Stand: 07.04.2019 18:47 Uhr

"Zebras" im Freudentaumel: Kiel gewinnt DHB-Pokal

von Christian Görtzen, NDR.de

Um Punkt 17 Uhr war am Sonntag der Augenblick gekommen, den der gesamte Handballverein THW Kiel und seine Fans so herbeigesehnt hatten. Während hinter dem Siegerpodium in der Hamburger Arena die Feuerfontänen sprühten, wurde Kapitän Domagoj Duvnjak der silberne DHB-Pokal für den 28:24 (14:13)-Finalsieg gegen den SC Magdeburg gereicht. Im Normalfall stemmt der Spielführer in diesen Momenten die Trophäe nach oben, doch der kroatische Nationalspieler winkte ab - und seinen Trainer Alfred Gislason herbei. Es war eine besondere Ehrerbietung an den 59 Jahre alten Isländer, der nach dieser Saison beim Rekordmeister aufhört. Gislason kam, riss den Pokal nach oben, und dann wurde getanzt und gehüpft auf dem Podium.

"Unbeschreiblich", sagte Gislason wenig später dem NDR. "Ich bin unglaublich stolz auf meine Mannschaft, dass sie gewonnen hat, wie sie gewonnen hat. Es ist alles so gut aufgegangen." Für den Erfolgscoach war es der sechste Triumph im sechsten DHB-Pokalfinale mit den "Zebras", für den Verein THW Kiel der elfte Gewinn dieses Wettbewerbs.

Erster Titel seit 2017

Die Feierlichkeiten hatten mit dem Ertönen der Schlusssirene begonnen. Rings um Gislason herum begann das große Springen. Ausgelassen wie die Kinder hüpften Spieler und Teammitglieder des schleswig-holsteinischen Clubs über das Parkett. Schnell bildete sich ein Jubelknäuel. Es war aber auch nur zu verständlich, dass sie diesen Triumph so sehr auskosteten. Schließlich liegen die Zeiten, in denen der THW einen Titel nach dem anderen einheimste, schon ein bisschen zurück. 2015 waren die „Zebras“ letztmals deutscher Meister, holten einige Wochen später noch den wenig bedeutenden Supercup. Danach reichte es nur noch zu einem großen Erfolg, dem Gewinn des DHB-Pokal 2017, als der große Rivale SG Flensburg-Handewitt mit 29:23 niedergerungen wurde. Jetzt also der so ersehnte Titelgewinn in Hamburg.

Und es ist sogar ein "kleines" Triple möglich. Im Mai und Juni haben die Schleswig-Holsteiner mit dem internationalen EHF-Cup sowie der deutschen Handball-Meisterschaft noch zwei weitere Titelchancen.

Packende erste Halbzeit

SC Magdeburg - THW Kiel 24:28 (13:14)

Tore SC Magdeburg: Damgaard (6), Musche (4/1), Musa (3), Petersson (3/2), Weber (2), Lagergren (2), Chrapkowski (1), Bezjak (1), Mertens (1), O'Sullivan (1)
Tore THW Kiel: Reinkind (6), Pekeler (5), Ekberg (4/1), Dahmke (3), Bylik (3), Duvnjak (2), Zarabec (2), Wiencek (1), Nilsson (1), M. Landin (1).
Schiedsrichter: Baumgart/Wild
Siebenmeter: 3/6:1/2
Zuschauer in Hamburg: 13.200 (ausverkauft)

Die "Zebras" kamen gut in die Partie gegen den SCM, gegen den sie in der Bundesliga sowohl auswärts (30:35) als auch zu Hause (25:28) verloren hatten. Dies lag vor allem daran, dass sich der dänische Nationaltorhüter Niklas Landin gleich wieder so stark präsentierte wie im Halbfinale am Sonnabend gegen die Füchse Berlin (24:22). Und so hieß es schnell 3:1 (3.). Doch so leicht ließ sich der SC Magdeburg nicht abschütteln. Durch drei erfolgreiche Tempo-Gegenstöße machten die Sachsen-Anhalter aus einem knappen Rückstand eine Zwei-Tore-Führung: Albin Lagergren überwand Landin zum 9:7 (17.) für den SCM, der sein Semifinale gegen die TSV Hannover-Burgdorf in einem wahren Krimi mit 30:29 gewonnen hatte.

Michael Damgaard, der schon gegen die "Recken 15 Tore erzielt hatte, erhöhte neun Minuten später auf 13:10. Doch der THW schlug zurück - mit einem 4:0-Lauf. Landin wehrte den zweiten Siebenmeter von Matthias Musche ab. Und im Gegenzug sorgte Domagoj Duvnjak für die 14:13-Pausenführung der "Zebras".

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"Zebras" entscheiden früh das Finale

Und die Kieler blieben auch zu Beginn des zweiten Abschnitts konzentriert. Die Tempo-Gegenstöße wurden genutzt, durch Niclas Ekberg, Hendrik Pekeler und erneut Ekberg - und so hieß es 18:15 (38.) für die Norddeutschen. Magdeburgs Trainer Bennet Wiegert nahm eine Auszeit. Doch Landin war auch beim Folgeangriff wieder zur Stelle. Der starke Harald Reinkind, der mit sechs Treffern erfolgreichster THW-Spieler war, sorgte für die erste Vier-Tore-Führung (19:15/39.) der Schleswig-Holsteiner.

Und es kam noch besser für den THW und seine Fans: Beim Stand von 20:16 setzte SCM-Rechtsaußen Robert Weber einen Siebenmeter an den Pfosten. Pekeler erhöhte im Gegenzug auf 21:16 (43.). Die "Zebras" spielten sich in einen Rausch und entschieden vorzeitig das Endspiel: Mit zwei Treffern in Folge sorgte Rune Dahmke für das 24:16 (45.). Diesen Vorsprung ließ sich der THW nicht mehr nehmen.

Pokalsieger: Kiel feiert sich und Gislason

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 07.04.2019 | 22:50 Uhr

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