Montage: Geschäftsführer Viktor Szilagyi vom THW Kiel (l.) und Nationaltorhüter Andreas Wolff © imago images

Handball-WM: Szilagyi kontert Wolff-Kritik an THW-Spielern

Stand: 08.01.2021 15:44 Uhr

Geschäftsführer Viktor Szilagyi vom Champions-League-Sieger THW Kiel hat die Handballer seines Vereins verteidigt, die wegen der Corona-Pandemie nicht an der WM in Ägypten teilnehmen wollen. Ex-THW-Torwart Andreas Wolff hatte die Kieler attackiert.

"Niemand sollte sich angesichts der Pandemie und der Vielschichtigkeit der Herausforderungen das Recht herausnehmen, über die individuell getroffene Entscheidung Einzelner urteilen zu wollen", sagte Szilagyi am Freitag. Nationaltorhüter Andreas Wolff hatte seine ehemaligen Kieler Teamkollegen Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Steffen Weinhold kritisiert, weil diese auf eine WM-Teilnahme verzichten.

"Ich kann verstehen, dass Spieler in der heutigen Zeit besorgt sind um ihre Gesundheit", hatte der Schlussmann vom polnischen Spitzenclub Vive Kielce in einem Podcast der Rhein-Neckar Löwen gesagt. Aber in der Champions League seien die Spieler auch in Länder gereist, die als Risikogebiete eingestuft worden sind. "Und jetzt auf einmal bei der WM ist es so ein großes Problem, obwohl die Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen deutlich höher sind als beispielsweise in internationalen Wettbewerben. Und was mich noch mehr daran stört, ist, dass ihre Mannschaftskameraden aus anderen Ländern offenbar kein Problem damit haben, ihre Familien zurückzulassen und zur WM zu fahren."

Sechs Kieler zur WM, fünf nicht

Ohne Wolff direkt anzusprechen, verwahrte sich Szilagyi sehr sachlich gegen diese Breitseite. "In diesen besonderen Zeiten stehen auch Profi-Handballer vor besonderen Herausforderungen abseits des Spielfeldes, Hygienekonzepten und sportlichen Resultaten. Wie viele andere Menschen müssen auch sie den Alltag mit ihren Familien organisieren, die bestmögliche Betreuung und Begleitung ihrer Kinder angesichts von Kontaktbeschränkungen und geschlossenen Kitas sicherstellen. Als THW Kiel können und wollen wir uns in die persönliche Entscheidung der Spieler nicht einmischen", betonte Szilagyi und ergänzte: "Fünf unserer Spieler haben sich gegen eine WM-Teilnahme entschieden, sechs dafür. Alle haben dabei die volle Unterstützung des THW Kiel."

Pekeler, Wiencek und Weinhold selbst wollen sich nach ihrer Absage nicht mehr zu dem Thema äußern.

Gislason rüffelt Wolff

Wie die THW-Chefs war auch Bundestrainer Alfred Gislason "not amused" über die Aussagen von Wolff. "Ich bin nicht zufrieden damit, dass diese Diskussion losgeht", sagte der Isländer bei einer virtuellen Medienrunde: "Ich hoffe, dass dieses Thema begraben wird. Es stört uns nur in unserer Vorbereitung hier."

Die Diskussion über die am 13. Januar beginnende Weltmeisterschaft geht unterdessen weiter. Am Freitag wurde bekannt, dass 14 Kapitäne aus europäischen Nationalteams in einem Brief an den Weltverbands-Präsidenten ein Turnier ohne Zuschauer gefordert haben. Unter den Wortführern sind die beiden Kieler Domagoj Duvnjak (Kroatien) und Niklas Landin (Dänemark), aber auch der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, Uwe Gensheimer.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 08.01.2021 | 16:25 Uhr

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