THW-Kiel-Trainer Filip Jicha mit seinen Spielern © imago images/Norbert Schmidt

THW Kiel in Magdeburg: Charaktertest nach dem Pokal-Desaster

Stand: 08.06.2021 11:51 Uhr

Dem THW Kiel droht nach dem Pokal-Aus eine Saison ohne wichtigen Titel. Heute (20.30 Uhr) steht für die "Zebras" in der Bundesliga die hohe Hürde beim SC Magdeburg an. Im Fernduell mit der SG Flensburg-Handewitt wäre eine Niederlage dort fatal.

von Christian Görtzen

Plötzlich sind sie da - Zweifel. Etwas, das irgendwie nicht recht zum deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel passen mag. Schließlich wird beim 1904 gegründeten Club seit vielen Jahren schon die norddeutsche Auslegung des bekannten "mia san mia" des Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München gelebt. Viel dezenter, nicht so protzig, aber extrem wirkungsvoll. In etwa wie folgt: Wir sind der THW, wir schauen nur auf uns, weil wir die Stärke haben, es zu richten - und am Ende holen wir die Titel.

Dieses Selbstverständnis ist auf der Zielgeraden einer enorm anstrengenden Saison aber offenbar ganz erheblich erschüttert worden. Durch nur ein einziges Spiel - das Halbfinale im DHB-Pokal gegen den krassen Außenseiter TBV Lemgo Lippe.

THW Kiel droht Saison ohne wichtigen Titel

Beim Final Four in Hamburg entglitt den "Zebras" ein schon sicher geglaubtes Spiel auf schwer erklärliche Weise, wurde eine Sieben-Tore-Führung zur Pause noch verspielt. Nun droht eine Saison ohne Gewinn eines wichtigen Titels (der Supercup fällt nicht in diese Kategorie). Erst recht gelte dies für den Fall, dass der Tabellenzweite Kiel im heutigen schweren Spiel beim Dritten SC Magdeburg nicht zumindest einen Punkt holt.

Dahmke: "Wir haben noch ein großes Ziel"

Auch in den Reihen der Kieler herrscht offenbar Unsicherheit darüber, ob diese kräftezehrende Saison am Ende auch eine erfolgreiche sein wird. "Wir haben noch ein großes Ziel, für das wir kämpfen", sagte Linksaußen Rune Dahmke. "Das wird nicht leichter nach der herben Enttäuschung, aber jetzt müssen wir Charakter beweisen."

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Auch Geschäftsführer Viktor Szilagyi räumte ein, dass das Team gegen Lemgo einen Wirkungstreffer kassiert hat. "Das Pokalspiel wird uns noch lange nachhängen", gab der Österreicher zu. Im nächsten Atemzug formulierte er jedoch einen Appell: "Aber die Mannschaft muss jetzt auf die Liga umschalten. Und in dieser sind wir nach wie vor auf dem richtigen Weg."

Flensburg darf sich keinen Patzer mehr erlauben

Grundsätzlich ist das absolut korrekt. Kiel hat weiterhin alles selbst in der Hand. Zwar belegt das Team von Trainer Filip Jicha mit 59:5 Punkten hinter der SG Flensburg-Handewitt (60:6) derzeit nur den zweiten Rang, doch der Spitzenreiter hat auch schon eine Partie mehr bestritten. Fünf Siege und ein Remis würden Kiel zum Titelgewinn reichen. Für den Fall der Punktgleichheit entscheidet der direkte Vergleich, und den hat der THW gewonnen.

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Tabelle der Handball-Bundesliga © picture-alliance / Sven Simon, NDR.de/Screenshot Foto: Anke Fleig / SVEN SIMON

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Das Restprogramm spricht für die Flensburger. Nach der Partie am Mittwochabend beim TVB Stuttgart empfangen sie die Füchse Berlin, und nach zwei weiteren Ausswärtspielen bei der HSG Nordhorn-Lingen und dem HC Erlangen ist am 38. Spieltag die HBW Balingen-Weilstetten zu Gast. Flensburg wird wohl alle Spiele gewinnen müssen, um noch eine Chance auf die Schale zu haben. Leicht ist das nicht, aber letztlich auch machbar.

"Zebras" in Magdeburg vor 1.500 SCM-Fans

Der THW Kiel spielt nach der Partie in Magdeburg noch gegen den TSV GWD Minden (A), Frisch Auf Göppingen (H), Eulen Ludwigshafen (A), Pokal-Gegner Lemgo (H) - und am Ende wartet das schwere Spiel bei den Rhein-Neckar Löwen. Vor allem die Klammer aus den Spielen gegen den SCM und den Löwen bereitet in Kiel Sorgen. Die schwerste Aufgabe ist aber wohl die heutige Partie in Sachsen-Anhalts Landeshaupstadt.

Dort warten die Kieler seit April 2015 auf einen Sieg. Erschwert wird die Herausforderung auch noch dadurch, dass der frisch gekürte European-League-Sieger vor 1.500 eigenen Fans spielen darf. "Der SCM wird beflügelt sein von der Rückkehr seiner Fans. Wir müssen und werden alles in dieses Spiel reinhauen, um die Punkte mit nach Hause zu nehmen", sagte THW-Spielmacher Domagoj Duvnjak.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 08.06.2021 | 23:03 Uhr

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