Kiels Rune Dahmke ballt jubelnd die Faust. © Imago Images

THW-Profi Dahmke: Nicht noch eine Blamage gegen Lemgo

Stand: 24.06.2021 08:03 Uhr

Noch zwei Spieltage: Spätestens am Sonntag kürt die Handball-Bundesliga ihren Meister. Das Titelrennen ist eng. Spitzenreiter THW Kiel, der heute auf Pokalschreck Lemgo trifft, liegt einen Zähler hinter der SG Flensburg-Handewitt, hat aber ein Spiel mehr. NDR.de hat mit Kiels Linksaußen Rune Dahmke über das spannende Saisonfinale gesprochen.

Rune Dahmke, wird der THW Kiel wieder Meister?

Rune Dahmke: Die beiden Mannschaften, die jetzt da oben stehen, hätten es beide verdient - sie hatten mit Abstand die meisten Spiele. Vielleicht hat auch das bewirkt, dass das Momentum in den letzten Wochen immer hin- und hergegangen ist. Jetzt haben wir die bessere Ausgangssituation und die wollen wir natürlich nutzen.

Es ist die letzte Chance auf einen Titel in dieser Saison. Wie hoch ist die Anspannung?

Dahmke: Der Champions-League-Sieg ist auch erst sechs Monate her, aber der zählt nicht in diese Saison. Wir haben jetzt zehn, elf Monate für die Titel gekämpft und dann haben wir innerhalb von zwei Wochen gleich zwei verspielt. Die deutsche Meisterschaft ist der schwerste Titel, weil er über die längste Zeitspanne vergeben wird. Dass wir es jetzt in der eigenen Hand haben, bringt natürlich Druck, aber immer auch ein paar Energie-Prozente.

UMFRAGE
Mögliche Antworten

Wer wird deutscher Handball-Meister?

Hätten Sie nach dem Saisonverlauf noch damit gerechnet?

Dahmke: Nee. Ich muss ehrlich sagen, dass nach der Niederlage in Magdeburg die Stimmung war: 'Das war's, jetzt haben wir es verkackt.' Aber wir wollten da sein, wenn noch was passieren sollte. Das war ganz klar die Vorgabe vom Trainerteam. So schnell geht's. Andersherum hatten wir es auch schon mal in eigener Hand und haben es hergegeben. Da hat Flensburg sicher auch nicht mit gerechnet. Jetzt ist es noch mal andersherum passiert - das ist schon Wahnsinn. Aber wir wollen sicher nicht noch mal den Fehler machen und einen der letzten vier Punkte hergeben.

Dass trotz der Corona-Pandemie überhaupt ein Titel vergeben wird, hing zeitweise am seidenen Faden.

Dahmke: Als die zweite und dritte Welle richtig hart zugeschlagen haben, dachte ich: 'Okay, jetzt spielen wir noch eine Woche und dann ist Schluss. So wie im vergangenen Jahr.' Aber je wärmer es wurde, desto besser wurde es wieder. Und in den letzten Monaten hatte ich dann schon das Gefühl, dass wir das zu Ende spielen. Einen Saisonabbruch hatte ich trotzdem immer im Hinterkopf - und es ist schön, dass wir das geschafft haben. Ich finde, dass die Vereine und die Liga einen super Job gemacht haben. Das ist schon etwas Besonderes. Und noch besser ist es, wenn das Ganze für uns ein gutes Ende hat.

Ausgerechnet in der entscheidenden Phase kommen die Fans zurück. Insgesamt entspannt sich die Corona-Lage. Wie würde da der Titel reinpassen?

Dahmke: Ja, perfekt! (lacht) Ich habe draußen in der Stadt das Gefühl, dass die Menschen wieder Hoffnung haben. Die Normalität kehrt langsam zurück. Alle sind glücklich, das Wetter ist gut. Auch wenn die Halle leer war, haben wir mitbekommen, wie die Fans mitgefiebert haben. Wenn wir jetzt den Titel holen würden, würde das auch viel für die Stadt und die Fans bedeuten. Das wäre richtig schön.

Restprogramm der Titelkandidaten:

THW Kiel:
Heimspiel gegen den TBV Lemgo-Lippe (heute, 19 Uhr)
Auswärts bei den Rhein-Neckar Löwen (Sonntag, 15.30 Uhr)
SG Flensburg-Handewitt:
Heimspiel gegen die HBW Balingen-Weilstetten (Sonntag, 15.30 Uhr)

Der nächste Gegner ist heute Lemgo. Wie sehr steckt die Niederlage beim Pokal-Final-Four noch in den Knochen?

Dahmke: Ich glaube, die Videoanalyse wird nicht so witzig. (schmunzelt) Wir hatten schon ein, zwei Videosessions nach dieser Blamage, die sehr ungemütlich waren. Jetzt kommt Lemgo zu uns nach Hause - und wir haben was gutzumachen. Aber es geht vor allem um die zwei Punkte für die Meisterschaft. Da ist es egal, ob es Lemgo, Minden oder Erlangen ist.

Warum hat es im Pokal gegen Lemgo nicht geklappt?

Dahmke: Wir sind absolut nicht an unsere Leistungsgrenze gekommen. Und das war nicht irgendein untergeordnetes Spiel. Die Chance, den Titel zu gewinnen, bekommen wir nicht wieder zurück. Da haben wir zu früh abgeschaltet. Wir haben mit 18:11 geführt zur Halbzeit - da war vielleicht schon ein bisschen das Finale im Kopf. Wenn man das jetzt weiterspinnt, ist die Situation ähnlich: Wenn wir jetzt gegen Lemgo gewinnen, haben wir das Finale gegen die Rhein-Neckar Löwen. Aber wir sind dieses Mal auf jeden Fall auf der Hut. Wir wissen, dass 60 Minuten Vollgas nötig sind.

Ist das Spiel schwieriger als das zum Saisonabschluss bei den Rhein-Neckar Löwen?

Dahmke: Bei den Rhein-Neckar Löwen zeigt die Formkurve ganz klar nach oben. Lemgo ist nach dem Triumph immer noch auf einer Welle unterwegs. Gegen Lemgo haben wir den Heimvorteil - mit unseren Fans. Bei den Rhein-Neckar Löwen wird es noch einmal unglaublich schwer. Aber: Wenn wir die zwei Spiele gewinnen, gewinnen wir das ganze Ding. Alles andere zählt nicht. Es hat sich hier noch nie jemand über einen zweiten Platz gefreut. Wir haben die Qualität, die die Verantwortung mit sich bringt, dass wir Titel gewinnen. Es kommt nur darauf an, ob du gewinnst oder nicht. Das bringt zwar auch Druck mit sich, macht aber auch am meisten Spaß.

Das Interview führte Jonas Freudenhammer

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 23.06.2021 | 23:03 Uhr

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