Kiels Patrick Wiencek (Nr. 17) kann einen Treffer von Flensburgs Magnus Röd nicht verhindern. © imago images / Holsteinoffice

Trotz Corona und Terminnot: Handball-Bundesliga spielt weiter

Stand: 13.11.2020 13:32 Uhr

Die 20 Clubvertreter und die Handball-Bundesliga (HBL) haben sich am Freitag bei einer Krisensitzung auf die Fortsetzung der Saison geeinigt. Auf Teams wie den THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt kommt eine gewaltige Terminhatz zu.

"Ein Lockdown würde bedeuten, dass wir unserem eigenen Betriebs- und Hygienekonzept nicht vertrauen würden. Dieses Konzept hat sechs Spieltage lang sehr gut funktioniert", sagte Ligachef Frank Bohmann dem NDR.

Zuvor hatten die vier positiven Corona-Befunde bei deutschen Nationalspielern für zahlreiche Spielabsagen in der HBL gesorgt. Unter anderem wurden die Partien der SG Flensburg-Handewitt (gegen Melsungen) und des THW Kiel (Füchse Berlin) verlegt.

Auch an diesem Wochenende werden wieder einige Spiele ausfallen. Die MT Melsungen (eigentlich gegen den SC Magdeburg) und GWD Minden (beim HSC 2000 Coburg) befinden sich in einer 14-tägigen Quarantäne. Bei Frisch Auf Göppingen und der HSG Wetzlar, die direkt aufeinandertreffen sollten, sind einzelne Spieler in häuslicher Isolation. Die Mannschaft des SC DHfK Leipzig ist nach der Quarantäne gerade erst wieder ins Training eingestiegen. Die Partie bei HBW Balingen-Weilstetten war schon vor einigen Tagen verlegt worden.

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Kiels Szilagyi: "Absoluter Worst Case"

Ligachef Frank Bohmann hatte im Vorfeld gewarnt: Angesichts des engen Terminkalenders gebe es vor allem für die Top-Vereine wie Kiel und Flensburg, die auch international starten, "wenig Raum" für Ersatztermine: "Die europäischen Clubwettbewerbe sind aus meiner Sicht praktisch nicht mehr nachholbar, da muss es irgendeine Wertungsregelung geben. Damit wird sich die EHF beschäftigen." Kiels Sportdirektor Viktor Szilagyi sprach von einem "absoluten Worst Case", weil die "Zebras" bis Ende des Kalenderjahres ohnehin im Drei-Tage-Rhythmus spielen müssten.

VIDEO: THW-Geschäftsführer Szilagyi: "Der absolute Worst Case" (8 Min)

Kiel drohen 16 Spiele in sechs Wochen

Bei der SG sind es derzeit bis Jahresende 13 Partien. Kiel könnten im schlimmsten Fall 16 Spiele in sechs Wochen bevorstehen. 14 Termine sind bereits fix, was schon jetzt dauerhaft zur engen Taktung führt. Zudem droht den "Zebras", dass zusätzlich zwei ausgefallene Partien in den Kalender hineingepresst werden: Was das Champions-League-Heimspiel gegen den ukrainischen Club Saparoschje angeht, ist dies sehr gut möglich, beim Bundesligaspiel gegen die Füchse Berlin ist dies denkbar.

Sollte es dazu kommen, dann "ist das schon der Wahnsinn", sagte Szilagyi dem NDR. "Aktuell ist es nicht zumutbar, da noch weitere Spiele reinzulegen. Denn es geht hier ja nicht nur um die Spiele, da gehören ja auch die Reisetage dazu", merkte der ehemalige österreichische Nationalspieler an.

"Ich glaube nicht, dass die Spiele, die der THW nachholen muss, alle nachgeholt werden können. Die europäischen Clubwettbewerbe sind aus meiner Sicht praktisch nicht mehr nachholbar, da muss es irgendeine Wertungsregelung geben. Damit wird sich die EHF beschäftigen." HBL-Chef Frank Bohmann

Große Herausforderungen auf Reisen

THW-Pressesprecher Christian Robohm präzisierte dies auf Nachfrage, gerade in Bezug auf die Reisen in andere Länder: "Es ist einfach sehr schwer in diesen Zeiten. Da ist zum einen der enorme Aufwand mit den Einreiseformularen. Zudem findet man kaum noch ein Hotel, das auch Essen anbietet. Denn es ist ja grundsätzlich so: Für drei Zimmer, die sie an Businessleute vermieten, holen die keinen Koch aus der Kurzzeit."

Die Terminhatz bis Jahresende ließe sich für die Clubs nur dann bewältigen, wenn in den kommenden Wochen alles gut geht, es keine größeren Ausbrüche in den Teams gibt - anders als im Nachgang der Länderspiele. Szilagyi ist diesbezüglich nicht sonderlich optimistisch. "Ich befürchte, dass wir leider noch einige Meldungen dazukriegen werden. Wir sind wohl bald an einem Punkt angekommen, an dem wir akzeptieren müssen, dass wir nicht alles umgesetzt bekommen, was wir uns wünschen."

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Bohmann: "Nationale Ligen müssen Priorität haben"

Bohmann sieht dies ähnlich: "Für mich ist ganz klar, dass die Keimzelle des Handballs der Clubhandball ist und da verdienen die Spieler auch letztlich ihren Lebensunterhalt. Das ist das Brot- und Buttergeschäft. Alle anderen Wettbewerbe sind aus meiner Sicht Sahnehäubchen, die man am Ende vielleicht zum Überleben gar nicht braucht. Die nimmt man gerne mit, aber wenn es nicht geht, dann muss die Bundesliga wie alle anderen nationalen Ligen in jedem Land absolute Priorität haben."

"Man muss auch sehen, werden diese Spiele, wie sie gerade auf dem Papier stehen, auch tatsächlich so stattfinden? Da kann man von der Wirklichkeit eingeholt werden." HBL-Chef Frank Bohmann

Zweifel an WM im Januar nehmen zu

Längst ist auch eine Debatte über die Weltmeisterschaft im Januar in Ägypten entbrannt. "Das Ding ist schon kritisch. Da sind 32 Mannschaften aus der ganzen Welt, mit unterschiedlichen Inzidenzzahlen und unterschiedlichen Konzepten", erklärte Bohmann, der gleichwohl eine "WM-Blase" für möglich hält, "wenn man alle Spieler infektionsfrei da hinbekommt". Aber das müsse man erst einmal abwarten. Für Matthias Stroot, Geschäftsführer der HSG Nordhorn-Lingen, wäre die Durchführung des Turniers "mit dem Wissen, das man jetzt hat unverantwortlich". Bob Hanning sieht das anders. Die WM stehe "nicht im Geringsten" zur Diskussion. "Es geht schließlich auch ums Überleben unserer Sportart", sagte der Geschäftsführer der Füchse Berlin.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 13.11.2020 | 12:25 Uhr

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