Stand: 01.06.2014 19:41 Uhr  | Archiv

SG Flensburg-Handewitt: Europas Könige 2014

Holger Glandorf von der SG Flensburg-Handewitt © Witters
Leistungsträger bei der SG: Rückraum-Ass Holger Glandorf.

Auch ein zweifelhafter Ruf will hart erarbeitet werden. Vier Vizemeisterschaften in fünf Jahren sowie drei hauchdünn verpasste Titel innerhalb weniger Wochen im Jahr 2000 drückten den Bundesliga-Handballern der SG Flensburg-Handewitt den Stempel "ewiger Zweiter" auf. Doch da im Sport der zweite Sieger auch der erste Verlierer ist, kämpfte man an der Förde verzweifelt gegen den Ruf an - am 16. Mai 2004 folgte endlich die Befreiung: Ein 41:32-Heimsieg über die HSG Nordhorn ließ die Schale einmal nicht nach Kiel, sondern erstmals in der Bundesliga-Geschichte 86 Kilometer weiter nordwestlich an die deutsch-dänische Grenze wandern. Gut zehn Jahre später folgte die Krönung: Gegen den Erzrivalen aus Kiel sicherte sich die SG den Sieg in der Champions League 2014. Zuvor waren die Nordclub schon einmal im Finale aufeinandergetroffen. 2007 hatte jedoch der THW die Oberhand behalten.

Viele Skandinavier sorgen für Erfolg

Die Spieler der SG Flensburg-Handewitt jubeln. Flensburg-Handewitt ist am 13.04.2003 erstmals DHB-Pokalsieger. © dpa
Erster nationaler Titelgewinn für die Flensburger: Nach einem dramatischen 31:30 gegen TuSEM Essen feiern die Spieler den Pokalsieg 2003 mit einer Sektdusche.

Bereits seit den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gilt der Raum Flensburg als Handball-Hochburg. In der an Fusionen und Vereins-Zusammenschlüssen reichen Vergangenheit gab der TSB Flensburg 1980 ein kurzes Intermezzo in der Bundesliga, die SG Weiche-Handewitt entwickelte sich ab 1984 zu einer "Fahrstuhlmannschaft". 1990 schließlich schlossen sich der TSB Flensburg und der Handewitter SV zur SG Flensburg-Handewitt zusammen - eine Erfolgsgeschichte begann. Nach dem Bundesligaaufstieg 1992 vermied man zwar ein Jahr darauf nur wegen des Konkurses des TSV Milbertshofen den direkten Wiederabstieg, doch von der Saison 1993/1994 an bis zur Spielzeit 2008/2009 war die SG nie schlechter als Rang vier platziert.

Viele Stars aus Skandinavien - vor allem aus dem Nachbarland Dänemark - halfen im vergangenen Jahrzehnt mit, die Nordlichter zu einer der ersten Adressen im europäischen Handball werden zu lassen. Prominentester Akteur der Vereinsgeschichte ist Lars Christiansen, der von 1996 bis 2010 insgesamt 2.875 Bundesliga-Treffer für die SG erzielte. Die traditionell lautstarke Unterstützung der eigenen Fans ließ in der Wikinghalle, der Flensburger Fördehalle oder der jetzigen Spielstätte, der Campushalle, den Mythos der "Hölle Nord" entstehen. Nicht ohne Grund: Zwischen September 2003 und Dezember 2005 feierte die SG 39 Heimsiege in Folge. Das gelang unter der Regie von Trainer Kent-Harry Andersson. Die fünfjährige Erfolgsgeschichte des Schwedens an der SG-Seitenlinie ging im Dezember 2008 zu Ende. Nach einer schwachen ersten Saisonhälfte rangierten die Schleswig-Holsteiner lediglich auf dem fünften Tabellenrang, als Manager Fynn Holpert Andersson beurlaubte.

Posse um Coach Carlén

Per Carlen, Ex-Trainer der SG Flensburg-Handewitt © picture-alliance
Per Carlén stand knapp zwei Jahre bei der SG als Coach an der Seitenlinie.

Der bisherige Co-Trainer, Per Carlén, übernahm das Amt als Chefcoach. Am Ende der Serie standen die Flensburger trotzdem nicht besser da, qualifizierten sich nach dem zwischenzeitlichen Abrutschen auf Rang acht als Fünfter aber immerhin noch für den EHF-Cup. In der darauffolgenden Saison kletterte das Team in der Liga weiter nach oben auf Rang drei - und qualifizierte sich somit einmal mehr für die Königsklasse. Trotzdem endete Carléns Amtzeit im November 2010. Der Schwede schwieg monatelang eisern zu Spekulationen, er habe bereits für 2011 einen Vertrag beim HSV unterschrieben. Am 11. November informierte er die SG-Führung, dass er seinen am Saisonende auslaufenden Kontrakt in Flensburg nicht verlängern werde.

Ex-Spieler Vranjes übernimmt den Trainerposten

Der Club trennte sich daraufhin von seinem Coach und beförderte Sportdirektor Ljubomir Vranjes zum Trainer. Und der Schwede gewann im Mai 2012 seinen ersten Titel: Die SG schlug im Finale um den Europacup der Pokalsieger den VfL Gummersbach.

Weitere Informationen
Ljubomir Vranjes © Jan Kirschner Foto: Jan Kirschner

Coach und Fotograf: Vranjes' Lieblingsfotos

Im Hauptberuf ist Ljubomir Vranjes Handballtrainer bei der SG Flensburg-Handewitt. Der Schwede ist aber auch ein ausgezeichneter Fotograf. Hier eine Auswahl seiner Lieblingsbilder. Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 01.06.2014 | 22:40 Uhr

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