Stand: 03.07.2019 14:44 Uhr

Alexander Zverev: Gelähmt vom Manager-Streit?

Alexander Zverev scheiterte in Wimbledon erstmals bereits in Runde eins.

Tennisprofi Alexander Zverev hatte es bereits im Vorfeld von Wimbledon geahnt: "Wenn es ganz doof läuft, fliege ich in der ersten Runde raus", sagte der Hamburger in einem Interview mit dem "stern". Und tatsächlich: Der 22-Jährige scheiterte am Montag beim altehrwürdigen Rasenturnier vor den Toren Londons bereits an seiner Auftakthürde. 6:4, 3:6, 2:6, 5:7 unterlag Zverev dem tschechischen Qualifikanten Jiri Vesely und muss so weiter auf seinen Durchbruch auf Grand-Slam-Ebene warten. Die zwei Viertelfinalteilnahmen bei den French Open in Paris bleiben seine besten Ergebnisse, in Wimbledon kam er noch nie über das Achtelfinale hinaus.

"Mein Selbstvertrauen ist gerade weniger als Null"

"Das war ein typisches Grand-Slam-Match für mich. Ich bin gut gestartet, dann gehen zwei, drei Dinge schief und irgendwie fällt alles auseinander", sagte Zverev hinterher: "Mein Selbstvertrauen ist gerade weniger als Null." Der Weltranglistenfünfte deutete zudem an, durch den schwelenden Rechtsstreit mit Manager Patricio Apey persönlich extrem belastet zu sein. "Die letzten zwei Tage waren sehr hart für mich. Was gerade los ist, ist abartig", sagte er: "Ich darf nichts Offizielles sagen. Es tut mir weh. Ich dachte wir sind Freunde."

Ex-Manager Apey: "Werde als Sündenbock dargestellt"

Zverev und Apey stecken seit mehreren Monaten in einem heftigen Rosenkrieg. Seitdem der 22-Jährige aus dem laut Apey noch vier Jahre gültigen Vertrag mit dessen "ACE Group" aussteigen wollte, liefern sich beide eine juristische Schlammschlacht. Der Ex-Manager reagierte am Dienstag auf die Zverevs Äußerungen in Wimbledon. "Seine Aussagen sind sowohl überraschend als auch enttäuschend", teilte Apey mit: "Er hat einen teuren, unnötigen und absolut illegitimen Rechtsstreit gegen meine Firma vom Zaun gebrochen." Der Manager betonte, dass die Entscheidung, die Auseinandersetzung vor Gericht auszutragen von Zverev selbst ausgegangen sei. "Ich hätte es bevorzugt, die Angelegenheit oder irgendwelche Vorbehalte, die Sascha und seine Familie hatten, privat auszuräumen. Aber unglücklicherweise hat er sich entschieden, ohne Vorwarnung rechtliche Schritte zu ergreifen. Dieser Prozess läuft jetzt." Nun, da seine Ergebnisse "nicht so gut sind, werde ich als Sündenbock dargestellt".

Die genauen Hintergründe des Disputs bleiben überwiegend im Dunkeln. Die britische Zeitung "Telegraph" spekulierte zuletzt, dass ein fehlender Termin am zuständigen Londoner Gericht den Auftakt des Verfahrens bis weit ins Jahr 2020 verzögern könnte. Zverev wäre dann noch länger ohne Manager, sein angeblich angestrebter Wechsel ins "Team 8" von Roger Federer und dessen Manager Tony Godsick würde sich weiter verzögern.

Brutaler Reifeprozess für Zverev

Dabei sind die Auswirkungen, die diese Situation auf den Weltranglistenfünften hat, nicht zu übersehen. Zverev ist offenbar überfordert mit der Last der zusätzlichen Aufgaben, schafft es nicht, sich allein aufs Tennis zu konzentrieren. Hinzu kommt, dass ihn der Streit offenbar auch emotional schwer mitnimmt. Es ist ein brutaler Reifeprozess, den der deutsche Hoffnungsträger da gerade durchlaufen muss. Auch die zumindest zwischenzeitliche Trennung von Freundin Olga und deutlich vernehmbare Dissonanzen in seinem Trainerteam, bestehend aus Vater Alexander Senior und Star-Coach Ivan Lendl, spielen dort mit hinein. Sein kometenhafter Aufstieg ist jedenfalls erst einmal gestoppt, Zverev muss jetzt Krisen-Management betreiben.

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NDR 2 Sport | 01.07.2019 | 22:40 Uhr