Stand: 11.02.2019 13:34 Uhr

Nordhorn, Lübeck, HSV: Ein Trio will zurück nach oben

von Christian Görtzen, NDR.de
Patrick Miedema von der HSG Nordhorn-Lingen setzt sich im Spiel beim HSV Hamburg gegen Georg Boehle (l.) und Leif Tissier durch.

Die Trophäensammlung der norddeutschen Handball-Zweitligisten HSV Hamburg, HSG Nordhorn-Lingen und VfL Lübeck-Schwartau kann sich sehen lassen: Champions League, Europapokal der Pokalsieger, EHF-Cup, deutscher Meister, DHB-Pokalsieger und DHB-Supercup. Alle drei Clubs erlebten aber auch den wirtschaftlichen Zusammenbruch und die Mühsal nach dem Neustart. Trotzdem halten sie an ihrem Ziel fest: Sie wollen zurück nach oben, in die Bundesliga.

HSG Nordhorn-Lingen wittert die Chance

Verrückt waren sie in der Grafschaft Bentheim, verrückt nach Handball. Zur Jahrtausendwende war die HSG Nordhorn im Landkreis an der deutsch-niederländischen Grenze in aller Munde. Aber was war das auch damals für eine Geschichte? Vizemeister 2002 - dieses packende Titelrennen mit dem THW Kiel, der nur wegen eines mehr errungenen Punktes Meister wurde. Großartige Spieler im HSG-Trikot, wie Tobias Karlsson, Holger Glandorf, Maik Machulla  (inzwischen alle SG Flensburg-Handewitt), Peter Gentzel, Jan Filip, Torsten Jansen (Trainer HSV Hamburg), Ljubomir Vranjes oder Steffen Weinhold (THW Kiel). Nicht zu vergessen der Triumph im EHF-Cup 2008.

HSG-Geschäftsführer Blömers: "Situation hervorragend"

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Hamburg Journal

Handball: HSV verliert gegen Nordhorn-Lingen

11.11.2018 19:30 Uhr
Hamburg Journal

Kurzzeitig sah es so aus, als könnten die Handballer des HSV erneut einen Rückstand in einen Sieg verwandeln. Am Ende verloren sie aber mit 26:30 gegen die HSG Nordhorn-Lingen. Video (02:18 min)

Schließlich, nur ein Jahr später, der Absturz. Insolvenz, Zwangsabstieg, seitdem Zweite Liga. Und auch Tristesse? "Nein, nein", wiegelt Geschäftsführer Gerhard Blömers ab. "Wir haben uns immer in der oberen Tabellenhälfte platziert. Und jetzt ist die sportliche Situation hervorragend. Sie bietet uns alle Möglichkeiten. Wir schielen nach oben.“ Dritter ist das Team von Trainer Heiner Bültmann. Auch nach dem 28:25 in Hüttenberg am Sonnabend beträgt in der Tabelle der Rückstand auf den Zweiten HSC 2000 Coburg drei Punkte. Bis 2020 wollen die Niedersachsen zurück sein in der Bundesliga - und wenn sich die Chance bietet, gerne auch ein Jahr vor dem Zeitplan.

Geldknappheit im Frühjahr 2017

Wirtschaftlich lief es nicht immer so gut. Im Frühjahr 2017 geriet die HSG Nordhorn-Lingen in arge Turbulenzen. Dem Verein fehlten 160.000 Euro. Sponsoren halfen, die Summe wurde eingesammelt. "Es war eine relativ schwierige Situation, die gemeinsam gemeistert wurde. Jetzt sind wir davon weit entfernt und gehen weiter nach vorne", sagt Blömers. In der Grafschaft Bentheim träumen sie wieder von Bundesliga-Duellen mit Flensburg-Handewitt und Kiel.

VfL Lübeck-Schwartau: Aufstieg bis 2020

An der Trave packten sie indes für den angestrebten Aufschwung den Tiger ins Wappen. Ein Tierpark wurde als Unterstützer gewonnen und die Stoffvariante der Raubkatze mal eben als Maskottchen adoptiert. Unproblematisch sei das gewesen, die Fans hätten "Toby Tiger" gut angenommen, sagt Michael Friedrichs, Geschäftsführer des VfL Lübeck-Schwartau. Damit erging es ihm offenbar weitaus besser als einst "Wumbo" beim damaligen Fußball-Bundesligisten FC St. Pauli. Die angedachte "Adoption" des Maskottchens eines Freizeitparks wurde damals nach Bierduschen für den bedauernswerten "Wumbo" flugs als einmaliges Experiment verbucht.

