Augen der Blockspielerin funkeln, wenn sie an die Sommerspiele 2020 denkt. "Das ist doch der Traum eines jeden Sportlers", sagt sie, betont aber auch, dass sie so weit in die Zukunft nicht denken mag. Viel wichtiger sei es, sich gedanklich mit der nächsten Trainingseinheit und ihren Herausforderungen auseinanderzusetzen.

Warum also in die Ferne schweifen, wenn die Aufregung doch schon im Hier und Jetzt spürbar ist. Kozuch hat die Wochen mit Ludwig, Wagner und dem übrigen Team in Südafrika als intensive und fordernde Zeit erlebt. Die 32-Jährige sagt, sie wisse es zu schätzen, "dass ich von den Besten lernen darf".

Stillstand ist Rückschritt. Das klingt ein wenig abgedroschen, doch diese Haltung beschreibt das Lebensmotto von Kozuch ziemlich gut. Die Frau, die in der Halle bis zur Champions League so viele Titel gewonnen hat, ist bereit, im Herbst ihrer Karriere in neuer Konstellation alles auf die Karte Beachvolleyball zu setzen. Es sei ihr Credo stets an sich zu arbeiten und sich immer weiter zu entwickeln. Darüber hinaus glaubt sie, "dass sich im Leben immer alles so fügt, wie es sein soll".

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 19.02.2019 | 22:40 Uhr

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