Stand: 08.04.2019 08:41 Uhr

THW-Pokalsieg: Gislasons emotionaler Rekordsieg

von Jan Kirschner, NDR.de

Die Siegerehrung im deutschen Handball-Pokal hatte einen etwas überraschenden Höhepunkt: Unter dem Jubel der Fans nahm Domagoj Duvnjak nach dem Final-Erfolg gegen den SC Magdeburg (28:24) in Hamburg den "Pott" entgegen, aber er weigerte sich, das Objekt der Begierde als Erster hochzustemmen. Der Kapitän des THW Kiel wedelte mit seiner rechten Hand, blickte zu Alfred Gislason, bis der Trainer endlich auf ihn zuschritt. Es war ein bewegender Moment, als der 59 Jahre alte Isländer am Sonntagnachmittag den silbernen Pokal gen Hallendach reckte. "Eigentlich wollte ich diesen Augenblick etwas genießen, schaute deshalb zu Familie und Fans", erzählt er später: "Da hatte ich auch schon Sekt in meinen Augen."

Gislason zum sechsten Mal als Trainer Pokalsieger

Zwei Stunden vor dem emotionalen Ausbruch hatte sich die Anspannung auf dem Maximum befunden. Als die Mannschaften in die verdunkelte Arena einliefen, tippelte Gislason bereits nervös an der Auswechselbank auf und ab, um zwischendurch immer wieder auf der Stelle zu verharren. "Mit dem Anpfiff bin ich in meiner eigenen Welt, da lässt sich nichts mehr genießen", verriet er einmal. Für den Erfolgstrainer war es das sechste und wohl auch letzte Final Four um den DHB-Pokal. Bei jeder Teilnahme holte er den Titel - Rekord. Im Sommer wird er beim THW Kiel nach elf Jahren aufhören und plant, höchstens noch ein Nationalteam, aber keinen Verein mehr zu übernehmen.

Keeper Landin in Halbfinale und Endspiel der überragende Spieler

Die taktische Marschroute für das Endspiel hatte der Coach am Sonntagmorgen festgelegt. Duvnjak und Miha Zarabec, die beim Sieg gegen Berlin viel investiert hatten, blieben zunächst draußen. Dafür mischten Lukas Nilsson und Harald Reinkind, zwei frische Kräfte, mit. Auch Patrick Wiencek konnte mitwirken. Weder ein Magen-Darm-Virus noch ein "Pferdekuss" warfen den stämmigen Kreisläufer und Defensiv-Strategen aus der Bahn. "Das sah gewiss nicht so aus, als ob er irgendwie krank gewesen wäre - unsere Abwehr war sehr gut auf den Beinen", schmunzelte Niklas Landin. Der dänische Schlussmann glänzte selbst mit zwei Gala-Vorstellungen und wurde völlig verdient zum besten "Torwart des Turniers" gekürt.

Nach kurzer Nacht ab zu den Nationalmannschaften

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Gislason sprach von einer "überragenden Leistung". Er selbst kam dennoch lange nicht zur Ruhe. Er analysierte, er gestikulierte, er kommentierte. Und er reagierte: Als die Magdeburger nach einer Viertelstunde mit einem 4:0-Lauf am THW vorbeirauschten, brachte der Isländer sowohl Duvnjak als auch Zarabec. Den überragenden SCM-Schützen Michael Damgaard bekam der THW nun besser in den Griff. Zudem schwächte die Verletzung von Linkshänder Albin Lagergren den Gegner. Die Kieler dominierten in der zweiten Hälfte, führten zeitweise mit acht Toren Vorsprung. Zwei Minuten vor Schluss war längst alles entschieden. Die Ersatzspieler hüpften freudig vor der Bank.

Co-Trainer Filip Jicha und der Sportliche Leiter Viktor Szilagyi strahlten und gratulierten Gislason. In diesem Augenblick wich auch bei ihm die Anspannung aus dem Gesicht. Nach dem Abpfiff fiel der Coach seinen Spielern in die Arme, eilte in die Fan-Ecke. Einige Minuten darauf folgte die Zugabe mit dem Pokal. An diesem Abend wurde gefeiert, ehe die meisten THW-Akteure nach einer kurzen Nacht zu ihren Nationalteams fahren mussten.

Weitere Titelchancen im EHF-Cup und der Meisterschaft

Der THW-Anhang besang den elften DHB-Pokal: "Die Nummer eins im Land sind wir!" Niklas Landin legte nach: "Wir haben noch etwas vor, der Pokal war nur unser erstes kleines Ziel." Teamkollege Hendrik Pekeler bekräftigte: "Beim Final Four im EHF-Cup sind wir in der eigenen Halle in der Pflicht, in der Meisterschaft rechnen wir uns auch noch etwas aus, haben es aber nicht mehr in der eigenen Hand." Derweil atmete Alfred Gislason erleichtert durch: "Schön, dass wir in meiner elften und letzten Saison beim THW nicht leer ausgehen werden."

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 07.04.2019 | 22:50 Uhr

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