Handball-Torwart Bitter kritisiert Privilegien für Fußball

Stand: 22.02.2021 12:05 Uhr

Handball-Nationaltorhüter Johannes Bitter hat im Sportclub des NDR klare Worte zum Umgang mit Corona-Fällen, der Olympia-Austragung und der Impfreihenfolge gefunden.

von Christian Görtzen

Die Bilder vom Flughafen München hatte Bitter, Neuverpflichtung des Handball-Zweitlisten HSV Hamburg zur kommenden Saison, natürlich gesehen. Sie zeigten, wie Bayerns Münchens Thomas Müller in einem Ganzkörperanzug mit Visier, Maske und Schuhüberziehern einer Ambulanz-Maschine entsteigt. Während sich der Fußballprofi zu Hause in Isolation begeben musste, durfte der deutsche Rekordmeister in Katar weiter an der Club-Weltmeisterschaft teilnehmen - und konnte diese auch gewinnen.

Nahezu gleichzeitig musste das gesamte Team des deutschen Handball-Rekordmeisters THW Kiel wegen eines positiven Corona-Tests eines Spielers für 14 Tage in Quarantäne. Während die "Zebras" in der Bundesliga und der Champions League mit sechs Spielen im Rückstand sind, rollt im lobbystarken Fußball auch nach positiven Tests weiterhin der Ball.

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Ein Mann mit Maske desinfiziert eine Eckfahne im Fußballstadion © imago images/PA Images

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Bitter: "Das ist schon fast drüber"

"Das ist schwer zu vermitteln, keine Frage", sagte Bitter im NDR. "Wir als kleinere Teamsportarten haben es im ersten Lockdown gemerkt, dass wir dem Fußball viel zu verdanken haben. Man hat es dort geschafft, die ersten funktionierenden Hygienekonzepte auf die Beine zu stellen, sodass wir nachziehen konnten." Der Fußball habe hier eine große Vorreiterrolle besessen.

"Aber jetzt muss auch ich sagen, als Sportler: 'Das war schon fast drüber'", sagte der Torwart. "Natürlich hoffe ich, dass es Thomas Müller und allen anderen gut geht. Aber dass man jetzt einen ganz anderen Weg fahren darf und dass das gestattet wird, fühlt sich auch für mich nicht ganz richtig an."

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Olympia ungeimpft "nicht vorstellbar"

Klare Worte fand der 38 Jahre alte Nationalspieler auch in Bezug auf die Olympischen Spiele in Tokio, die vom 23. Juli bis 8. August in der japanischen Hauptstadt stattfinden sollen. "Ich kann es mir aktuell noch nicht vorstellen, dass es ungeimpft funktioniert", sagte Bitter.

Grundsätzlich hält er eine Austragung der Spiele für machbar. "Man hat von den Großveranstaltungen, die gerade stattfinden, sicherlich gelernt. Wir haben ja bei der Handball-Weltmeisterschaft in Ägypten erlebt, wie schnell es funktionieren kann nach anfänglichen Problemen", erklärte der gebürtige Oldenburger. "Es ist sicherlich möglich, das in diesem Rahmen auf die Beine zu stellen. Aber aktuell stelle ich es mir schwer vor."

Bitter: Keine Bevorzugung von Tokio-Fahrern bei Impfungen

Eine Änderung in der Impfreihenfolge mit einer Besserstellung für Tokio-Fahrer habe er aber nicht im Sinn, versicherte der Handball-Profi. "So möchte ich mich auch nicht verstanden wissen. Ich habe mich auch in der Umfrage dazu ganz klar dagegen geäußert", sagte Bitter. "Wenn ein Impfangebot kommt, dann nehme ich das auch sehr gerne an. Aber wir wissen ganz genau, wo wir da in der Reihenfolge stehen."

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 21.02.2021 | 22:50 Uhr

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