Stand: 06.06.2020 10:41 Uhr

Nordtrio bei BBL-Finalrunde: Gekommen, um zu überraschen

von Christian Görtzen, NDR.de
Philipp Schwethelm von den Baskets Oldenburg (r.) kämpft um Ball - damals noch vor Zuschauern.

Zehn Clubs, ein Standort, ein Ziel - die deutsche Meisterschaft in der Basketball-Bundesliga (BBL). Aufgrund der Corona-Beschränkungen wird von heute an bis zum 28. Juni in München der Champion in einem Finalturnier mit zwei Fünfergruppen sowie anschließendem K-o.-System ermittelt. Mit dabei sind die Baskets Oldenburg, Rasta Vechta und die BG Göttingen. Ihr Ziel: Mindestens für eine große Überraschung, wenn nicht gar für eine sportliche Sensation sorgen. Die drei Nordclubs im Teamcheck.

Baskets Oldenburg

Die nominell besten Chancen bei der Jagd auf den Silberpott haben die Niedersachsen - zumindest dann, wenn die nach dem 22. Spieltag eingefrorene BBL-Tabelle zum Maßstab genommen wird.

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Der deutsche Meister von 2009 stand zum Zeitpunkt der coronabedingten Unterbrechung der Saison auf dem fünften Tabellenplatz, mit zehn Minuspunkten mehr auf dem Konto als der Titelverteidiger, Gastgeber und große Meisterschaftsfavorit Bayern München. Das große Plus für Baskets-Coach Mladen Drijencic: Das Gerüst des Teams hat sich in den vergangenen knapp drei Monaten nicht verändert. Drijencic kann auf seine Leistungsträger Rickey Paulding, Rasid Mahalbasic, Braydon Hobbs, Tyler Larson, Philipp Schwethelm und Karsten Tadda setzen. "Wir konnten bei der WM in China sehen, dass nicht nur die Qualität eines Kaders unbedingt ausschlaggebend sein muss, sondern dass durchaus ein Team erfolgreich sein kann, welches die beste Team-Chemie und sportliche Tagesform vorweist", sagte der Coach.

Mit 14 Profis gehen die Baskets in München an den Start. Nicht mit dabei sein werden die beiden US-Amerikaner Justin Sears und Kevin McClain. Sears kann aufgrund einer Verletzung nicht teilnehmen, McClain ist bereits wieder in die USA gereist und hat zuvor seinen Vertrag bei den Niedersachsen aufgelöst. "Gut, dass es nun endlich wieder losgeht. Das Hygiene-Konzept ist gut durchdacht, diesbezüglich mache ich mir da wenig Sorgen. Es wird eine besondere Erfahrung für uns alle werden", sagte Paulding. Die Baskets starten am Montag (16.30 Uhr) gegen Ulm, weitere Gegner in der Gruppe A sind die BG Göttingen, die Merlins Crailsheim und die Bayern. Das Halbfinale dürfte für Oldenburg allemal drin sein - mit Chancen auf mehr.

Rasta Vechta

Eine noch größere Überraschung als ein Titel-Coup der Oldenburger wäre ein Triumph des SC Rasta Vechta, der sich recht selbstbewusst mit dem Slogan "Der geilste Club der Welt" etikettiert hat.

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Der Club aus der 32.000-Einwohner-Stadt, der 1979 aus einer Basketball-AG des Gymnasiums Antonianum hervorgegangen ist, hatte in der vergangenen Saison als furioser Aufsteiger mit einem Höhenflug in der Hauptrunde und dem Einzug ins Halbfinale der Play-offs (0:3 gegen Bayern München) alle Experten verblüfft. Zum Zeitpunkt der coronabedingten Unterbrechung der Saison belegte das Team von Rasta-Coach Pedro Calles direkt hinter Oldenburg den sechsten Rang.

Kapitän Josh Young freut sich auf das Turnier, das für Vechta nach dem Auftakt gegen die Riesen Ludwigsburg (Sonntag, 20.30 Uhr) in der Gruppe B noch Spiele gegen die Frankfurt Skyliners, Alba Berlin und Bamberg bereithält. "Dass es jetzt wieder losgehen kann, ist einfach schön", sagte Young. "Und ich hoffe, dass wir unseren Fans einen guten Kampf liefern können." Nationalspieler Philipp Herkenhoff glaubt: "Natürlich ist das jetzt ein anderes Level, eine andere BBL. Aber jedes Team wird alles geben, um deutscher Meister zu werden."

Die Gruppenphase (nur der Fünftplatzierte scheidet aus) sollte Vechta überstehen können, der Einzug ins Halbfinale wäre in jedem Fall ein Erfolg. Für das Turnier hat Rasta Jaroslaw Zyskowski aus Polen und Matic Rebec aus Slowenien nachverpflichtet. "Das wichtigste bei diesem Turnier ist sowieso, dass alle gesund durch diese Zeit kommen", sagte Calles.

BG Göttingen

Die "Veilchen" haben in der nicht zu Ende geführten Hauptrunde dieser Saison ordentlich aufhorchen lassen. Der Traditionsclub, der noch in der vergangenen Serie lange um den Klassenerhalt hatte bangen müssen, gehört in dieser Saison eindeutig in die Kategorie "positive Überraschungen". Tabellenneunter waren die Niedersachsen zum Zeitpunkt der Unterbrechung.

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Allerdings hat die Mannschaft von Coach Johan Roijakkers während der Zwangspause an Qualität eingebüßt. Spielmacher Kyan Anderson gehört ebenso nicht mehr zum Kader wie Dylan Osetkowski und Adam Waleskowski. Als Reaktion auf die Abgänge hat der Club nach den Verpflichtungen der beiden Niederländer Jito Kok und Leon Williams vor wenigen Tagen auch noch Nachwuchsspieler Erol Ersek vom deutschen Meister Bayern München ausgeliehen. Weil der 21 Jahre alte Österreicher ein U23-Spieler mit Doppellizenz ist, zählt er nicht zum Nachverpflichtungskontingent.

Göttingen ist Außenseiter in der Finalrunde, die vor allem ausgetragen wird, um den wirtschaftlichen Schaden der Vereine zu begrenzen.

Bei einem Abbruch der Saison wären Sponsorengelder weggebrochen, sogar hohe Rückforderungen fällig geworden. "Ich halte es für wichtig, dass wir die Saison in irgendeiner Form zu Ende spielen. Wir haben uns in erster Linie für unsere Partner und Fans so entschieden", erklärte BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen. Göttingen startet am Sonnabend (16.30 Uhr) gegen Crailsheim, es ist das erste von 36 Turnierspielen. Danach folgen für die BG in der Gruppe A noch Duelle mit Oldenburg, Bayern München und Ulm mit Ex-Spieler Osetkowski in dessen Reihen.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 07.06.2020 | 23:05 Uhr