Die Kieler Handballprofis Sander Sagosen (l.) und Niclas Ekberg. © imago images / Holsteinoffice

Handball: Verletzungswelle belastet Kiel, Flensburg & Co.

Stand: 08.10.2020 09:31 Uhr

Die Handball-Saison läuft erst seit einem knappen Monat - und doch haben vor allem die Top-Vereine schon große Verletzungssorgen. Das werde den Titelkampf entscheidend beeinflussen, sagt Dominik Klein.

Es werde "ganz schwierig", das enger getaktete Programm aus Meisterschaft, Pokal und europäischen Wettbewerben zu bewältigen, hatte der 36 Jahre alte ARD-Experte und frühere Kieler Handballprofi vor Bundesliga-Beginn im NDR Interview erklärt. Tatsächlich ist die von Klein befürchtete Verletztenwelle schon da: Beim Meister THW Kiel fallen in Niklas Landin, Nikola Bilyk und Sander Sagosen schon drei Stammspieler aus, bei der SG Flensburg-Handewitt fehlt ebenfalls ein Trio: Zu Jacob Heinl und Johannes Golla gesellte sich am Mittwoch Lasse Möller, der wegen einer Handverletzung monatelang pausieren muss.

Der Konkurrenz geht es kaum anders: Die Rhein-Neckar Löwen müssen lange ohne Jannik Kohlbacher und Stammkeeper Mikael Appelgren auskommen, auch in Wetzlar, Melsungen, Erlangen und bei den Füchsen Berlin fielen Stammspieler zum Saisonstart aus oder hatten gerade erst Verletzungen auskuriert.

VIDEO: Klein: "Ganz große Herausforderung" (4 Min)

Machulla: "Eine außergewöhnliche Situation"

"Wir spüren schon jetzt ein erhöhtes Verletzungsrisiko durch die angespannte Terminsituation und die entsprechende Belastung", erklärte Flensburgs Geschäftsführer Dierk Schmäschke. SG-Trainer Maik Machulla sprach im NDR Interview von einer "außergewöhnlichen Situation". Die Grenze der Belastbarkeit sei erreicht: "Wir müssen aufpassen, das wir nicht noch mehr Spieler verlieren." Klagen und Jammern helfe aber nicht: "Wir hätten alle gerne dabei, um auch diese Belastung verteilen zu können. Aber momentan sind sie nicht dabei und wir müssen mit den Spielern arbeiten, die da sind."

Lange Pause als Ursache?

Natürlich müssen nach einer sieben Monate langen Pause durch die Corona-Pandemie handballspezifische Bewegungen erst wieder eingeübt werden, vor allem die Wurfschulter gilt dabei als "gefährdetes Gelenk". Dennoch will Machulla die Verletzungen (noch) nicht darauf zurückführen: "Eine richtige Aussage dazu kann man erst nach Abschluss der Hinrunde Ende Dezember treffen."

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Die schwierige Phase beginnt allerdings jetzt, denn die Saison hat später begonnen und die Profis müssen nun in einem noch kürzeren Zeitraum mehr Spiele bestreiten. Im Dezember wird das Final Four der Champions League aus der Vorsaison nachgeholt, dazu kommt im Januar die Weltmeisterschaft in Ägypten. Klar ist: Es wird immer schwerer, den Profis die nötige Regenerationszeit zu geben. So muss beispielsweise Flensburgs Simon Hald trotz seiner anhaltenden Knieprobleme immer wieder spielen. Und auch die Virus-Gefahr bleibt allgegenwärtig: Zweitligist HSV Hamburg verpasste den Saisonstart wegen fünf positiver Corona-Fälle im Team und beklagte jetzt nach Ende der 14-tägigen Quarantäne erneut einen infizierten Spieler.

Nachverpflichtungen bei Kiel und Flensburg

Kiel und Flensburg haben bereits Spieler nachverpflichtet. Der THW holte Oskar Sunnefeldt als Ersatz für Bilyk und reaktivierte zudem Torwart-Oldie Mattias Andersson. Der 42-Jährige wurde beim 34:31 gegen Hannover-Burgdorf eingewechselt, "um Dario Quenstedt eine Pause zu verschaffen", sagte THW-Coach Filip Jicha. Flensburg verstärkte sich kurzfristig mit Domen Sikosek Pelko, der beim 33:26 gegen Nordhorn mit neun Treffern bester Werfer war. SG-Trainer Machulla ("Wir müssen ständig kreative Lösungen finden") haderte dennoch, "weil ich finde, wir sollten das Spiel klarer und früher entscheiden. Wir hätten dann einige Spieler schonen können und so mussten wir bis zum Ende kämpfen. Das geht mir ein bisschen auf den Nerv."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 07.10.2020 | 23:03 Uhr

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