Stand: 28.08.2020 10:36 Uhr

Warten auf Zuschauer: Handball steckt in Dilemma

Handball im Tornetz © picture-alliance / Sven Simon Foto: FrankHoermann/Sven Simon
Handball ohne Zuschauer - für viele Bundesliga-Clubs nicht finanzierbar.

Nach der Entscheidung der Politik gegen eine schnelle Rückkehr von Zuschauern im Sport stecken viele Topligen in einem Dilemma. In der Hoffnung auf wieder gefüllte Tribünen spätestens Anfang Oktober hatten Sportarten wie Handball, Basketball oder Eishockey ihre Pläne für die kommende Saison vorangetrieben. So will die Handball-Bundesliga (HBL) der Männer eigentlich am 1. Oktober wieder in den Spielbetrieb starten, schon am 26. September sollen Meister THW Kiel und Vizemeister SG Flensburg-Handewitt in Düsseldorf um den Supercup spielen. Die Liga war allerdings davon ausgegangen, wieder mit Publikum in den Hallen planen zu können. Bis zu 50 Prozent des Etats der Vereine kommen über Zuschauereinnahmen.

"Die Aufregung ist groß, ganz klar. Man spielt hier schon mit der Geschäftsgrundlage eines jeden Clubs. Man muss dazu bemerken, dass wir seit Anfang März unsere Geschäftsmodelle nicht mehr durchführen können. Das heißt, die Clubs haben nur noch Ausgaben, keine Einnahmen." HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann

Bohmann fordert klaren Kurs der Politik

Frank Bohmann reagierte entsprechend konsterniert auf die Ankündigung, dass nach dem Willen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Länderchefs eine Arbeitsgruppe auf der Ebene der Chefs der Staatskanzleien erst Ende Oktober über die Wiederzulassung von größeren Zuschauermengen befinden soll. "Wir verfahren nach wie vor nach der Maxime, dass die Gesundheit über allem steht", sagte der HBL-Geschäftsführer. Dennoch wünscht sich auch der Handball verbindlichere Aussagen und mehr Planbarkeit. "Wenn wir ständig neue Rahmenbedingungen bekommen, dann arbeiten wir ins Leere hinein. Da würde ich mir eine andere Kommunikation wünschen und dass wir auch eine größere Verlässlichkeit bekommen."

Nach dem verlängerten Verbot von Großveranstaltungen müsse die Bundesliga möglicherweise ganz neu denken, so Bohmann: "Wie wir jetzt weiter damit verfahren, kann ich noch nicht sagen. Dazu muss ich erst die Clubs konsultieren. Aber das macht schon einen Strich durch unsere Planungen." Grundsätzlich setzt die HBL allerdings weiter darauf aus, schon zum Saisonstart am 1. Oktober mit Hilfe von schlüssigen Hygienekonzepten vom Verbot nicht betroffen zu sein und so die Zulassung von Zuschauern zu ermöglichen. "Das ist die Absprache, die wir mit der Politik getroffen hatten", sagte Bohmann. Ohne Fans sei ein langes Überleben nicht möglich: "Wenn es tatsächlich so kommen sollte, ist das maximal für eine ganz kurze Übergangszeit möglich. Ganz kurze Übergangszeit heißt, ein oder zwei Spiele, danach wird den ersten Clubs die Luft ausgehen."

Schwenker: "Wollen am 1. Oktober starten"

Der deutsche Meister THW Kiel und Vizemeister SG Flensburg-Handewitt hatten bereits in der vergangenen Woche für einen späteren Saisonstart und eine Absage der für Anfang Januar in Ägypten geplanten Weltmeisterschaft plädiert, dafür aber harsche Kritik einstecken müssen. Allein aus organisatorischen Gründen sei das nicht möglich, sagte HBL-Präsident Uwe Schwenker. "Wir wollen nach wie vor am 1. Oktober starten. Gleichwohl werden wir die gefassten Beschlüsse in der nächsten Woche noch einmal mit allen Beteiligten diskutieren." Bei einem späteren Start sei kein Regel-Spielbetrieb möglich.

Kiel will Zuschauer-Konzept testen

Der THW hat sich entschlossen, sein Konzept für eine beschränkte Fan-Rückkehr in der ersten September-Hälfte zu testen. In einem Vorbereitungsspiel gegen die HSG Nordhorn-Lingen soll die heimische Arena in sieben Sektoren mit sieben eigenen Eingängen geteilt werden. Auf diese Weise sollen 999 Zuschauer Einlass finden. Besetzt werden sollen nur jede zweite Reihe und Doppelplätze mit jeweils zwei freien Sitzen dazwischen. Tickets gibt es nicht im freien Verkauf, sondern nur online und personalisiert. Die Zuschauer werden mit FFP2-Masken ausgestattet. Das Gesundheitsamt Kiel und das Sozialministerium prüfen derzeit, ob sie dafür eine Sondergenehmigung erteilen können.

Die geplanten Saisonstarts der Bundesligen
LigaStart
Fußball-Bundesliga Frauen04.09.2020
Handball-Bundesliga Frauen05.09.2020
Fußball-Bundesliga Männer18.09.2020
Handball-Bundesliga Männer01.10.2020
Basketball-Bundesliga Männer06.11.2020
Deutsche Eishockey Liga13.11.2020
Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 28.08.2020 | 10:25 Uhr

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