Stand: 18.11.2018 21:48 Uhr

"Alexander der Große" - Zverev erklimmt Tennis-Thron

von Matthias Heidrich, NDR.de

Alexander Zverev hat Tennis-Geschichte geschrieben. Der gebürtige Hamburger gewann am Sonntag das Endspiel der ATP Finals in London gegen die Nummer eins der Welt, Novak Djokovic, und feierte damit den bisher größten Erfolg seiner Karriere. Der 21-Jährige bezwang den Serben mit 6:4, 6:3 und kürte sich damit zum Sieger der inoffiziellen Tennis-WM. Nach Boris Becker und Michael Stich ist Zverev der dritte Deutsche, der das Abschlussturnier der besten acht Spieler der Saison gewinnen konnte. Zuletzt hatte sich Becker 1995 in die Siegerliste eingetragen.

Djokovic: "Du hast eine unglaubliche Karriere vor dir"

"Das ist mit Abstand der wichtigste Titel, den ich bisher gewonnen habe. Ich kann meine Gefühle im Moment gar nicht beschreiben", sagte Zverev nach dem Match und hatte dann doch einige launige Anmerkungen zu machen. Er würdigte Djokivics Leistung, der in diesem Jahr Wimbledon und die US Open gewonnen und sich wieder zur Nummer eins gekürt hatte. "Du kannst jedes Spiel gewinnen, das du willst. Ich bin Dir sehr dankbar, dass Du es heute nicht getan hast", so Zverev. Der "Djoker" verneigte sich vor seinem Kontrahenten: "Du hast so viel besser gespielt als im Gruppenspiel. Du hast eine unglaubliche Karriere vor dir."

"Danke Ivan, ich glaube, es läuft soweit ganz gut"

Auch für sein Team hatte der Hamburger warme Worte. "Mein Vater wird wahrscheinlich bis nächstes Jahr nicht aufhören zu weinen", scherzte Zverev und passte sich dann auch noch der gewohnt nüchternen Art von Coach Ivan Lendl an: "Danke Ivan, dass du dabei bist. Ich glaube, es läuft soweit ganz gut."

Becker: "Ein Star ist angekommen"

Becker zog als Kommentator der BBC seinen Hut vor Zverev. "Ein Deutscher mit Humor, der reden und über sich selbst lachen kann - ein Star ist angekommen", sagte der dreimalige Wimbledon-Sieger, auch mit Blick auf die launige Rede seines Landsmannes bei der Siegerehrung.

Alexander Zverev: Deutschlands Bester aus Hamburg

Aufschlag-Monster Zverev

Zverev machte gegen Djokovic genau da weiter, wo er gegen Roger Federer im Halbfinale aufgehört hatte. Der Hamburger servierte von Beginn an herausragend und präsentierte sich auf Augenhöhe mit dem Favoriten. Und Zverev hielt sein Niveau. Das zahlte sich aus. Er nahm dem Serben das Aufschlagspiel zur 5:4-Führung im ersten Satz ab und servierte dann unglaubliche drei Asse hinterher. Den zweiten Satzball nutzte die deutsche Nummer eins und holte sich in beeindruckend abgezockter Manier den ersten Durchgang.

Break-Duell im zweiten Satz

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Novak Djokovic (l.) und Alexander Zverev verbindet mehr als Tennis.

Zverev war jetzt im Flow. Er nahm dem etwas verunsichert wirkenden Djokovic gleich zu Beginn des zweiten Satzes erneut den Aufschlag ab. Der Vorhand-Winner des Hamburgers nach einem langen Grundlinienduell sprach Bände. Zverev strotzte vor Selbstvertrauen. Umso überraschender, dass er im nächsten Aufschlagspiel zwei Doppelfehler produzierte und dem Serben so das Re-Break ermöglichte. Doch der 14-malige Grand-Slam-Sieger leistete sich in dieser Phase viele Fehler. Zverev breakte wiederum, ging 2:1 in Führung und brachte sein Service zum 3:1 durch.

Djokovic war sichtlich beeindruckt von der Konstanz des Deutschen. Der Serbe probierte einiges, fand aber kein Mittel, um den 21-Jährigen aus dem Rhythmus zu bringen. Bereits nach 1:18 Stunden hatte Zverev zwei Matchbälle bei Aufschlag Djokovic. Wie er den zweiten nutzte, sprach ebenfalls Bände. Mit einem herausragenden Rückhand-Passierschlag sicherte sich der Deutsche den Sieg und sank fassungslos zu Boden.

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