Stand: 10.08.2018 11:33 Uhr

THW in toller Frühform: "Kirche im Dorf lassen"

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Lukas Nilsson (h.) war mit fünf Toren erfolgreichster THW-Schütze beim Sieg gegen Flensburg.

Sieben Punkte und vier Plätze trennten den THW Kiel in der vergangenen Saison von der SG Flensburg-Handewitt. Dass sich der Erzrivale am letzten Spieltag die Meisterschaft sicherte, während sich die "Zebras" mit der Qualifikation für den EHF-Cup begnügen mussten, wurmte den jahrelangen Branchenführer der Handball-Bundesliga gewiss zusätzlich. In der neuen Serie wollen die Landeshauptstädter diese Scharte nun auswetzen. Und die Vorzeichen stehen nicht allzu schlecht, dass es ihnen gelingen wird. Denn während die SG einen erheblichen personellen Aderlass verkraften musste - sechs Akteure verließen den Verein -, konnte der THW mit Ausnahme von Kreisläufer Rene Toft Hansen (Veszprem) alle seine Leistungsträger halten und einige vielversprechende Verstärkungen verpflichten.

Ein erstes Indiz dafür, dass die Kieler die Handball-Machtverhältnisse im hohen Norden wieder zurechtrücken könnten, war das Testspiel beider Teams am Donnerstagabend in den Holstenhallen in Neumünster. Der THW gewann es vor 2.800 Zuschauer nach überzeugender Leistung mit 31:22 (14:8).

"Kein Fingerzeig, wie die Saison laufen wird"

Die Mannschaft von Trainer Alfred Gislason hinterließ über die gesamte Distanz einen eingespielteren und frischeren Eindruck als die SG, bei der in Abwehrchef Tobias Karlsson sowie dem früheren THW-Mittelmann Rasmus Lauge allerdings auch zwei unverzichtbare Stützen fehlten. Der schwedische Nationalspieler Lukas Nilsson war mit fünf Treffern erfolgreichster Schütze beim Rekordmeister, der das deutliche Resultat aber richtig einzuschätzen vermochte. "Lassen wir die Kirche mal im Dorf. Wir können natürlich stolz sein auf diesen Sieg. Aber es ist noch kein Fingerzeig, wie die Saison laufen wird", erklärte Keeper Andreas Wolff NDR 1 Welle Nord.

Pekeler und Co. erhöhen Kieler Qualität

Zumindest aber haben die "Zebras" rund eine Woche vor ihrem Pokalspiel gegen den Zweitligisten TuSEM Essen (18. August, 16 Uhr) ein erstes kleines Ausrufezeichen gesetzt. Nicht nur wegen der Höhe des Sieges, sondern insbesondere ob ihres im Vergleich zu vielen Partien der Vorsaison überlegteren, reiferen Auftritts. Gislason scheint die richtigen Schlüsse aus der durchwachsenen Spielzeit gezogen zu haben und mit seiner Mannschaft intensiv gearbeitet zu haben. Zudem war bereits zu erkennen, dass die Neuverpflichtungen wie Hendrik Pekeler, Magnus Landin und Harald Reinkind die sportliche Substanz des Kaders erhöht haben.

"Wir haben sehr stark gedeckt und das, was wir im Trainingslager angesprochen haben, umgesetzt. Wir haben auch sehr, sehr schnell gespielt und die Flensburger damit so ein bisschen mit ihren eigenen Waffen geschlagen", erklärte Wolff. Zugleich warnte der Nationalkeeper aber auch davor, "das Spiel überzubewerten".

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SG fehlen die Automatismen - Lichtblick Baijens

Selbiges wird auch Flensburgs Coach Maik Machulla trotz der mangelbehafteten Vorstellung seines Teams gewiss nicht tun. Zu schwer wogen die Ausfälle von Karlsson und Lauge, als dass sie die neu formierte und verjüngte Mannschaft bereits auffangen hätte können. "Wir haben sechs neue Leute - das hat man auch gesehen. Das sind einfach Automatismen, die in den vergangenen Jahren funktioniert haben. Und die müssen wir jetzt alle wieder entwickeln", sagte der Trainer NDR 1 Welle Nord. Er habe ohnehin nicht erwartet, "dass wir nach vier Wochen das alles hinkriegen und wir so weit sind, wie die alte Mannschaft war", ergänzte der Übungsleiter.

Einen Lichtblick gab es für ihn an diesem ansonsten eher trostlosen Abend aber doch noch: Dani Baijens. Der vorerst nur vorläufig zum Bundesliga-Kader gehörende Niederländer zeigte gegen die THW-Stars eine gute Leistung und empfahl sich so für weitere Einsätze im Profiteam. "Es hat bestätigt, dass er eine gute Entscheidung war, ihn mit in die Vorbereitung zu nehmen", lobte Machulla den aus dem eigenen Nachwuchs stammenden 20-Jährigen.

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Schleswig-Holstein Magazin | 10.08.2018 | 19:30 Uhr

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