Stand: 13.03.2018 10:35 Uhr

THW Kiel: Die fetten Jahre sind vorbei

Der einstige Branchenprimus ist nur noch einer unter vielen: Zum ersten Mal wird Handball-Rekordmeister THW Kiel in der kommenden Saison nicht in der Champions League spielen. Vielleicht verpassen die "Zebras" sogar den EHF-Cup und sind dann international gar nicht vertreten. Die Jahre der THW-Dominanz sind unwiederbringlich vorbei, die Machtverhältnisse in der Handball-Bundesliga haben sich zu Ungunsten der Kieler verschoben.

Das "Sieger-Gen" ist verschwunden

Nach und nach hat der THW Topstars an die inzwischen zahlungskräftigere internationale Konkurrenz verloren. Trainer Alfred Gislason kann nicht mehr auf ein schier unerschöpfliches Reservoir an Spitzenspielern zurückgreifen, Verletzungen treffen sein Team inzwischen viel härter als in der Vergangenheit. Vor allem den Ausfall von Spielmacher Domagoj Duvnjak hat das Gislason-Team nicht verkraftet. Der THW hat zudem das viel beschworene "Sieger-Gen" eingebüßt und verliert inzwischen Spiele, die er vor wenigen Jahren nie und nimmer verloren hätte. "Diese Inkonstanz prägt schon die gesamte Saison", so Torwart Andreas Wolff.

Rund 1,2 Millionen Euro Einnahmen fehlen

Doch was bedeutet das Verpassen der Champions League für den THW? Noch im vergangenen Herbst hatte Geschäftsführer Thorsten Storm Einschnitte für diesen Fall angekündigt: "Man muss sich unter Umständen von dem einen oder anderen Spieler trennen. Wir brauchen die Champions League, um diesen Etat zu stemmen." Die Kieler haben den besten Zuschauerschnitt in der Königsklasse, rund 1,2 Millionen Euro Einnahmen dürften deshalb in der kommenden Saison fehlen. Zudem gestaltet sich die Sponsorensuche wohl um einiges schwieriger, seit Holstein Kiel in der zweiten Fußball-Bundesliga für Furore sorgt. Trotzdem sieht THW-Aufsichtsratschef Reinhard Ziegenbein die Situation nun optimistischer als Storm vor einem halben Jahr: "Wir müssen uns nicht die allergrößten Sorgen machen. Wir sind sicher, dass wir auch andere Einnahmemöglichkeiten generieren können. Deswegen werden wir uns von keinem Spieler trennen."

Wolff und Weinhold im Sommer weg?

Ob dies tatsächlich so sein wird, bleibt abzuwarten. Der bereits feststehende Wechsel von Wolff zum polnischen Club Kielce könnte statt 2019 bereits im Sommer über die Bühne gehen und so den "Zebras" noch eine Ablöse einbringen. Ohnehin wird die THW-Führung vor der Frage stehen, ob es nicht an der Zeit ist, die Mannschaft nach dem dritten Jahr in Folge ohne Meistertitel grundlegend zu überholen. Steffen Weinhold würde Gislason sicherlich gern in Kiel halten, der Nationalspieler hat jedoch eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag. Sollte Weinhold sie ziehen, würde eine echte Identifikationsfigur den THW verlassen. Ausgeschlossen ist dies nach der jüngsten Entwicklung nicht.

Dieses Thema im Programm:

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