Stand: 12.05.2019 09:38 Uhr

Kiel - Flensburg: Wer hat die besseren Nerven?

von Jan Kirschner, NDR.de

Einige Spieler duschen gerade, andere sind schon auf dem Heimweg, während sich Kapitän Tobias Karlsson in die Hände der Physiotherapeutin begibt - beim Handball-Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt ist eine Trainingseinheit zu Ende gegangen, die einen ganz normalen Charakter zu haben scheint. Nichts deutet darauf hin, dass heute (14.30 Uhr) das 99. Landesderby ansteht. Das absolute Spitzenspiel beim THW Kiel, das für den weiteren Verlauf im Kampf um die Meisterschaft richtungsweisend ist. "Es ist gut, dass sich meine Jungs eine gewisse Lockerheit bewahren und nicht verkrampfen", sagt SG-Trainer Maik Machulla. "Für den THW ist es ein unheimlich wichtiges Spiel, dass er gewinnen muss, um noch eine Chance in der Meisterschaft zu haben. Wir hingegen können befreit auftreten, denn wir bleiben so oder so vorne."

THW Kiel - Flensburg: Der Teamvergleich

Kiel im Spiel-Rhythmus, Flensburg mit "richtiger Vorbereitung"

Der Landesrivale hatte in dieser Woche ein ganz anderes Pensum abzuspulen. Am Donnerstagabend mussten die "Zebras" bei der HSG Wetzlar antreten. Die beiden Male davor hatten sie dort verloren, diesmal wankten sie wieder, vergaben viele Chancen, setzten sich dann aber doch mit 27:23 durch. "Wenn wir in Wetzlar nicht gewonnen hätten, wäre das Derby gegen Flensburg nur noch etwas für das Renommee und die Statistik-Fans gewesen", erklärte THW-Linksaußen Magnus Landin. Nun liegt Kiel weiterhin nur vier Zähler hinter der SG. Die verbleibende Zeit bis zum Saison-Höhepunkt fällt aber kurz aus. Ein Vorteil für die Flensburger? "Es ist schön, dass wir vor so einem Spiel eine richtige Vorbereitung mit Video und Taktik haben", sagte SG-Rückraumass Rasmus Lauge. "Kiel weiß aber, wie man mit englischen Wochen umgeht, und hat einen breiten Kader, der gerade in der ersten Saisonhälfte nicht einer solchen Belastung ausgesetzt war wie wir."

Gislason: "Unsere Sache machen und dann hoffen"

Eines ist beiden schleswig-holsteinischen Spitzenclubs gemein: Sie spielen eine überragende Saison. Die Kieler haben überhaupt nur drei Partien verloren. Zwei Mal gegen Magdeburg und im September mit 25:26 bei den Flensburgern. Gerade wegen dieser knappen Niederlage befindet sich der Rekordmeister im Hintertreffen und ist heute gefordert. "Wir müssen unsere Sache machen und können dann nur hoffen", meinte THW-Trainer Alfred Gislason. "Allerdings haben die Flensburger ein relativ gemütliches Programm." Eine Sache der Betrachtung: neben der Auswärtspartie in Stuttgart muss die SG gegen Melsungen, gegen Berlin und beim Bergischen HC antreten - allesamt Teams, die im Bereich der Plätze fünf bis sieben noch um die Qualifikation für den EHF-Cup kämpfen.

Derby wird zur Kopfsache

"In einer solchen Phase der Saison herrscht in der Mannschaft schon eine andere Art der Anspannung", verriet THW-Nationalspieler Steffen Weinhold den "Kieler Nachrichten". "Man kann nicht immer so heiß sein wie auf das Spiel gegen Flensburg, sonst macht man sich mental kaputt." Das Derby wird also zur Kopfsache. Womöglich hat Kiel einen mentalen Vorsprung, denn er hat schon einen Titel in der Tasche: Der Anhang des THW besang vor wenigen Wochen den elften Triumph im DHB-Pokal. "Wir haben noch etwas vor, der Pokal war nur unser erstes kleines Ziel", stellte Torwart Niklas Landin klar.

Die Flensburger halten mit den Erinnerungen an die Ereignisse vor zwölf Monaten dagegen. Es war der 10. Mai 2018, als sich die Nordlichter mit einem 29:25 in der Landeshauptstadt nach dem Champions-League-Desaster von Montpellier zurückmeldeten und damit zur erfolgreichen Jagd auf den damaligen Spitzenreiter Rhein-Neckar Löwen bliesen. Ein erneuter Derby-Sieg wäre weit mehr als die halbe Miete auf dem Weg zur Titelverteidigung - auch wenn es im SG-Lager niemand so bestätigen möchte. "Wenn wir gewinnen, was ich hoffe, ist noch keine Entscheidung gefallen", sagte Routinier Holger Glandorf. "Wir wissen ja am Beispiel der Löwen nur zu gut, wie schnell man einen großen Vorsprung verspielen kann."

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 12.05.2019 | 22:30 Uhr