Die Spieler des THW Kiel bejubeln den 22. Meistertitel. © IMAGO / foto2press

Herzschlag-Finale: THW Kiel ist Handball-Meister

Stand: 27.06.2021 17:58 Uhr

Der THW Kiel hat am Sonntag das dramatische Saisonfinale in der Handball-Bundesliga für sich entschieden. Das 25:25 bei den Rhein-Neckar Löwen reichte den "Zebras" zum Meistertitel, der 38:26-Kantersieg gegen Balingen war für Flensburg wertlos.

von Johannes Freytag

Am Ende einer Mammutsaison von 38 Spieltagen hing der 22. Meistertitel für den THW letztlich an einem einzigen Wurf. Andy Schmid brachte diesen Wurf der RN Löwen unmittelbar vor der Schlusssirene jedoch nicht im Kieler Tor unter, sodass es beim 25:25 (13:12) blieb. Die "Zebras" verteidigten damit die Tabellenführung vor den punktgleichen Flensburgern, die aber den Direktvergleich gegen den Landesrivalen verloren hatten.

Kiels Duvnjak: "Schwerste Saison meiner Karriere"

"Liebe Flensburger, ihr habt gesehen, wir haben alles reingehauen", drückte Löwen-Trainer Martin Schwalb, der nun als Sportchef und Vize-Präsident zum Bundesliga-Aufsteiger HSV Hamburg zurückkehrt, sein Bedauern gegenüber dem Kieler Rivalen aus. THW-Kapitän Domagoj Duvnjak sprach von der "schwersten Saison" seiner Karriere. Und der 33 Jahre alte Kroate ist immerhin seit 2006 Handball-Profi. "Ich bin völlig aufgedreht und sehr stolz auf die Jungs. In meinen Augen haben wir das sowas von verdient. Wir sind alles andere als ein Zufallsmeister", bejubelte Filip Jicha mit feuchten Augen seinen zweiten Meistertitel als Trainer mit dem THW. Kiels Patrick Wiencek waren die Anspannung und Erleichterung anzusehen: "Dramatischer hätte es kaum sein können", erklärte der Kreisläufer dem NDR.

SG-Coach Machulla: "Wir können stolz sein"

Ganz anders die Stimmung bei den Flensburgern. "Wir stehen nach einer tollen Saison mit leeren Händen da. Das tut weh", erklärte ein sichtlich enttäuschter Spielmacher Jim Gottfridsson.

"Was Moral, Mentalität und Leidenschaft betrifft, werde ich wohl nie wieder so eine Mannschaft trainieren können wie Flensburg." SG-Coach Maik Machulla

"Normalerweise ist das völlig unmöglich, dass wir bis fünf Sekunden vor dem Ende die Möglichkeit haben, deutscher Meister zu werden, bei allen Problemen, die wir in dieser Saison hatten", resümierte Flensburgs Coach Maik Machulla im NDR mit Verweis auf die vielen Verletzten, die Corona-Quarantänen, die Spielausfälle, die fehlenden Zuschauer und die enge Taktung der Partien in der Schlussphase: "Diese Vize-Meisterschaft hat einen unglaublich hohen Stellenwert. Es ist eine außergewöhnlich gute Saison, auf die wir sehr stolz sein können."

THW in Mannheim stark gefordert

Die Kieler legten in Mannheim einen holprigen Start hin. Nach sechs Minuten hatten sie gerade mal einen Treffer erzielt. Doch die "Zebras" fingen sich: Vor allem dank der Paraden von Niklas Landin drehten sie auf und lagen nach elf Minuten erstmals in Front (4:3). Eine Zeitstrafe von Jannik Kohlbacher nutzten sie sogar zur ersten Zwei-Tore-Führung (12./5:3).

Doch die RN Löwen erwiesen sich als der befürchtete zähe Gegner. Einen 4:0-Lauf schloss Lukas Nilsson mit der 10:8-Führung für die Mannheimer ab (22.). Auch in der Folgezeit blieb es eine enge, umkämpfte Partie. Beide Mannschaften leisteten sich viele Fehler: So brachte der THW drei Siebenmeter nicht im Tor unter. Dennoch reichte es zur knappen Pausenführung, die Miha Zarabec kurz vor der Pause erzielte (13:12).

Kiel gibt Drei-Tore-Führung her

Kurz nach Wiederbeginn erhöhten Sander Sagosen und Steffen Weinhold auf 15:12 (33.) - die erste Drei-Tore-Führung für die Gäste. Die "Zebras" agierten nun hochkonzentriert, mussten zwar die Löwen kurz herankommen lassen (16:15/36.), Domagoj Duvnjak stellte jedoch den alten Abstand wieder her (20:17/42.). In dieser Phase glänzte erneut THW-Keeper Landin mit zahlreichen starken Paraden.

Löwen-Trainer Schwalb nahm noch einmal eine Auszeit. Die Gastgeber kamen wieder heran (19:20/49.) und bei den "Zebras" begann das Nervenflattern. Sagosen verwarf einen Siebenmeter, auf der Gegenseite glich Uwe Gensheimer erst zum 20:20 aus und Niclas Kirkelokke brachte die Gastgeber erstmals im zweiten Durchgang in Führung (22:21/53.). Das Kieler Zittern im 59. Pflichstpiel hielt bis in die Schlusssekunden an.

SG mit Torrekord zur Pause

Die SG legte in ihrem Heimspiel gut los, lag schnell mit zwei Toren vorne (2.) und baute die Führung kontinuierlich aus. Nach nicht einmal 13 Minuten hatte Johannes Golla bereits das 13:7 für die Flensburger erzielt. Die Gastgeber ließen keinen Zweifel daran, wer diese Partie als Sieger verlassen würde. Balingen, das erst vier Tagen mit einem 30:26 gegen die TSV Hannover-Burgdorf den Klassenerhalt sichergestellt hatte, war völlig überfordert.

Angefeuert von den 2.000 Zuschauern in der Halle - darunter auch Grünen-Co-Chef Robert Habeck im SG-Trikot - zeigte die Mannschaft von Trainer Maik Machulla ein nahezu perfektes Spiel. Die Defensive stand sicher, offensiv trafen die Hausherren nach Belieben. Mit ihren 24 Toren zur Pause stellten die Flensburger einen Liga-Saisonbestwert auf.

Schongang auf dem Parkett, Bangen auf den Rängen

Im zweiten Durchgang ließ es die SG ruhiger angehen. Längst war klar, dass es nur noch vom Parallel-Spiel in Mannheim abhängen würde, ob Flensburg noch Meister würde oder nicht. Vor allem Hampus Wanne und Lasse Svan zeigten sich in Wurflaune - nach 44 Minuten betrug der Vorsprung immer noch zwölf Tore (31:19), ebenso nach 54 Minuten (35:23). Auf den Rängen gingen die Blicke immer mehr auf die Handys, die Schlusssirene interessierte kaum - als das Endergebnis aus Mannheim feststand, gab es Applaus für die enttäuschten SG-Profis.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 27.06.2021 | 23:03 Uhr

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