Stand: 18.09.2019 09:00 Uhr

Baskets Oldenburg: Starker Kader, starke Belastung

von Christian Jeß, NDR.de
Nathan Boothe (r.) und seine Baskets Oldenburg zählen zum Kreis der Titelanwärter.

Zehn Jahre nach ihrem bis dato einzigen Meistertitel wollen die Baskets Oldenburg an alte Erfolge anknüpfen. Das gelang bereits in der Vorsaison über weite Strecken, zum großen Wurf reichte es aber nicht. Diesmal gilt es die Doppelbelastung durch den Eurocup zu bewältigen. Helfen soll dabei ein Kader, der so stark und ausgeglichen scheint wie lange nicht mehr - trotz des Abgangs des Superstars der vergangenen Spielzeit. Der Teamcheck:

So lief die vergangene Saison:

Zwiespältige Gefühle plagten die Baskets, als am 9. Juni die letzte Schlusssirene der Spielzeit 2018/2019 ertönte. Denn die Play-offs hielten nicht, was die Hauptrunde versprochen hatte. Die beendeten die Oldenburger auf Platz zwei, zu feiern gab es unter anderem einen Sieg in Berlin, einen Heimerfolg gegen Bamberg und sogar ein 83:82 gegen den späteren Meister Bayern München. Doch dann wurden die Blau-Gelben Opfer des eigenen Erfolgs, sprich der gestiegenen Erwartungshaltung. Nach einem klaren 3:0 im Viertelfinale gegen Bonn war der vierte Finaleinzug nach 2009, 2013 und 2017 das Ziel - das mit einem 0:3 gegen Eurocup-Finalist Alba Berlin krachend verfehlt wurde. Nationalspieler Karsten Tadda brachte die Stimmung nach dem entscheidenden 89:100 vor eigenem Publikum auf den Punkt: "Zweiter nach der Hauptrunde, da wollten wir natürlich mehr. Wir waren hungrig, aber am Ende hat es leider nicht gereicht."

Wer kommt, wer geht?

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Neu bei den Baskets: Spielmacher Braydon Hobbs (l.).

Mit Will Cummings verließ der wertvollste Spieler (MVP) der Basketball-Bundesliga nach nur einer Saison die Niedersachsen wieder. Für den US-Amerikaner rollt nun der Rubel bei Lokomotiv Kuban in Russland. Zudem gingen mit Frantz Massenat (Andorra) und Vojdan Stojanovski (Ziel unbekannt) zwei nicht unwichtige Bankspieler. Für Cummings wurde jedoch mit Landsmann Braydon Hobbs ein mehr als passabler Ersatz gefunden. Der 30 Jahre alte passorientierte Spielmacher, der auch von der Dreierlinie heißlaufen kann, kam vom Meister aus München und brachte mit Forward Robin Amaize (ausgeliehen) einen echten Energizer mit.

Dazu kamen mit Gerry Blakes (aus Cantu/Italien) und Kevin McClain (vom Belmont College/NCAA) zwei gebürtige US-Amerikaner, die für Scoring stehen, McClain besitzt wegen seiner Großmutter zudem die deutsche Staatsbürgerschaft. Ein gefühlter Neuzugang ist Big Man Justin Sears (USA), der nach langem Aufbautraining wegen eines Kreuzbandrisses endlich fit ist.

Der Trainer

Für Mladen Drijencic, der im Frühjahr 2015 das Amt als Cheftrainer von Sebastian Machowski übernahm, hat Basketball eine ganz spezielle Bedeutung. Nach der Flucht vor gut 25 Jahren aus seiner Heimat nahe der bosnischen Hauptstadt Sarajevo fasste er über den Sport Fuß in Deutschland. Seit 2010 ist Drijencic nun in Oldenburg, arbeitete dort zunächst erfolgreich als Nachwuchstrainer. Seine Bilanz im Profibereich kann sich sehen lassen: Kurz nach Dienstantritt feierte der 54-Jährige den Pokalsieg mit den Baskets, zwei Jahre später stand er mit seinem Team in der Finalserie um die deutsche Meisterschaft, die mit 0:3 gegen Bamberg verloren wurde. Hinzu kommt das Halbfinale der abgelaufenen Serie. Wenig verwunderlich, dass der Vertrag mit dem zeitweise sehr temperamentvollen Headcoach im Mai bis 2021 verlängert wurde.

Erwartungen an die Saison

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Ach, wie war das schön: Beim diesjährigen Baskets Day wurden zum zehnjährigen Jubiläum die Oldenburger Meisterhelden von 2009 noch einmal gefeiert. Einziger "Überlebender" im heutigen Kader ist Clublegende Ricky Paulding, der 37-jährige US-Amerikaner geht in seine 13. Saison mit den Norddeutschen. Eine Wiederholung des Überraschungscoups von damals scheint indes angesichts der Übermacht von Bayern München und Alba Berlin utopisch. So nannte Coach Drijencic dem Magazin "Big" als Saisonziel: "Wir wollen wieder in die Play-offs, möglicherweise sogar mit Heimvorteil und wieder einen Startplatz für den internationalen Wettbewerb."

Der könnte schon jetzt - anders als in der Vorsaison - zur Belastung werden, auch wenn der Kader mehr Tiefe zu haben scheint als im Vorjahr: So warten allein bis Weihnachten zehn zusätzliche Partien im Eurocup gegen Hochkaräter wie Galatasaray Istanbul oder Unicaja Malaga (Spanien) auf die Oldenburger.

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Aktuell | 15.09.2019 | 19:00 Uhr