Stand: 23.08.2019 10:24 Uhr

THW Kiel: Coach neu, Team bewährt - die Meisterformel?

von Jan Kirschner, NDR.de
Die Handballer des THW Kiel gehen selbstbewusst in die neue Saison.

Der THW Kiel ist der unangefochtene Rekordmeister der Handball-Bundesliga, seit 2015 wanderte die Meisterschale allerdings schon nicht mehr in die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt. Nun unternimmt der Zweitplatzierte der Vorsaison einen neuen Anlauf - mit einer eingespielten Truppe und einem neuen Chefcoach. Der Teamcheck.

So lief die vergangene Saison

Die Gesamtbilanz war nur in der legendären Saison 2011/2012 noch besser, als der THW die Bundesliga-Traumbilanz von 68:0-Punkten mit einem Titel-Hattrick garnierte: Wettbewerbsübergreifend verloren die "Zebras" in der vergangenen Spielzeit nur drei Partien. Aber diese drei Niederlagen (zweimal Magdeburg, einmal Flensburg) in der Bundesliga, zwei davon bereits im September, kosteten den THW letztendlich die Meisterschaft - weil Flensburg ungeahnt souverän durch die Liga marschierte. Dafür ernteten die Kieler auf anderen Feldern. Sie heimsten in Hamburg den DHB-Pokal ein und krönten die Siegesserie im internationalen EHF-Cup mit dem Titelgewinn in eigener Halle. So wurde Trainer Alfred Gislason nach elf sehr erfolgreichen Jahren beim THW würdig in den Ruhestand verabschiedet.

Wer kommt, wer geht

Der THW Kiel konnte auf dem Transfermarkt Ruhe walten lassen. Kein Leistungsträger sprang ab, mehrere verlängerten in die nächste Dekade hinein. Der deutsche Nationaltorwart Andreas Wolff hatte sich schon sehr frühzeitig für einen Wechsel zum polnischen Spitzenclub Kielce entschieden, weil er als Nummer zwei nicht immer mit seinen Spielanteilen zufrieden war.

Die Verantwortlichen hoffen, dass Dario Quenstedt (SC Magdeburg) zusammen mit dem dänischen Weltklasse-Schlussmann Niklas Landin ein harmonierendes Gespann bildet. Nachwuchsmann Fynn Malte Schröder steht als dritter Torwart bereit.

Der junge Sebastian Firnhaber (HC Erlangen) kam in der Vergangenheit hauptsächlich in der Abwehr zum Einsatz. Eine ähnliche Rolle wird nun Routinier Pavel Horak (HC Meshkov Brest) zugedacht. Der Abgang des Serben Marko Vujin, der ohnehin schon in der vergangenen Saison gesundheitsbedingt viele Monate fehlte, lässt sich ebenfalls verkraften: In Steffen Weinhold und Harald Reinkind verfügt der THW für den rechten Rückraum noch über zwei weitere Akteure internationaler Klasse, Neuzugang Gisli Thorgei Kristjansson ist ein hoffnungsvolles Talent. Im nächsten Sommer dürfte der Kader größere Veränderungen erfahren: Sechs Verträge laufen aus. Mit dem Norweger Sander Sagosen steht bereits eine hochkarätige Neuverpflichtung fest.

Der Trainer: Filip Jicha

Beim THW Kiel sitzen die Trainer gewiss nicht auf einem Schleudersitz. Im vergangenen Vierteljahrhundert hatten nur zwei Übungsleiter das Sagen. Noka Serdarusic war 15 Jahre im Amt, Gislason immerhin elf Jahre.

Filip Jicha tritt gewiss in große Fußspuren, dürfte aber die Autorität besitzen, seine eigenen Wege zu gehen. Der 37-jährige Tscheche war ein Ausnahme-Handballer, spielte von 2007 bis 2015 für den THW Kiel, und zählte also auch zur legendären Mannschaft von 2012. Er stieg bereits in der vergangenen Serie als Co-Trainer von Gislason ein und bekam nun mit Christian Sprenger einen alten Bekannten als Assistenten. "Wir müssen hart arbeiten und wollen das Bestmögliche herausholen", sagte Jicha. "Aus Respekt vor der jüngsten Leistung heißt mein Tipp auf die Meisterschaft allerdings Flensburg." Den ersten Titel der Saison - den Supercup - mussten die Kieler auch dem Landesrivalen überlassen.

Erwartungen an die Saison

Ganz offen redet man an der Kieler Förde nicht von der ersten deutschen Meisterschaft seit 2015. Geschäftsführer Viktor Szilagyi erklärte unverblümt: "Wir wollen uns in der Champions League etablieren - und das heißt, dass wir in der Bundesliga an der Spitze stehen müssen."

Der erste Platz wird nötig sein, da die europäische Königsklasse ab der nächsten Spielzeit reformiert wird. Der THW hat in jedem Fall die Qualität für die 21. Meisterschaft der Vereinsgeschichte, spielte schon in der vergangenen Serie auf dem erforderlichen Niveau und landete nur deshalb nicht ganz oben, weil die Flensburger noch konstanter waren. Fragezeichen bereiten der neue Trainer und der eng getaktete Spielplan. Die Champions League verursacht eine größere Belastung, und bereits Ende August geht es zur Vereins-Weltmeisterschaft nach Saudi-Arabien.

Der Kader des THW Kiel für die Saison 2019/2020

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Sportclub | 25.08.2019 | 22:50 Uhr