Zac Cuthbertson von den hamburg Towers hebt zum Dunking ab. © imago images/Beautiful Sports

Viel richtig gemacht: Hamburg Towers setzen zum Höhenflug an

Stand: 04.12.2020 14:10 Uhr

Huch, was ist denn mit den Hamburg Towers los? In der vergangenen Saison phasenweise nicht bundesligatauglich, haben die Türme zum Start der neuen BBL-Serie mit drei Siegen für Furore gesorgt. Warum läuft es auf einmal?

von Matthias Heidrich

Die verkürzte Antwort: Weil die Hamburger nach der ernüchternden Vorsaison alles umgekrempelt haben. "Der wichtigste Schritt war die Verpflichtung des Trainers. Er ist wirklich ein Riesengewinn für uns", sagte der Sportliche Leiter Marvin Willoughby dem NDR Anfang November nach dem Auftakterfolg gegen Bamberg - dem ersten BBL-Heimsieg für die Towers.

Bei Neuzugängen auf den Charakter geachtet

Mit der Verpflichtung von Pedro Calles, "Trainer des Jahres 2019", gelang den Hamburgern im vergangenen Sommer ein Coup. Ungeachtet der wirtschaftlich angespannten Situation der Towers kam der Coach von Rasta Vechta. Der Etat der Hanseaten ist Corona-bedingt von fünf auf dreieinhalb Millionen Euro geschrumpft.

"Wir haben uns gemeinsam hingesetzt und besprochen, dass die wirtschaftlichen Möglichkeiten nicht wie sonst sind", erklärte Willoughby. Bei den Verpflichtungen war deshalb besonderes Geschick gefragt. "Also nicht nur auf die Punkte zu achten, sondern auch die Charaktere genau anzugucken", sagte der 42-Jährige, der zusammen mit Calles neun neue Spieler nach Hamburg holte.

"Nicht nur Geld gewinnt Spiele. Es geht auch darum, die richtigen Personen zusammenzukriegen." Marvin Willoughby

Top-Verteidiger Max DiLeo brachte der Coach aus Vechta mit. Aus Bamberg kam Guard-Routinier Bryce Taylor, einer der besten Schützen in der BBL. Um unter den Körben besser zu werden, wurde Forward Zac Cuthbertson verpflichtet.

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"Unser Fokus liegt ganz klar auf der Verteidigung"

Geblieben, zumindest als Leihspieler vom FC Bayern München, ist Marvin Ogunsipe, der die größte Veränderung in der neuen Towers-Spielphilosophie sieht. "Der Fokus liegt ganz klar auf unserer Verteidigung. Ich denke vom Potenzial her können wir eine der besten Defensivmannschaften in der Liga sein." Und auch der Center setzt auf den neuen Coach: "Pedro ist ein sehr fordernder Trainer. Er verlangt sehr viel von uns - er will das Maximum aus uns herausholen."

Höchster BBL-Sieg der Clubgeschichte gegen Bonn

Der jüngste 93:63-Sieg gegen die Baskets Bonn, der höchste Bundesliga-Erfolg der Towers-Vereinsgeschichte, ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Chemie in Hamburg stimmt. "Die größte Stärke ist unser Zusammenhalt. Jeder stellt sich in den Dienst der Mannschaft", so Ogunsipe. Nicht von ungefähr nennen viele Konkurrenten die Towers als die Mannschaft mit dem größten Überrschungspotenzial:

Willoughby: "Hochmut und Zufriedenheit fehl am Platz"

Willoughby will das alles nicht überbewerten. "Es kann sich schnell viel ändern in der Liga. Hochmut und Zufriedenheit sind bei uns fehl am Platz. Die Entwicklung geht in die richtige Richtung, aber wir müssen weiter hart arbeiten", sagte der Sportliche Leiter und stapelt mit Blick auf die vergangene Saison lieber tief: "Wir wollen uns einfach in der Bundesliga etablieren." Als Aufsteiger gewannen die Hamburger nur drei ihrer 20 Spiele und waren zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs Letzter.

Erst ins obere BBL-Drittel, dann gerne Europa

Hauptgesellschafter Tomislav Karajica war nach dem Auftakterfolg gegen Bamberg gedanklich schon etwas weiter. "Wir haben unter Beweis gestellt, dass wir diese Saison wirklich mitspielen können", sagte der 43 Jahre alte Unternehmer. Mittelfristig will er mit den Towers ins obere Tabellendrittel. "Wenn wir dort landen, ist die logische Fortsetzung, auch irgendwann im europäischen Wettbewerb dabei zu sein." Nach drei Auftaktsiegen grüßen die Türme aktuell von Platz zwei. Eine Momentaufnahme, aber wenn es nach Karajica geht, soll der Höhenflug der neu formierten Hamburger noch viel weiter gehen.

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Sportclub | 08.11.2020 | 22:50 Uhr

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