Stand: 12.05.2019 17:15 Uhr

Kieler "Zebras" ringen Flensburg-Handewitt nieder

von Christian Görtzen, NDR.de

Sie wollten nicht mehr abwarten. Die Schlusssirene in der ausverkauften Arena ging im Jubel-Orkan der Fans des THW Kiel unter. Etwas mehr als 10.000 Zuschauer schrien, juchzten und sangen ihre Freude heraus. Nur oben, unter dem Dach, gab es einen Bereich mit gut 250 Zuschauern, wo tiefe Enttäuschung herrschte. Die mitgereisten Fans des amtierenden Meisters SG Flensburg-Handewitt wussten es genauso wie alle anderen im weiten Oval: Seit Sonntag um 16:03 Uhr ist der Kampf um die deutsche Handball-Meisterschaft wieder richtig spannend. Der Rekordmeister THW Kiel hat im 99. Landesderby den Nachbarn von der deutsch-dänischen Grenze mit 20:18 (11:11) niedergerungen.

Nach dem 30. Spieltag sieht die Tabelle nun so aus, dass die Mannschaft von THW-Coach Alfred Gislason mit ihren 56:6 Punkten nah dran ist am Spitzenreiter Flensburg (56:4), dessen Restprogramm mit Spielen gegen Melsungen (H), Stuttgart (A), Füchse Berlin (H) und beim Bergischen HC (A) nicht so einfach ist. "Falls Flensburg irgendwo scheitern sollten, werden wir da sein", sagte THW-Kreisläufer Patrick Wiencek dem NDR. SG-Trainer Maik Machulla räumte im Gespräch mit dem NDR ein: "Die Enttäuschung ist richtig, richtig groß, denn wir haben in vielen Bereichen heute viele Sachen gut gemacht."

SG-Kapitän Karlsson scheidet früh verletzt aus

TVB Stuttgart - SG Flensburg-Handewitt 20:30 (9:14)

Tore Stuttgart: Schagen 8/8, Pfattheicher 3, D. Schmidt 3, M. Häfner 2, Baumgarten 1, Röthlisberger 1, Schimmelbauer 1, Weiß 1
Tore Flensburg-Handewitt: Lauge 7, Johannessen 6, Wanne 6/4, Röd 5, Gottfridsson 2, Hald 2, Golla 1, Svan 1
Zuschauer: 5.959
Strafminuten: 2 / 4

Vor dem Beginn des brisanten Derbys gab es zunächst einmal einen schönen Moment der Wertschätzung und Fairness: SG-Kapitän Tobias Karlsson, der im Sommer seine Karriere beendet, wurde vom THW Kiel mit einem Präsent verabschiedet. Von den Rängen gab es viel Applaus für den 37 Jahre alten Schweden. In der Anfangsphase der Partie hatten die THW-Fans dann allen Grund dazu, ihr Team zu feiern. Aufbauend auf eine gute 6-0-Deckung und starken Paraden des dänischen Nationaltorhüters Niklas Landin setzten sich die "Zebras" auf 5:2 (10.) ab. Doch die SG kam im Stile eines Meisters zurück: Rasmus Lauge setzte mit präzisen Pässen seine Mitspieler in Szene - und die trafen dann. Holger Glandorf sorgte mit einem Knickwurf für das 6:5, die erste Führung der Gäste (16.).

Wenig später bahnte sich eine erhebliche personelle Schwächung für die Flensburger an: Karlsson trottete Richtung Kabine, wo er sich am Rücken behandeln ließ. Auf dem Spielfeld ging es mit enormer Intensität weiter. Die beiden Teams schenkten sich nichts. Zur Pause hieß es 11:11. Für die Gäste war mehr drin. Gleich zweimal warf der ansonsten gute SG-Torhüter Benjamin Buric bei Tempo-Gegenstößen den Ball zu weit und nicht in den Lauf des nach vorne sprintenden Linksaußens Hampus Wanne.

Duvnjak entscheidet die Partie

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Zu Beginn der zweiten Halbzeit stand fest, dass Karlsson das Spiel nicht mehr würde fortsetzen können. Beim Stand von 15:13 (40.) hatte der THW die große Chance, sich per Siebenmeter etwas abzusetzen. Doch Rechtsaußen Niclas Ekberg scheiterte ein weiteres Mal von der Linie an Buric. Mit einem 17:16 ging es in die Crunchtime. Domagoj Duvnjak bezwang Buric mit einem Stemmwurf - 18:16 (51.). Wenig später schoss der Kroate dem Flensburger Simon Hald den Ball an die Schläfe. Der Kieler Spielmacher, der einen Ruf als fairer Profi hat, erhielt dafür nicht einmal eine Zwei-Minuten-Strafe. Er hatte großes Glück, denn für solche Aktionen hat es auch schon Rote Karten gegeben.

Drei Minuten vor dem Ende der Partie entschieden die Gastgeber dann die Partie zu ihren Gunsten. Miha Zarabec traf zum 19:17, danach war Landin zur Stelle, und schließlich erhöhte Duvnjak mit seinem fünften Treffer auf 20:17. Flensburg kam noch auf 18:20 heran und hatte kurz darauf Ballbesitz. Lasse Svan, mit fünf Toren erfolgreichster SG-Spieler, setzte seinen Wurf zum Flügelwechsel auf Wanne zu hoch an - das war's. Wenig später begann die Siegesfeier der THW-Spieler und ihrer Fans.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 12.05.2019 | 22:30 Uhr

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