Stand: 11.04.2019 05:00 Uhr

THW Kiel: Wo sich Talente und Profis in Form bringen

von Isabelle Breitbach

Wo sie sind, ist oben. So zumindest lautet der immerwährende Anspruch des THW Kiel. Rekordmeister, Rekord-Pokalsieger, der mit Abstand erfolgreichste deutsche Handballverein: Das wollen sie auch bleiben. Die Bedingungen, unter denen die "Zebras" bis vor Kurzem trainiert haben, waren allerdings alles andere als erstklassig. Seit Anfang des Jahres ist Schluss mit den provisorischen Lösungen. Die Zebraherde hat ihr neues Leistungszentrum in Altenholz vor den Toren Kiels bezogen. Eine Kaderschmiede nach Maß, in der jetzt auch alle unter einem Dach trainieren - von der C-Jugend bis zur Bundesliga-Mannschaft. Ein großer Schritt.

THW Kiel: Profi-Bedingungen für den Nachwuchs

"Wir sind Kiel", aber in Altenholz

Vormittags trainieren die Profis, nachmittags diejenigen, die es einmal werden könnten. Manchmal sogar alle gleichzeitig. "Wir sind Kiel" - sein Motto lebt der Verein jetzt auch, er wächst als Gemeinschaft zusammen. In dem Leistungszentrum, der gemieteten Heimat für mindestens die nächsten 15 Jahre, ist genug Platz für alle. Allein die Hallenfläche misst schon 2.000 Quadratmeter: zwei komplette Trainingsfelder, die sich mit einem 40 Meter langen Vorhang trennen lassen. Dazu eine Laufbahn mit Geschwindigkeitsmessung, Videobereich, nicht zu vergessen der Kraftraum. An einem ganz normalen Nachmittag trainieren da schon mal drei Mannschaften parallel - die Einen Wurftechniken, die Anderen Muskelkraft oder Ausdauer.

Trainingssteuerung vor dem Umzug schwierig

Klaus-Dieter Petersen, besser bekannt als "Pitti", hat sie jetzt alle im Auge. Insgesamt sind es 90 Jungzebras, um die sich der Nachwuchskoordinator kümmert, "alles Ich-AGs", sagt er. Den Überblick behalten, alle unter einen Hut bringen: vor dem Umzug nach Altenholz fiel ihm das manchmal schwer. Kein fester Trainingsort, sondern ständig wechselnde Turnhallen in Kiel. Für ihn und sein Team bedeutete das, immer wieder neu zu planen, Woche für Woche zu überlegen: Wer trainiert wann und wo? Wie kommen Spieler und Material da hin? Und wie kriegt er selbst seine Nachwuchstalente oft genug zu sehen, wenn sie an unterschiedlichen Orten trainieren? Um die Ausbildung der Spieler voranzutreiben, muss er ihre Entwicklung gut beobachten. "Jeder ist ein Individuum, jeder hat seine eigenen guten und vielleicht auch nicht so guten Seiten. Und die wollen alle für wenige Plätze da oben was erreichen", sagt Petersen.

In fünf Jahren sind zwei Talente oben angekommen

Dort oben, das heißt: Bundesliga. Dahin hat es aus dem Jugendbereich des THW Kiel in den letzten Jahren kaum einer geschafft. Rune Dahmke (2014) und Sebastian Firnhaber (2017) waren die letzten, die von der A-Jugend über die U23 und den Kooperationsverein TSV Altenholz als Profis zu den "Zebras" durchkamen. Vorbilder, von denen die heutigen Nachwuchstalente in ihrem neuen Zuhause um so mehr profitieren, weiß U15-Trainer Monty Schröder: "Es ist ein tolles Gefühl, besonders für die jungen Sportler in unserem Verein, da der Kontakt zu den Profis immer enger wird und die Trainingsarbeit allgemein professionalisiert wird."

Einer der jüngsten Spieler nimmt das Klapprad

Darauf kommt es an: professionell, diszipliniert sein. "Auf dem Weg nach oben reicht Talent nicht", betont "Pitti" Petersen. Persönlichkeitsmerkmale wie Ehrgeiz, Einsatzwillen, Selbstständigkeit, Trainingsfleiß - all das hält er mindestens für ebenso wichtig. Wer diese Eigenschaften habe, überflügele faule Ausnahmetalente irgendwann: "Sie reden immer viel: Ja, ich mache. Aber das Tun, drei Buchstaben, das ist das Wichtigste."

Schon auf dem Weg zum Training fällt Petersen auf, wer mit Herzblut bei der Sache ist: "Einer von den Jüngsten kommt aus der Nähe von Wrist. Vier Mal die Woche radelt der mit dem Klapprad erst zum Bahnhof, fährt mit dem Zug nach Kiel, dann mit dem Shuttle über den Kanal, lässt sich da rausschmeißen und radelt weiter bis zur Halle. Und nach dem Training wieder zurück." Zur Orientierung: Zwischen Wrist im Kreis Steinburg und Altenholz liegen rund 70 Autokilometer.

Vier THW-Nachwuchs-Teams sind Meister

In der aktuellen Saison haben vier von Petersens Jugend-Mannschaften ihr größtes Ziel erreicht: U15, U16, U17 und U18 haben sich gerade die Meistertitel in ihren Ligen gesichert. Petersen beschäftigt aber auch die Perspektive auf lange Sicht: "Wenn man das einmal erlebt hat, in der Sparkassen-Arena zu spielen, dann würde ich das natürlich als Ziel sehen, aus diesen Jahrgängen so viele Spieler wie möglich da oben reinzubringen." Sollte dieser Plan in den nächsten fünf Jahren aufgehen, wäre er zufrieden.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 11.04.2019 | 19:30 Uhr

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