Stand: 20.08.2019 11:12 Uhr

Handball-Strukturreform: Mitglieder sollen zahlen

Auf den ersten Blick ist Schleswig-Holstein ein Handball-Land mit den beiden derzeit vielleicht besten deutschen Mannschaften - dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt, die am Mittwoch um den Supercup spielen. Doch die Mitgliederzahlen in den Vereinen sinken dramatisch. Der Handballverband Schleswig-Holstein (HVSH) zählt knapp 40.000 Mitglieder - und es werden jedes Jahr weniger. "Wir haben von 2008 bis 2018 650 Mannschaften verloren. Das ist sehr viel. Deswegen sehe ich das als klaren Auftrag auch in Schleswig-Holstein, den Handball in die Zukunft zu tragen. Und da gehört mehr Geld dazu, sonst schaffen wir das nicht", sagt der HVSH-Vorsitzende Dierk Petersen.

DHB benötigt drei Millionen Euro

Damit befürwortet Petersen die Strukturreform, die der Deutsche Handballbund (DHB) vorantreibt. Sie soll zu mehr Professionalisierung im Verband führen, den Nachwuchsleistungssport fördern und den Trend in der Mitgliederentwicklung stoppen. Die Finanzierung ist allerdings umstritten.

Rund drei Millionen Euro benötigt der DHB nach eigenen Angaben, um die Reform umzusetzen. Bezahlt werden soll das von den Mitgliedern. Der Vorstand um Präsident Andreas Michelmann will die aktiven Handballer zur Kasse bitten. Zehn Euro pro Mitglied jährlich wären laut DHB notwendig, damit die Finanzierung steht.

Skepsis in den Clubs ist groß

Mit einer zusätzlichen Zahlung würde dem HVSH wohl jedoch erst einmal ein noch stärkerer Mitgliederrückgang drohen, befürchtet Verbandsboss Petersen. Trotzdem wirbt der Vorsitzende bei den Vereinen für die Reform. Es ist offenbar noch viel Überzeugungsarbeit notwendig, denn die Skepsis in den Clubs ist groß. Es wird befürchtet, dass nur ein Teil des Geldes für die Gewinnung neuer Mitglieder eingesetzt wird.

Lübecker Jugendwart hat Zweifel

Der Jugendwart von Zweitligist VfL Lübeck-Schwartau, Gerrit Claasen, ist beispielsweise unsicher, ob das Geld sinnvoll eingesetzt wird. "Der DHB plant über diese Mehreinnahme eine zusätzliche Werbestrategie für den Handball durchzuführen - was wiederum zu mehr Mitgliederzahlen führen soll. Diese Idee ist grundsätzlich auch richtig", findet Claasen. Die Frage sei aber, zu welchem Anteil diese drei Millionen Euro auch wirklich für Werbung und dann effektiv auch für höhere Mitgliederzahlen verwendet würden, so der Jugendwart.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 20.08.2019 | 08:00 Uhr