VIDEO: THW-Geschäftsführer Szilágyi hält an sportlichen Zielen fest (5 Min)

THW-Geschäftsführer Szilágyi: "Wir können das durchziehen"

Stand: 11.02.2021 20:24 Uhr

Bis mindestens zum 19. Februar sind die Handballer des THW Kiel und Viktor Szilágyi in Quarantäne. Der Geschäftsführer will die Saison in Bundesliga und Champions League trotzdem normal zu Ende bringen. "Wir können das durchziehen" - hofft er.

von Andreas Bellinger

Dass ihn der Alltag schnell wieder einholen würde, das hatte Viktor Szilágyi schon vor Wochen, im Trubel des Champions-League-Siegs, geahnt. Doch so quälend hatte es sich der umtriebige Geschäftsführer des THW Kiel bestimmt nicht vorgestellt. "Vor allem mental ist es schon ziemlich schwer", sagt der 42-Jährige dem NDR. Wie alle Handballer des Rekordmeisters ist auch er nach einem neuerlichen Corona-Fall im Team in häuslicher Isolation, mindestens bis zum 19. Februar. Viel Zeit zum Grübeln.

Vierte Pflichtspiel-Absage hintereinander

Es ist ein ganzer Berg an Sorgen, die Szilágyi in der Corona-Pandemie durch den Tag begleiten. Wie geht es den Spielern? Sind noch mehr infiziert? Und wie kann es sportlich weitergehen, wenn nach der ursprünglich für Sonntag geplanten Partie beim TBV Lemgo nun auch das Spiel am Dienstag in der Champions League gegen Aalborg verlegt werden musste? Schon vergangenes Wochenende konnten die Kieler nicht zum Topspiel in Leipzig antreten und auch das Auswärtsspiel in der Champions League am Mittwoch in der Ukraine bei Motor Saporoschje musste verschoben werden.

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Domagoj Duvnjak (r.) und Niklas Landin vom THW Kiel © imago images / Claus Bergmann

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Saison mit aller Macht retten

"Dabei wollten wir nach der WM motiviert so richtig loslegen", sagt Szilágyi. Die Daheimgebliebenen hätten prächtig trainiert und nicht nur der dänische Weltmeister-Keeper Niklas Landin sei mit reichlich Erfolgserlebnissen aus Ägypten zurückgekommen. Doch nun steht alles still. Nur die Gedanken nicht. "Wir sind uns alle einig, dass es nur neue Probleme bringen würde, mitten in der Bundesliga-Saison den Modus zu ändern", sagt Szilágyi über derlei Denkansätze. Das heißt: Die Saison mit ihren 38 Spielrunden soll mit aller Macht gerettet werden. "Wir müssen noch flexibler sein, noch kreativer - es wird sicher eine Verdichtung des Spielplans auf uns alle zukommen", so der Kieler.

NBA-"Bubble" als Vorbild?

Die Clubs der Ersten und Zweiten Liga wollen weiterhin einen Saisonabbruch wie im vergangenen Jahr vermeiden und mit Hin- und Rückspielen die Saison beenden. Trotz Corona-Pandemie - und Vereinen wie der THW, die im Vergleich zu Lemgo beispielsweise inzwischen schon vier Spiele im Rückstand sind. Der letzte Spieltag soll wie geplant am 26./27. Juni 2021 über die Bühne gehen. Die Mehrheit der bisher verlegten 28 (!) Partien sei neu angesetzt oder schon nachgeholt, teilte der Verband mit. Weiteres Ungemach könnte allerdings folgen. "Dann aber", so Szilágyi, "könnte man nach dem Vorbild der NBA irgendwo ein Lager aufschlagen und mehrere Spiele hintereinander absolvieren." Grundsätzlich seien ja nicht die Spiele das größte Problem, sondern zum Beispiel die Reisen und die knappe Zeit, die zur Regeneration bleibt.

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Szilágyi: "Wird viel auf uns zukommen"

"Uns war vor der Saison klar, dass wir erhebliche Probleme bekommen werden", sagt Szilágyi. Als ein Szenario, das niemand will, drohe nach absolvierter Hinrunde wieder eine Quotientenregelung, um einen Endstand zu ermitteln. "Die Chancen stehen gut, das zu verhindern", meint der einstige österreichische Nationalspieler, "aber es wird viel auf uns zukommen."

Wie in der Champions League, die auf Gedeih und Verderb gleichfalls zu Ende gespielt werden soll - Absagen und strikten Einreisebestimmungen in vielen Ländern zum Trotz. "Für uns ist das Wichtigste, so schnell wie möglich wieder spielen zu können", sagt Szilágyi. Der Verzicht auf Zuschauer strapaziert die klammen Kassen schon genug.

"Überzeugt, dass wir das durchziehen können"

Aber wer denkt eigentlich an die Spieler? "Wir müssen den Kader bestmöglich nutzen", betont Szilágyi - wohlwissend, dass die Überbelastung schon ohne die Corona-Krise kaum mehr hinnehmbar war. "Wenn unsere Spieler gesund sind, bin ich überzeugt, dass wir das durchziehen können. Natürlich kann man auch zu dem Punkt kommen, dass gewisse Ausfälle vorkommen, die man nicht kompensieren kann." Zumal der THW alle Wettbewerbe ernst nehmen - und natürlich wieder das Final Four der Champions League erreichen will. "Ich hoffe, dass wir nie in die Situation kommen, einen Wettbewerb priorisieren zu müssen."

Neuer Modus für die Champions League

In der Champions League freilich ist die Terminnot nicht minder gravierend als in der Bundesliga. Und aufgrund der Reisebeschränkungen in Europa rechnet die Europäische Handball-Föderation (EHF) nicht damit, dass sich die Situation bessern wird.

Deshalb hat sie den Modus sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen geändert: Alle 16 Mannschaften kommen ins Achtelfinale, in dem das jeweils bestplatzierte Team der Gruppen auf den Achten trifft, der Zweite auf den Siebten, der Dritte auf den Sechsten und der Vierte auf den Fünften. Nach dem alten Modus wären der Erste und Zweite sportlich belohnt worden und direkt ins Viertelfinale eingezogen.

Viertelfinale und Final Four in Köln bleiben bestehen. Wer jedoch in der Gruppenphase bis zum 4. März (Deadline) nicht antreten kann - aus welchem Grund auch immer -, wird bestraft. "Nach dem Verursacherprinzip", so der Geschäftsführer der europäischen Vereinigung "Forum Club Handball", Gerd Butzeck, "bekommt der Verein, der nicht antritt, null Punkte und der Gegner zwei."

Das Maximale herausholen

"Das müssen wir natürlich akzeptieren", sagt Szilágyi, der wie sein Flensburger Kollege Dierk Schmäschke ("Wir möchten nicht, dass die Entscheidung am grünen Tisch gefällt wird") alles einvernehmlich mitgetragen hat. "Die Hoffnung ist immer noch da, dass wir die Gruppenspiele irgendwie terminiert bekommen und am Ende hoffentlich auf eine schwierige Saison zurückblicken können, aus der wir das Maximale herausgeholt haben", erklärt der Kieler Geschäftsführer, stutzt einen Moment und sagt: "Ziemlich viel Hoffnung - aber bleibt uns anderes übrig? Leider."

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Sportclub | 14.02.2021 | 22:50 Uhr

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