Rune Dahmke (v.) vom THW Kiel im Spiel beim TBV Lemgo Lippe in Aktion © IMAGO / Eibner

Kiel und Flensburg geben sich im Titelkampf keine Blöße

Stand: 24.05.2021 22:03 Uhr

Kiel und Flensburg-Handewitt haben sich im Fernduell um die deutsche Handball-Meisterschaft keine Blöße gegeben. Der THW tat sich beim TBV Lemgo Lippe allerdings lange schwer, während die SG Melsungen demontierte.

Flensburg setzte beim 36:20 (21:9)-Erfolg ein deutliches Ausrufezeichen im Titelkampf, bleibt aber vorerst Tabellenzweiter hinter dem Erzrivalen, der allerdings auch eine Partie mehr ausgetragen hat. Das Team von Trainer Maik Machulla spielte am Pfingstmontag wie entfesselt und lag bereits zur Pause auch in der Höhe verdient mit zwölf (!) Toren in Führung. Es wären sogar noch mehr Treffer für die Schleswig-Holsteiner möglich gewesen, wenn Gäste-Keeper Nebojsa Simic nicht sieben Würfe pariert hätte.

Im Zweikampf mit dem THW Kiel um den Gewinn der Meisterschaft sieht SG-Trainer Maik Machulla sein Team weiterhin nur als Verfolger: "Es ist Wahnsinn, dass wir es trotz nur einer Saisonniederlage nicht in der eigenen Hand haben. Wir müssen einfach darauf hoffen, dass die Kieler irgendwo etwas liegenlassen", sagte Machulla dem NDR.

Svan trifft beim Jubiläum zum 1:0

Nach exakt 52 Sekunden war Simic das erste Mal bezwungen. Das hätte im Gesamtkontext der Partie keine Rolle gespielt, hätte ihn nicht Lasse Svan überwunden. Denn der SG-Kapitän beschenkte sich damit in seinem 600. Spiel für Flensburg gleich zu Beginn selbst. Dass der dänische Rechtsaußen - seit 2008 beim Bundesligisten unter Vertrag - anschließend ohne weiteres eigenes Erfolgserlebnis blieb, konnte sein Team gut verkraften.

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Gottfridsson genießt ungeahnte Freiheiten

Denn gegen in der Deckung viel zu passive Melsunger hatten Svans Mannschaftskameraden leichtes Spiel. Insbesondere Mittelmann Jim Gottfridsson bekam von den Gästen viel zu viel Freiheiten und nutzte diese zu fünf Treffern im ersten Abschnitt sowie vielen Vorlagen. Es war nach noch relativ ausgegelichenen zehn ersten Minuten in allen Belangen ein Klassenunterschied zu sehen. So konzentriert und gut der SG-Auftritt war, so irritierend war der des Gastes, der doch unter anderem in Julius Kühn, Tobias Reichmann, Kai Häfner und Timo Kastening so viel individuelle Qualität in seinen Reihen hat.

Als Mannschaft aber funktionierte die MT in Hälfte eins überhaupt nicht.

SG Flensburg-Handewitt - MT Melsungen 36:20 (21:9)

Tore SG Flensburg-Handewitt: Gottfridsson 8, Golla 7, Steinhauser 5, Röd 4, Wanne 4/2, Petersson 3, Larsen 2, Hald 1, Jöndal 1, Svan 1
MT Melsungen: Kühn 5, Kompenhans 3, Kastening 2, Pavlovic 2, Reichmann 2/1, Danner 1, K. Häfner 1, Kunkel 1, F. Lemke 1, Maric 1, Mikkelsen 1

Auch Heinevetter kann SG-Schützen nicht stoppen

Und daran änderte sich auch nach dem Seitenwechsel nur wenig. Trainer Gudmundur Gudmundsson schickte bald darauf Nationalkeeper Silvio Heinevetter zwischen die Pfosten. Doch auch der zuweilen exzentrische Schlussmann konnte in Anbetracht seiner kontaktscheuen Vorderleute nicht verhindern, dass das Flensburger Schützenfest munter weiter ging. Nach 44 Minuten stand es 29:13 für die SG. Heinevetter hatte bis dahin lediglich einen Wurf pariert und war - freundlich ausgedrückt - etwas verärgert.

Seine Laune sollte sich auch nicht mehr besser. Denn die MT blieb bis zur Schlusssirene weit unter ihren Möglichkeiten, während Flensburg die Partie konzentriert zu Ende spielte.

THW in Lemgo mit müder erster Hälfte

Kiel, das am Sonnabend gegen Melsungen nur knapp mit 29:28 gewonnen hatte, tat sich auch gegen Lemgo schwer, siegte am Ende aber 30:25 (13:12). Dem amtierenden Champion fehlte in seinen Offensivaktionen im ersten Abschnitt die Leichtigkeit. Superstar Sander Sagosen glänzte zwar mit einigen tollen Pässen, wurde selbst aber nur ganz selten in gute Abschlusspositionen gebracht. Die magere Ausbeute des Norwegers zur Pause: ein Tor. Auch Kapitän Domagoj Duvnjak zeigte vor dem gegnerischen Kasten ungewohnte Schwächen, traf nur drei von sechs Würfen. Der sonst so starke Rückraum war über weite Strecken des ersten Durchgangs kein großer Faktor.

Immerhin war auf die Außen Niclas Ekberg und Rune Dahmke (zusammen fünf Feldtore) einigermaßen Verlass. Und auch Keeper Dario Quenstedt zeigte eine ansprechende Leistung. Er rettete kurz vor der Halbzeit mit einer Parade gegen Jonathan Carlsbogard die knappe Pausenführung.

TBV Lemgo Lippe - THW Kiel 25:30 (12:13)

Tore TBV Lemgo Lippe: Elisson 9/4, Cederholm 5, Carlsbogard 3, Zerbe 3, Simak 2, Baijens 1, Guardiola 1, Timm 1
THW Kiel: Ekberg 7/3, Sagosen 6, Ehrig 5, Dahmke 4, Duvnjak 3, Pekeler 2, Weinhold 2, Reinkind 1

Kiel nach der Pause konzentrierter

Auch nach dem Seitenwechsel blieb es eine zähe Angelegenheit für die "Zebras". Sven Ehrig brachte die Gäste zwar erstmals mit drei Toren in Front (36.), doch der TBV ließ sich nicht abschütteln und konnte auf 18:19 verkürzen (41.). Es sprach für die Klasse und Abgeklärtheit des THW, dass die Mannschaft von Coach Filip Jicha sachlich weiterspielte und ihre Stärken in den entscheidenden Momenten zur Geltung brachte. Auch die Umstellung von einer 6:0-Deckung auf eine 3-2-1-Abwehrformation Mitte des zweiten Abschnitts war eine gute Maßnahme von Jicha.

Steffen Weinhold sorgte in der 48. Minute mit dem 23:19 für einen erstmals etwas beruhigenden Vorsprung. Als Sagosen bald darauf in Unterzahl - Pavel Horak brummte eine Zeitstrafe ab - zum 27:22 traf (55.), war die Entscheidung gefallen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 24.05.2021 | 23:03 Uhr

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