Tennisprofi Angelique Kerber © imago images/ZUMA Wire Foto: Rob Prange

Angelique Kerber und der lange Weg zurück - zu alter Stärke?

Stand: 28.03.2021 13:15 Uhr

Angelique Kerber ist auch 2021 weiter auf Formsuche. In Miami verlor die Tennisspielerin aus Kiel gegen ihre Angstgegnerin Victoria Asarenka, ist aber wie die ehemalige Bundestrainerin Barbara Rittner weiter optimistisch.

von Florian Neuhauss

Es war ein selten gewordenes Glücksgefühl, das Angelique Kerber verspürte. Kaum einmal lachte die gebürtige Bremerin nach einem ihrer Duelle in den vergangenen Monaten so fröhlich wie nach ihrem 6:0, 6:0-Erfolg in der zweiten Runde des WTA-Turniers von Miami. "Es war schon wichtig, wieder mal ein Match gewonnen zu haben", sagte die 33-Jährige. Ein 6:0, 6:0 - im Tennis wegen der zwei Nullen als "Brille" bezeichnet - hatte sie bis dato zum letzten Mal vor fast sechs Jahren in Wimbledon der Hamburgerin Carina Witthöft verpasst.

Das Ergebnis wollte die dreimalige Grand-Slam-Siegerin zwar nicht zu hoch hängen, zumal die Gegnerin "nur" Renata Zarazua aus Mexiko gewesen war, die Nummer 147 der Welt. Und doch stellte Kerber zufrieden fest: "So langsam kommt alles wieder."

2019 letzter Sieg gegen Top-20-Spielerin

Die ehemalige Nummer eins der Weltrangliste ist gehörig aus dem Tritt geraten. In Miami war nach der 5:7, 2:6-Niederlage gegen Asarenka (Belarus) in Runde drei Schluss. Gegen eine Spielerin der Top 20 gewann Kerber zuletzt im September 2019. In Osaka war das, gegen Madison Keys. Allerdings profitierte Kerber damals von der verletzungsbedingten Aufgabe der US-Amerikanerin beim Stand von 6:4, 4:6, 2:1 im Viertelfinale.

Strenggenommen liegt der Top-20-Sieg also noch ein bisschen weiter zurück: Im englischen Eastbourne warf sie im Juni desselben Jahres in der Runde der besten Acht ihre Freundin Simona Halep (Rumänien) raus. Der letzte Turniersieg datiert vom Jahr 2018. Ausgerechnet der nicht für möglich gehaltene Wimbledon-Erfolg ist der bislang der letzte Triumph ihrer Karriere und markiert damit sozusagen den Startpunkt der Abwärtsfahrt, die Kerber begleitet von einigen Verletzungen und Trainerwechseln mittlerweile auf Rang 26 der Weltrangliste geführt hat.

Rittner glaubt weiter an ihre Topspielerin

Barbara Rittner, ihres Zeichens Chef des deutschen Frauentennis beim DTB, ist allerdings nach wie vor von den Fähigkeiten ihrer Topspielerin überzeugt. "Sie hat weiter die Möglichkeit, um die ganz großen Titel mitzuspielen", sagte Rittner jüngst im Interview mit dem "Münchner Merkur". "Kommt sie in einen Lauf von einigen gewonnenen Begegnungen, kann sie weiterhin jede Spielerin der Welt schlagen."

Schlechte Aussichten, die Sandplatzsaison beginnt

Alle bis auf eine womöglich. Der Sieg gegen die Mexikanerin Zarazua kann nur ein ganz kleiner Schritt aus der Krise gewesen sein. Denn schon im folgenden Duell mit ihrer Angstgegnerin Victoria Asarenka war Endstation in Florida. Gegen die Belarussin kassierte Kerber im zehnten Spiel die neunte Niederlage.

Und da auch ihre Doppelpartnerin Halep verletzt aufgegeben hat, muss Kerber einmal mehr frühzeitig die Heimreise antreten. Bei den sechs Turnier-Teilnahmen in diesem Jahr scheiterte sie dreimal an der Auftakthürde. Nur zum Jahresauftakt bei der Grampians Trophy in Melbourne sind ihr zwei Siege bei einem Turnier gelungen. Und nun beginnt die ungeliebte Sandplatzsaison.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 27.03.2021 | 23:03 Uhr

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