Friedrichs: "Früher verbrannte Erde, jetzt tolle Pflanzen"

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Lübecks Pawel Genda (M.) beim Torwurf, die Hamburger Finn Wullenweber (l.) und Lukas Ossenkopp versuchen zu stören

Beim VfL Lübeck-Schwartau heißt der passende Slogan "Leidenschaftiger". Ob gewollt oder nicht - es lässt sich diesem neben der "Leidenschaft" und dem "Tiger" auch die "Leiden" entnehmen. Und davon gab es beim traditionsreichen Handballverein, der am 1. Juli 2017 aus Vermarktungsgründen von VfL Bad Schwartau in VfL Lübeck-Schwartau umbenannt wurde, einige. Da der DHB-Pokalsieger von 2001 nur ein Jahr später de facto pleite war, zog das Bundesligateam 2002 nach Hamburg um.

In Bad Schwartau gab es danach zuerst nur Drittliga-Handball zu sehen. Viele Fans waren tief enttäuscht. "Man musste sich das Vertrauen erst wieder mühsam erarbeiten", sagt Friedrichs. Dies sei gelungen. "Wir haben viele Sponsoren gewonnen und können einen Zuschauerschnitt von 1.930 vorweisen. Wo vorher verbrannte Erde war, blühen jetzt ganz tolle Pflanzen. Es ist sogar schon eine schöne Wiese."

Przybecki im Sommer neuer Coach in Bad Schwartau

Dass in Bad Schwartau schon in diesem Sommer eine Aufstiegsfeier stattfinden könnte, ist angesichts von zehn Punkten Rückstand auf Rang zwei unwahrscheinlich. Es wird knapp mit der Einhaltung des Zeitplans, bis spätestens 2020 die Rückkehr in die Bundesliga zu schaffen. Die Hoffnungen liegen auf Piotr Przybecki, Ex-Profi beim THW Kiel und der HSG Nordhorn. Der polnische Nationalcoach übernimmt im Sommer das Team von Torge Greve. Friedrichs: "Dass ein solcher Trainer sich für uns entschieden hat, dass er in die Zweite Liga geht, zeigt, dass unser Verein mit Sicherheit einen Namen hat."

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Beim Zweitligisten mit den größten Erfolgen, dem HSV Hamburg, wären sie schon heilfroh, wenn sie nach dieser und der kommenden Saison im Tabellenmittelfeld landeten. Zurzeit schwebt der HSV, der einst dank vieler Millionen Euro von Mäzen Andreas Rudolph Trophäen (Champions League, Meisterschaft, Europapokal der Pokalsieger, DHB-Pokal und Supercup) einsammelte, in großer Abstiegsgefahr. In der Tabelle stehen die Hamburger mit ihren 16:26 Punkten nur dank der besseren Tordifferenz auf Rang 15 und damit über dem Strich. "Uns war von Anfang an klar, dass es schwer werden würde. Durch die Zahl von fünf Absteigern gibt es in dieser Saison eine besondere Härte", sagt Geschäftsführer Stephan Frecke.

Stattliches Defizit beim HSV

Allen Erfolgen in der Akquise von Sponsoren zum Trotz sind die Hanseaten noch ein gutes Stück davon entfernt, dass die wirtschaftliche Basis für die Bundesliga reichen könnte. "Wir haben noch mit Altlasten zu kämpfen", räumt Frecke ein. Den Neustart in Liga drei nach dem Ausstieg von Rudolph und der Insolvenz schloss der Verein mit einem Minus von 628.000 Euro ab, das durch private Darlehen ausgeglichen wurde. Nach dem Geschäftsjahr 2017/2018 dürfte sich das Defizit auf dann rund eine Million Euro erhöht haben. Erst für die aktuelle Spielzeit rechnet der Verein mit einer schwarzen Null.

"Zitterpartie" jetzt, "Elbdome" als Perspektive

Der HSV denkt aber positiv, erkennt Perspektiven - wie sie sich etwa durch ein Bauprojekt in der Hafencity ergeben könnten. Ein Investor plant dort den "Elbdome", eine 50 Millionen Euro teure Mehrzweckarena, in der Basketball-Zweitligist Hamburg Towers und die HSV-Handballer spielen könnten. Das Fassungsvermögen von etwa 8.000 Plätzen wird als ideal bewertet. Erst einmal gelte es aber, den Klassenerhalt zu bewerkstelligen, mahnt Frecke an. Es könnte zu einer Zitterpartie werden, gibt er zu. Bleibt nur die Frage, wie es mit dem Club im Falle eines Abstieges weiterginge. Frecke: "Es würde sicherlich im Verein einige Veränderungen geben, doch bedrohlich wäre es für ihn nicht. Es würde nicht das Ende bedeuten."

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 10.02.2019 | 19:30 Uhr

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