Stand: 18.01.2019 12:11 Uhr

Handball: WM-Klassiker mit acht Flensburgern

von Jan Kirschner, NDR.de
Flensburger WM-Duell: Norwegens Göran Johannessen (l.) gegen Dänemarks Simon Hald.

"Danmark, olé, olé!" Der Großteil der 15.000 Zuschauer in der Arena von Herning feierte die dänische Handball-Nationalmannschaft. Nach vier ungefährdeten Siegen behauptete sich der Gastgeber auch gegen die Norweger, sicherte sich mit dem 30:26 Platz eins in Gruppe 3 und machte einen wichtigen Schritt in Richtung Halbfinale der Weltmeisterschaft. "45 Minuten haben wir schon weltmeisterlich gespielt, die letzte Viertelstunde haben wir allerdings geschwächelt", bilanzierte Simon Hald. Der dänische Kreisläufer, der in der Bundesliga für die SG Flensburg-Handewitt aufläuft, zeigte sich von der Atmosphäre im Rund ebenso beeindruckt wie sein Vereins- und Positionskollege Anders Zachariassen: "Es ist ein sehr beeindruckendes Erlebnis, wenn einen so viele Menschen den Rücken stärken."

Acht Flensburger auf dem Parkett

Schon weit vor dem Anpfiff knistert es in Herning vor Spannung. Das Gros der Experten sieht in den Dänen und in den Norwegern die großen Favoriten der "dänischen" Turnierhälfte, beschwören einen wichtigen Fingerzeig für die Medaillenvergabe. Es entwickelt sich ein skandinavischer Klassiker mit vielen interessanten personellen Konstellationen. Der Däne Mikkel Hansen und der Norweger Sander Sagosen gehören bei Paris Saint-Germain zu den bestbezahlten Rückraum-Assen der Welt, werfen nun um die Wette. Der Däne Niklas Landin und sein Gegenüber Torbjörn Bergerud liefern sich ein Torwart-Duell, das auch die schleswig-holsteinischen Handball-Fans elektrisieren würde: Der eine spielt sonst für den THW Kiel, der andere für die Flensburger. Die blicken ohnehin mit ganz anderen Augen auf das Spitzenspiel: Acht ihrer Akteure tummeln sich längere oder kürzere Zeit auf dem Spielfeld - vier für Dänemark, vier für Norwegen.

Kein Erbarmen mit den Club-Kollegen...

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WM: Dänen bislang makellos

Die dänische Handball-Nationalmannschaft ist ohne Punktverlust in die WM-Hauptrunde eingezogen. Norwegen kam ebenfalls weiter. Alle Informationen zum Turnier bei sportschau.de. extern

Der dänische Rechtsaußen Lasse Svan und der norwegische Linksaußen Magnus Jöndal haben sich eine Stunde vor dem Anpfiff mit einer Umarmung begrüßt. Nun stoßen sie aufeinander: Jöndal will vom linken Flügel gen Tor springen, wird aber von seinem Vereinskollegen auf Kosten eines Siebenmeters gestoppt. Kurz darauf erobert Jöndal in der Abwehr den Ball, doch in seinen Pass springt Svan. Für den Norweger ist es zum Haareraufen: In allen beschriebenen Duellen haben die Dänen die Nase vorn und ziehen davon.

Mit den bekannten Gesichtern aus dem Flensburger Cluballtag gibt es kein Erbarmen: Der norwegische Halbverteidiger Magnus Röd stemmt sich gegen den Rückraummotor Rasmus Lauge, der nach Mikkel Hansen zum besten dänischen Schützen avanciert. Hald versucht im dänischen Mittelblock, die trickreichen Würfe von Göran Johannessen einzudämmen.  "Vor dem Spiel klatscht man sich ab, dann ist jeder auf seine Aufgabe fokussiert", verrät Zachariassen. "Kämpferisch wird alles in die Waagschale geworfen, dieses Spiel will man auf keinen Fall verlieren."

...aber auch neue Koalitionen

Auf der anderen Seite gibt es während der Turniertage ganz neue Koalitionen. Torwart Landin und Svan teilen sich ein Zimmer - und das bereits seit einer Dekade. "Es funktioniert sehr gut", sagte der THW-Keeper schmunzelnd. "Nur am ersten Tag haben wir immer Probleme miteinander, weil Lasse für Flensburg spielt und ich für Kiel." Derby-Charakter hat an diesem Abend auch die Weltmeisterschaft. Schon beim Eintreffen der norwegischen Spieler geht der Applaus ihrer angereisten Landsleute im gellenden Pfeifkonzert des dänischen Publikums unter. "Diese Rivalität gab es früher nur mit den Schweden", erklärt Landin. "Erst seit kurzer Zeit hat sie sich auch bei den Spielen gegen die Norweger entwickelt - wohl, weil sie in den letzten Jahren sehr stark geworden sind."

"Nun hat die WM so richtig begonnen"

Bald dominiert die Feierlaune. Aus tausenden von Kehlen erklingt das Lied, das die dänischen Fußballer bei der WM 1986 sangen. Die Handballer des Königreichs liegen mit neun Toren vorn. Zwar schrumpft der Vorsprung am Ende, das Ergebnis ist aber eindeutig. "Die Dänen haben unsere Fehler ausgenutzt - so, wie wir es sonst bei unseren Gegnern machen", hadert Bergerud. "Wir wissen noch nicht, woran es lag, aber wir kommen wieder." Die Dänen gehen nun mit einer sehr guten Ausgangsbasis (4:0 Punkte) in die Hauptrunde, die Norweger (2:2) dürfen sich gegen Ägypten, Ungarn und Schweden keinen Ausrutscher mehr erlauben, wenn sie das Halbfinale erreichen wollen. "Nun hat die Weltmeisterschaft so richtig begonnen", findet nicht nur Lars Krogh Jeppesen. Der Däne, einst Spieler in Flensburg und Kiel, ist heute als Handball-Experte für einen dänischen TV-Sender tätig.

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