Stand: 05.04.2020 09:32 Uhr

Göttingen-Manager: "Wir fahren alle auf Sicht"

von Christian Görtzen, NDR.de
Vor der Corona-Krise: Die Göttinger Mihajlo Andric (l.) und Alex Ruoff jubeln.

Zuerst Center Dylan Osetkowski, danach Aufbauspieler Kyan Anderson und am Freitag auch Routinier Alex Ruoff - Basketball-Bundesligist BG Göttingen hat in Zeiten der Corona-Pandemie innerhalb nur weniger Tage seine amerikanischen Profis Richtung Heimat ziehen lassen. Das Trio hatte von einem Angebot des Clubs Gebrauch gemacht. Der notgedrungene Aufenthalt dieser drei Spieler fernab ihres Vereins ist im großen, unerfreulichen Ganzen aber nur eine ungewöhnliche Randerscheinung. Bei den "Veilchen" geht es längst darum, die Existenz des Traditionsvereins zu sichern. Und das sei alles andere als einfach, wie Geschäftsführer Frank Meinertshagen in einem vereinsinternen Video-Interview einräumt. "Es geht grundsätzlich ums Überleben", sagt der 51-Jährige.

Schwierigstes Szenario wäre Saisonabbruch

Meinertshagen hofft auf eine Fortführung der Bundesliga-Saison, die bis zum 30. April ausgesetzt ist. "Ich halte das für genau die richtige Entscheidung, dass wir uns nach wie vor alle Optionen offen halten - mit dem Ziel, irgendwann in irgendeiner Form die Saison zu Ende zu spielen", sagt er. Die BG Göttingen ist bis hierhin eine positive Überraschung der Liga. Das Team liegt auf Tabellenplatz neun und damit direkt hinter einem Play-off-Platz. Das schwierigste Szenario wäre es, wenn die Saison abgebrochen werden würde. "Wenn dann alle unsere Dauerkarten- und Ticketinhaber sowie alle unsere Sponsoren dementsprechende Rückforderungen stellen würden - das würden wir schwerlich überleben", prognostiziert der BG-Geschäftsführer.

Meinertshagen: "Alle haben eine gehörige Angst"

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BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen hofft auf Zusammenhalt.

Da auch die meisten Sponsoren von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen seien, werde es sicherlich schwierig werden, demnächst Gespräche zum Sponsoring zu führen, so Meinertshagen. "Ich bin mir sicher, dass die Weltwirtschaft ordentliche Einbußen haben wird, und so auch die Wirtschaft in Göttingen. Höchstwahrscheinlich werden deshalb bei uns und vielen anderen Teams die Etats sinken", sagt er. Im Falle eines Abbruchs der Saison würden der BG "Einnahmen aus den vier Heimspielen entgehen". Schwierig sei es vor allem dadurch, dass keiner wisse, wie es weitergeht. "Das können alle Clubs nicht überblicken. Wir fahren alle auf Sicht. Und alle haben eine gehörige Angst davor, dass die Situation länger anhält, als wir es verkraften können", sagt Meinertshagen. "Ich glaube, dass wir diese Krise am besten überstehen, wenn alle - Verein, Fans und Sponsoren - zusammenhalten."

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Hallo Niedersachsen | 03.04.2020 | 19:30 Uhr