Stand: 22.04.2020 13:12 Uhr

THW Kiel: Gibt Schlimmeres als eine Couch-Meisterschaft

Die Kieler Pavel Horak (v.l.), Rune Dahmke, Hendrik Pekeler und Nikola Bilyk © picture alliance/dpa Foto: Frank Molter
Die Handballer des THW Kiel hätten ihren Titel lieber mit den Fans gefeiert.

Die Handball-Meisterschaft fühlt sich im Jahr 2020 ganz anders an als sonst. Nicht auf dem Platz, sondern per Messenger-Dienst "WhatsApp" erfuhren die Spieler des THW Kiel, dass sie den Titel geholt haben. Und gefeiert wird der erste Liga-Titel seit fünf Jahren auch nicht mit den Fans auf dem Rathausplatz - 2015 waren es rund 15.000. Eine teaminterne Video-Konferenz musste reichen. "Sowas erlebt man nicht alle Tage", sagte Kreisläufer Hendrik Pekeler NDR Info, und Linksaußen Rune Dahmke befand: "Das ist sicher nicht das, wofür man solange gearbeitet hat." Verzichten müssen die Kieler bis auf Weiteres auch auf die Schale. Dass später die Feier auf dem Rathausbalkon nachgeholt wird, kann sich Pekeler nicht vorstellen.

Jicha hofft auf einmalige Umstände

26 Spiele, 22 Siege und vier Minuspunkte weniger auf dem Konto als der ärgste Verfolger SG Flensburg-Handewitt hatte der Rekordmeister am Ende vorzuweisen.

Der große Rivale hatte sich den Titel in den beiden vergangenen Jahren gesichert. 2016 sowie 2017 war die Trophäe an die Rhein-Neckar Löwen nach Mannheim gegangen. Am Dienstag hatten sich nun die Clubs darauf geeinigt, die wegen der Corona-Pandemie unterbrochene Saison zu beenden und den souveränen Tabellenführer aus Kiel zum Meister zu erklären.

"Die Meisterschaft 2020 ist einmalig, und bleibt hoffentlich auch einmalig. Denn wir wurden nach 26 Spieltagen gestoppt, weil die ganze Welt eingebremst wurde", sagte Trainer Filip Jicha, der sich zugleich darüber freute, dass "meine Jungs die Anerkennung erhalten" für ihre starke Saison und "unglaublich harte Arbeit". Für Jicha ist es zugleich der erste große Titel als Chefcoach - und das in seiner Debütsaison.

"Alternative wäre deutlich negativer gewesen"

Die Meister-Videokonferenz am Dienstagnachmittag dauerte 30 Minuten. Es sei virtuell auch angestoßen worden, teilte der THW mit. Mit den Umständen der Meisterschaft gingen die Kieler dann auch pragmatisch um. "Der Gedanke, dass alternativ die ganze Arbeit komplett für die Katz' gewesen wäre, ist deutlich negativer, als Meister auf der Couch zu werden", stellte Dahmke fest. Der 27-Jährige hatte vor fünf Jahren seine erste Saison als vollwertiger Profi absolviert.

Feier mit Sektglas und Hein Daddel

"Auch unter diesen Umständen ist die erste deutsche Meisterschaft für mich etwas ganz, ganz Besonderes", meinte Dario Quenstedt. Der Torhüter hatte seinen Anteil am Titel und mauserte sich in Kiel wieder zum Nationalspieler. "Ich und unsere Mannschaft können stolz sein." Bei Instagram veröffentlichte der 30-Jährige ein Foto von sich im Garten, auf dem er in der einen Hand ein Sektglas und in der anderen Maskottchen Hein Daddel hält. Dazu schrieb Quenstedt an die Fans: "Deutscher Meister! #Prost".

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 21.04.2020 | 23:03 Uhr

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