THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi gestikuliert am Spielfeldrand. © imago images / wolf-sportfoto

Szilagyi über Wolff-Kritik: Zeitpunkt völlig unpassend

Stand: 11.01.2021 12:51 Uhr

Viktor Szylagyi hat kurz vor der Handball-WM Inhalt und Form der Kollegenschelte von Torhüter Andreas Wolff kritisiert. Der Geschäftsführer des THW Kiel hofft, dass in Ägypten "alles gut geht".

Am Mittwoch beginnt die Handball-Weltmeisterschaft in Ägypten - mit sechs Spielern vom THW Kiel, aber auch ohne fünf Akteure des Champions-League-Siegers. Weil Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und Steffen Weinhold ihre Absagen mit familiären Verpflichtungen in der Corona-Pandemie begründet haben, fühlte sich Torwart Andreas Wolff als Chefkritiker auf den Plan gerufen. THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi wies Wolffs Breitseite gegen seine ehemaligen Teamkollegen erneut zurück: "Ich kann es inhaltlich nicht nachvollziehen, was er gesagt hat. Noch dazu ist der Zeitpunkt völlig unpassend", sagte Szilagyi im NDR. "Ich war mit allen unseren Nationalspielern seit Wochen darüber im Austausch."

Als Geschäftsführer des Clubs habe er versucht, "wertfrei" über das Turnier zu sprechen und die Spieler fortlaufend über "unglaublich viele Fragen" zum Hygienekonzept zu informieren. "Ich habe den Spielern auch geraten, sehr früh schon mit ihren Verbänden Kontakt aufzunehmen und sich mit der kompletten Situation zu beschäftigen." Bei einem Familienvater sei die persönliche Situation nun mal anders als bei einem Single, sagte Szilagyi: "Deshalb stört mich das auch an der Kritik von Andi Wolff, dass er das einfach so pauschal sagt." Es handele sich um drei Spieler, mit denen er jahrelang zusammengespielt habe (Wolff war von 2016 bis 2019 für den THW aktiv). "Da wäre der einfachere und der bessere Weg gewesen, den direkten Austausch zu suchen und sich dann erst seine Meinung zu bilden."

Von Gislason zurückgepfiffen?

Wolff, Nationaltorwart und Keeper des polnischen Spitzenclubs Vive Kielce, bemühte sich, wohl auch weil Bundestrainer Alfred Gislason einigermaßen verschnupft auf seine Aussagen reagiert hatte, nach der WM-Generalprobe gegen Österreich (34:20) am Sonntag um Schadensbegrenzung. "Absagen sind kein Thema bei der Weltmeisterschaft, wir müssen nach vorne schauen. Es war kein Thema und wird auch keines sein", sagte der 29-Jährige.

Wolff: "Familienväter aus anderen Ländern nehmen auch teil"

Jedoch hatte er das Thema selber aufgemacht. Zunächst wurde er in einem Podcast der Rhein-Neckar Löwen zitiert. Einen Tag nach dem Länderspiel gegen Österreich erschien ein "Kicker"-Interview, das schon vor einigen Tagen geführt worden war, das sich nun aber wie ein Nachkarten von Wolff liest: "Der Deutsche Handballbund hat immer gesagt, dass man die Entscheidungen akzeptiert, und so handhabe ich es auch. Ich habe mir nie Gedanken über eine Absage gemacht", sagte er. "Aber wenn man sieht, dass andere Nationen mit voller Kapelle anreisen und keine derartigen Absagen haben, könnte man etwas sarkastisch schon behaupten, dass andere Spieler wohl besser in der Lage sind, ihre kurzzeitige Abwesenheit zu organisieren."

Wolff räumte zwar ein, dass er kein Familienvater sei und sich in diese Rolle auch nicht hineinversetzen könne: "Aber Familienväter aus anderen Ländern nehmen auch teil." Wiencek, Pekeler und Weinhold hatten in der vergangenen Woche mitteilen lassen, dass sie sich zu dem Thema nicht mehr äußern wollen.

Der deutsche WM-Kader

Tor: Andreas Wolff (KS Vive Kielce/Polen), Johannes Bitter (TVB Stuttgart), Silvio Heinevetter (MT Melsungen)
Linksaußen: Uwe Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen), Marcel Schiller (Frisch Auf Göppingen)
Rückraum links: Julius Kühn (MT Melsungen), Christian Dissinger (RK Vardar Skopje/Nordmazedonien), Paul Drux (Füchse Berlin), Fabian Böhm (TSV Hannover-Burgdorf)
Rückraum Mitte: Philipp Weber (SC DHfK Leipzig), Juri Knorr (GWD Minden), Marian Michalczik (Füchse Berlin)
Rückraum rechts: Kai Häfner (MT Melsungen), David Schmidt (Bergischer HC), Antonio Metzner (HC Erlangen)
Rechtsaußen: Tobias Reichmann (MT Melsungen), Timo Kastening (MT Melsungen)
Kreis: Johannes Golla (SG Flensburg-Handewitt), Sebastian Firnhaber (HC Erlangen), Moritz Preuss (SC Magdeburg)

Szilagyi: "Hoffen, dass alles gut geht"

Um das Turnier vom 13. bis 31. Januar in Ägypten gibt es viele Diskussionen wegen des Hygienekonzepts, das nach Intervention einiger Nationalverbände überarbeitet werden musste. Zuletzt hatten 14 Kapitäne europäischer Nationalteams insistiert, weil die Veranstalter Zuschauer in die Hallen lassen wollten. Am Sonntagabend revidierten die Ägypter diese Entscheidung. Szilagyi bezeichnete den Brief an den Weltverband als "Super-Aktion" der Spieler. "Jetzt ist der Zeitpunkt, wo man hoffen muss und hoffen soll, dass alles gut geht." Das DHB-Team startet am Freitag gegen Uruguay in die WM. Die weiteren Vorrundengegner sind Kap Verde (17. Januar) und Ungarn (19. Januar).

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 10.01.2021 | 22:50 Uhr

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