Stand: 10.09.2019 11:39 Uhr

Wiencek und Svan: Darauf kommt es an im Derby

Patrick Wiencek (l.) und Lasse Svan fiebern dem 101. Landesderby entgegen.

In der Handball-Bundesliga steigt am Donnerstagabend (19 Uhr) das 101. Landesduell zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt. Kiels Patrick Wiencek und Flensburgs Lasse Svan sind die jeweils dienstältesten Profis in ihren Clubs und haben damit die größte Derby-Erfahrung. NDR.de hat mit ihnen gesprochen.

Das 101. Landesderby steht bevor. Ist es ein besonderes Spiel?

Patrick Wiencek: Ja, gewiss. Zum einen sind wir nach der Niederlage in Magdeburg besonders gefordert und müssen unbedingt gewinnen, zum anderen stehen wir vor einer besonders schweren Aufgabe. Wir spielen gegen den deutschen Meister, die Flensburger waren nicht ohne Grund die letzten beiden Jahre ganz vorn.

Lasse Svan: Die Vorbereitung und der Respekt vor dem Gegner sind immer gleich, dennoch kommen gegen den THW Kiel immer ein paar Prozent oben drauf. Anspannung und Nervosität sind doch größer als bei anderen Spielen. Es treffen zwei Vereine mit so großer Geschichte aufeinander.

Das 100. Landesderby war vor drei Wochen der Super Cup in Düsseldorf und ging an die SG. Lasse Svan, freuen Sie sich noch immer?

Svan: Es ist immer schön, gegen den THW Kiel zu gewinnen. Umso schöner, wenn es das Jubiläums-Derby war. Für Donnerstag hat das Ergebnis aber keinen Wert mehr. Wir werden ein ganz anderes Spiel und eine höhere Intensität erleben.

Und wie sieht es beim THW aus? Ist dieses Spiel inzwischen vergessen?

Wiencek: Im Hinterkopf steckt noch, dass wir den Super Cup verloren haben. Obwohl: Nach 60 Minuten war es ja Unentschieden. So ein Siebenmeterwerfen ist ja immer etwas Lotterie. Wir wollten unbedingt gewinnen und sind nun froh, dass wir es schon am Donnerstag besser machen können.

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Worauf kommt es am Donnerstag an?

Wiencek: Die Abwehrreihen werden sehr wichtig sein. Außerdem müssen wir auf der Hut vor den Flensburger Gegenstößen sein, die zu den besten in Europa zählen. Wir müssen deshalb schnell zurücklaufen und in der eigenen Abwehr gut stehen, um selbst zu einfachen Toren zu kommen.

Svan: Die Fokussierung auf dieses Spiel wird entscheidend sein. Gerade in der Offensive müssen wir geduldig sein, um die technischen Fehler und damit die Gegenstöße gering zu halten. Wir glauben an unsere Lösungen und müssen dementsprechend stets an unserem Plan festhalten.

Sie kamen 2008 nach Flensburg und sind damit so lange bei der SG wie kein anderer. Erinnern Sie sich an Ihre ersten Tage?

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Svan: Mein Wechsel kam damals ziemlich plötzlich. Ich erinnere mich noch, wie ich im Sommer 2008 als Spieler von GOG zu einem Olympia-Vorbereitungslehrgang der dänischen Nationalmannschaft fuhr und ich als Spieler der SG zurückkehrte. Ich war kaum in Flensburg, als wir zum Trainingslager nach Ystad aufbrachen. Ich musste mich an einen neuen Verein, eine neue Sprache und an neue Mitspieler gewöhnen. Ich kannte bereits Thomas Mogensen. An ihm und den anderen Dänen orientierte ich mich zunächst.

Patrick Wiencek, wir haben auch bei Ihnen mal nachgeschaut. Sie stehen seit Juli 2012 im Kader des THW. Niclas Ekberg kam ein paar Wochen später aus Kopenhagen.

Wiencek: Diese Zeit werde ich nie vergessen. Ich kam aus Gummersbach, war noch ziemlich blauäugig - und dann stand ich plötzlich mit solchen Weltklasse-Spielern wie Thierry Omeyer, Daniel Narcisse, Marcus Ahlm oder auch Filip Jicha, der damals noch für den THW spielte, in der Halle. Viele meinten damals, mein Wechsel wäre zu früh. Der THW Kiel wäre ein zu dickes Brett, das ich nicht schaffen könnte. Nun gehe ich bereits in mein achtes Jahr.

Sie haben sogar einen Kontrakt bis 2023.

Wiencek: Ich bin beim THW sehr gut aufgehoben. Natürlich gab es andere Angebote, aber für mich persönlich gibt es in Europa keinen größeren Verein.

Lasse Svan, wie kam es zu Ihrer großen Vereinstreue?

Svan: Mit meiner Familie fühlte ich mich in Flensburg stets wohl. Die SG gehört zu den besten Clubs der Welt und war auch schon vorher meine Nummer eins. Der Verein schwimmt nicht im großen Geld und muss immer darum kämpfen, oben zu bleiben. Damit kann ich mich sehr gut identifizieren. Ich hatte nicht das größte Talent, sondern musste immer viel arbeiten, um an die Spitze zu kommen. Außerdem jage ich nicht dem vielen Geld hinterher und möchte auch nicht anderswo neue Herausforderungen suchen. Eine neue Herausforderung gibt es jede Saison auch in Flensburg.

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Svan: Auf dem Spielfeld, so hoffe ich zumindest, habe ich mich nicht verändert. Wenn es darum ging, sich zu verbessern, sich zu fokussieren und sich um das Wohlbefinden im Team zu kümmern, hatte ich auch schon vorher eine Rolle im Mannschaftsgefüge. Mehr geworden sind die Termine und Besprechungen im Umfeld. Aber das wusste ich: Schließlich hatte ich vorher mit meinem Vorgänger Tobias Karlsson gesprochen, um zu erfahren, was auf mich zukommt. 

Patrick Wiencek, beim THW ist die Kapitänsfrage etwas anders geregelt. Neben Domagoj Duvnjak und Niklas Landin sind auch Sie involviert.

Wiencek: Domagoj Duvnjak ist nach wie vor unser Hauptkapitän, der die Mannschaft auf dem Spielfeld anführt. Bei den anderen Aufgaben helfe ich. Beim THW gibt es viele organisatorische Dinge - sei es ein Besuch in der Geschäftsstelle oder die Vorbereitung eines Geschenks.

Ist der Ausgang des Derbys schon richtungsweisend für die Saison und die Meisterfrage?

Wiencek: Wenn man Meister werden will, sollte man seine Heimspiele schon gewinnen. Der Druck ist da. Schließlich haben die Meister der letzten Jahre nicht viele Punkte abgegeben.

Svan: Beide Teams dürften einen gewissen Druck spüren, um nicht schon zu diesem frühen Zeitpunkt etwas hinter die Spitze zurückzufallen. Der THW Kiel ist mein großer Favorit auf die Meisterschaft. Er spielt zu Hause und muss gewinnen, wir wollen unbedingt gewinnen.

Die Interviews führte Jan Kirschner, NDR.de

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 12.09.2019 | 22:40 Uhr

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