Kiels Torwart Niklas Landin © imago/Eibner

Landin zur Terminnot im Handball: "Wie wollen wir das schaffen?"

Stand: 08.02.2021 10:20 Uhr

Schon zum zweiten Mal befindet sich der deutsche Handball-Meister THW Kiel in dieser Saison in Corona-Quarantäne. Die Terminhatz in der Bundesliga wird immer schwieriger. Weltmeister Niklas Landin hofft, dass die Saison nicht erneut abgebrochen werden muss.

"Wie wir das die ganze restliche Saison schaffen wollen, ist fraglich. Das wird stressiger und stressiger mit unserer Terminplanung", sagte der dänische Torwart des deutschen Rekordmeisters im NDR. "Ich hoffe, dass wir nicht wieder die Saison abbrechen müssen. Das kann schlimmstenfalls das Thema sein."

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Handball-Weltmeister Niklas Landin vom THW Kiel © IMAGO / Bildbyran

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Der aktuelle Welthandballer ist nach einem positiven Corona-Test eines Mitspielers derzeit mit seinen THW-Teamkollegen in Quarantäne. Das für Sonntag angesetzte Spiel gegen den SC DHfK Leipzig musste abgesagt werden. Auch zur Champions-League-Partie gegen Saporoschje am Mittwoch in der Ukraine werden die "Zebras" nicht reisen.

Auch Bohmann sieht Saison in Gefahr

Als die nächste Corona-bedingte Spielabsage eintrudelte, läuteten in der Ligazentrale in Köln die Alarmglocken. "Es ist blöd, wenn ein Spiel Kiel gegen Leipzig ausfällt", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. Er sieht ebenfalls das "Risiko, dass wir die Saison mit 38 Spielen für jede Mannschaft nicht komplett zu Ende spielen können".

Beim Blick auf das gegenwärtige Bundesliga-Tableau zeigt sich der Ernst der Lage: Nach bislang 22 Spielabsagen ergibt die Tabelle ein äußerst schiefes Bild. Während einige der 20 Teams mit 16 Partien noch einigermaßen im Soll sind, hat die MT Melsungen am 17. Spieltag gerade einmal zehn Begegnungen absolviert. Auch der THW Kiel, der den positiv getesteten Spieler namentlich nicht nannte, hinkt mit gerade einmal zwölf gespielten Partien weit zurück. Dass die Saison wie geplant zu Ende gebracht werden kann, wird angesichts der Terminhatz immer unwahrscheinlicher.

"Die Terminplanung wird immer stressiger. Ich hoffe, dass wir nicht wieder die Saison abbrechen müssen. Das kann schlimmstenfalls das Thema sein." THW-Torwart Niklas Landin

Videoschalte am Mittwoch: Wird die Liga aufgeteilt?

Und so befasst sich die Liga längst mit Alternativszenarien. Ligachef Bohmann favorisiert weiterhin das sogenannte "Round-Robin": ein Verfahren, das im aktuellen Modus weitermacht und Warteschlangen systematisch abarbeitet. Offenbar steht aber auch eine Variante zur Diskussion, nach der die Liga aufgeteilt wird in eine obere und eine untere Hälfte, um dann in einer einfachen Runde Meister, Europacupplätze und Absteiger auszuspielen. Die Frage, wie es weitergeht, wollen die Clubs in einer Videoschalte am Mittwoch debattieren.

Re-Start mit nur vier Bundesliga-Partien

Eigentlich wollte die Bundesliga nach der WM-Pause mit einem kompletten Spieltag wieder durchstarten. Nach sechs Absagen blieb ein Rumpfprogramm von vier Partien übrig. Denn schon vor dem Ausfall des Kieler Spiels waren fünf Begegnungen auf Antrag der Vereine verlegt worden, weil diese mindestens einen Spieler im WM-Halbfinale vor gut einer Woche dabei hatten.

Diese Ausnahmeregelung hatte die HBL im Sinne einer ausreichenden Regenerationszeit beschlossen. Betroffen hiervon war unter anderem auch die Partie der SG Flensburg-Handewitt gegen Magdeburg. Für die SG stehen in der Liga noch acht Neuansetzungen aus.

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Niclas Ekberg, Domagoj Duvnjak, Hendrik Pekeler, Sander Sagosen und Rune Dahmke (v.l.) vom THW Kiel im Champions-League-Halbfinale gegen Veszprem in der Deckung © picture alliance/dpa Foto:  Marius Becker

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Ein weiteres Problem: Auch international - neben Kiel und Flensburg in der Champions League sind die Rhein-Neckar Löwen, Füchse Berlin und der SC Magdeburg in der European League dabei - müssen noch etliche Partien absolviert werden. Zum nächsten Gruppenspiel in der Königsklasse am Mittwoch beim HC Motor Saporoschje in der Ukraine wird der THW nun auch nicht reisen können.

Bohmann: Können weitere Infektionen nicht ausschließen

Momentan, so Bohmann, baue man auf "das Szenario, dass wir soweit spielen, wie wir kommen, und dann quotal werten. Das erscheint mir derzeit immer noch die beste Lösung, die 38 Spiele anzustreben." Doch viele Unwägbarkeiten begleiten dieses Vorhaben. "Auch wenn wir halbwegs ungeschoren von der WM zurückgekommen sind und Corona-bedingt wie verletzungsmäßig nur einige Ausfälle zu beklagen haben, können wir natürlich nicht ausschließen, dass wir weiterhin mit Infektionen zu leben haben", erklärte Bohmann.

Machulla: "Spielplan ist sehr Spieler-unfreundlich"

Flensburgs Trainer Maik Machulla hatte bereits nach den Positiv-Fällen von SG-Profi Johannes Golla und Hannovers Filip Kuzmanovski vor einem "blauen Wunder" gewarnt und klagte: "Der Spielplan ist sehr Spieler-unfreundlich. Es wird immer schlimmer. Aber wir müssen die Dinge so akzeptieren." Bohmann übt sich in Optimismus: Noch hält er ein reguläres Saisonende bis Ende Juni für machbar. "Es dürfen tatsächlich nur nicht mehr allzu viele Spielausfälle dazukommen."

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