Stand: 17.05.2019 11:21 Uhr

Alfred Gislason: "Es war eine große Ehre"

von Rudi Dautwiz

Für die Fußballer ist es die Europa League, beim Handball ist es der EHF-Pokal: In Kiel geht es am Freitag mit den Halbfinalspielen und am Sonnabend mit dem Endspiel um diesen internationalen Titel. Der THW Kiel wird dabei sein - mit Trainer Alfred Gislason. Es hört sich so selbstverständlich an, aber der Isländer sitzt nur noch fünf Mal auf der Trainerbank des deutschen Rekordmeisters. Nach dieser Saison ist Schluss. Nach elf Jahren beim THW und 22 Jahren als Bundesligatrainer.

Alfred Gislason: Der kühle Titelsammler

Trainiert er 2020 eine Nationalmannschaft?

Den Vereinstrainer Alfred Gislason wird es dann nicht mehr geben. "Mein Plan ist es, erst einmal eine Pause bis zum Ende des Jahres einzulegen. Dann kann ich mir vorstellen, eine Nationalmannschaft zu trainieren", sagt er. Den Bundesliga-Stress aber, den will sich der 59-Jährige nicht mehr antun. Die vielen Stunden Gegner-Analyse vor dem Computer, die zahlreichen Reisen zu den nationalen und internationalen Spielen - darauf hat Alfred Gislason schlicht und einfach keine Lust mehr. Oder wie er es ausdrückt: "Wenn ich ein Buch über mich schreiben würde - der Titel würde lauten: "Mein Leben im Bus".

Elf Jahre war Gislason Trainer beim THW Kiel

Aber einen THW Kiel ohne diesen großen, kräftigen und an der Seitenlinie doch so gelenkigen Isländer können sich nicht nur die THW-Fans schwer vorstellen. Elf Jahre war Alfred Gislason Trainer beim THW Kiel. In dieser Zeit gewann er je sechs Mal die deutsche Meisterschaft und den Pokal, zudem triumphierte der Verein zwei Mal in der Champions League.

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Gislason leitete in den vergangenen Jahren einen Umbruch ein. Nachfolger Filip Jicha übernimmt eine Mannschaft mit erfahrenen, aber auch vielen jungen Spielern, die in den kommenden Jahren vor allem international wieder zu den stärksten Vereinen aufschließen will und auch kann.

Auf dem Bauernhof soll es nicht mehr um Handball gehen

Die Entwicklung des THW Kiel wird Alfred Gislason eher aus der Ferne beobachten. "Wenn jemand einen Rat braucht, dann helfe ich gerne. Aber es gibt für mich jetzt auch etwas anderes als Handball, auch wenn es eine große Ehre war, bei diesem großen Club zu arbeiten." Den Sommer wird der Vater von zwei Söhnen und einer Tochter sowie mehrfacher Großvater auf seinem ausgebauten Bauernhof in der Nähe von Magdeburg verbringen.

"Die ganze Familie wird dort für vier bis sechs Wochen hinkommen. Wir haben noch nichts geplant, wollen einfach die gemeinsame Zeit genießen", sagt Gislason. Auf seinem Bauernhof hat sich der Isländer in den vergangenen Jahren auch auf die neuen Spielzeiten mit dem THW Kiel vorbereitet. "Da habe ich eine Werkstatt, sogar einen Trecker", verrät er.

Alfred Gislason (r., Bild aus dem Jahr 2010) © imago/Sven Simon

Gislason: "Ich werde es erst später begreifen"

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Alfred Gislason steht mit dem THW Kiel in seinem letzten europäischen Finale. Es geht um den Titel im EHF-Pokal. Vor dem Final Four spricht er über seinen bevorstehenden Abschied als Trainer.

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Der Titel im EHF-Pokal war der erste in der Titelsammlung

Doch der Bauernhof, die Werkstatt und der Trecker sind im Moment ohnehin noch gedanklich ganz weit weg. An diesem Wochenende will Gislason mit dem THW Kiel den EHF-Pokal gewinnen. Ein Kreis würde sich für ihn schließen, denn 2001 war es dieser Pokal, mit dem er mit dem SC Magdeburg seine Titeljagd startete. Im Halbfinale steht das dänische Team aus Holstebro im Weg, geht es ins Finale, wartet dort der FC Porto oder die Füchse Berlin.

Zum Abschiedsspiel Ende Juli wird die Arena voll sein

Es folgen bis zum 9. Juni noch drei Bundesligaspiele und vielleicht ja sogar noch die deutsche Meisterschaft. Zwei Punkte beträgt der Rückstand auf Spitzenreiter Flensburg-Handewitt. Unabhängig vom Saison-Ausgang wird danach noch einmal groß gefeiert. Am 26. Juli findet ein Abschiedsspiel für Alfred Gislason statt, bei dem neben den aktuellen auch viele ehemalige Spieler nach Kiel kommen werden.

Die Kieler Arena wird voll sein. Denn der THW verliert nicht nur einen außergewöhnlichen Trainer, sondern zudem einen außergewöhnlichen Menschen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.05.2019 | 18:00 Uhr