Stand: 29.04.2020 09:23 Uhr

Handball-Star Emily Bölk: Sehnsucht nach Budapest

Handball-Nationalspielerin Emily Bölk zieht es nach zwei Jahren beim Thüringer HC nach Ungarn.

Emily Bölk wechselt zur neuen Saison in die starke ungarische Liga. Deutschlands "Handballerin des Jahres" will bei Ferencvaros Budapest die "nächsten Schritte" gehen. Derzeit aber sitzt die gebürtige Buxtehuderin auf gepackten Koffern.

Ihre bisherige Wohnung hat Emily Bölk längst gekündigt, eine Spedition ist schon seit geraumer Zeit beauftragt, das Hab und Gut der deutschen Handball-Nationalspielerin nach Budapest zu bringen. Doch wann die aktuell noch beim Bundesligisten Thüringer HC unter Vertrag stehende Rückraum-Linke ihre neue Bleibe in der ungarischen Metropole wird beziehen können, ist wegen der Coronavirus-Pandemie völlig offen. "Ursprünglich wollte ich in der ersten Juni-Woche umziehen. Aber das ist natürlich jetzt erst einmal gecancelt. Wie alle weiß auch ich nicht, wie es in den nächsten Wochen weitergehen wird", sagte die 22-Jährige dem NDR Hörfunk.

"Möchte neuen Input bekommen"

Bis die gebürtige Buxtehuderin in ihr neues sportliches Abenteuer als Spielerin des Champions-League-Clubs Ferencvaros Budapest starten darf, wird vermutlich noch einige Zeit vergehen.

Die Vorfreude auf den Wechsel in eine der besten europäischen Frauen-Ligen ist Deutschlands "Handballerin des Jahres" deswegen aber nicht abhanden gekommen: "Ich hatte einfach das Gefühl, dass es für mich an der Zeit ist, den nächsten Schritt zu wagen. Ich möchte auch raus aus Deutschland, um neuen Input zu bekommen, um eine neue Handball-Spielweise kennenzulernen und auch in meiner Persönlichkeit noch zu wachsen." Bölk (Lebensmotto: "Sei geduldig und bleib positiv") hat nach dem vorzeitigen Saisonende in der Bundesliga - der THC lag zum Zeitpunkt des Abbruchs auf Rang fünf - viel Zeit, sich auf ihren neuen Lebensabschnitt vorzubereiten. "Emmy", wie sie gerufen wird, ist seit Wochen im Homeoffice.

Die Decke fällt der Tochter der früheren Handball-Weltmeisterin Andrea Bölk aber noch nicht auf den Kopf. "Mir geht es sehr gut. Ich versuche, die Zeit bestmöglich für mich zu nutzen, lerne viel für die Uni und auch schon fleißig Ungarisch. Und ich trainiere natürlich auch täglich. Für den Kopf ist es gar nicht einmal so schlecht, wenn man mal Zeit für sich hat", sagte die Handballerin, die nebenbei an einer Fernuniversität Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspsychologie studiert.

Ungarn Eldorado für europäische Topspielerinnen

Bölk will sich rechtzeitig ein zweites Standbein aufbauen. Reich werden nur die wenigsten Profi-Handballerinnen. Mit dem Wechsel in die ungarische Liga gehört die Rückraum-Linke fortan allerdings zu den mit am besten bezahlten Spielerinnen. Die internationale Präsenz der Vereine zieht überregionale Sponsoren wie ein deutsches Discount-Unternehmen an, das Trikotsponsor bei FTC-Rail Cargo Hungaria ist, wie die Handballerinnen von Ferencvaros Budapest offiziell heißen. Zudem werden die Clubs großzügig vom Staat unterstützt. Kurzum: Ungarn ist in den vergangenen Jahren zum Eldorado für viele europäische Topspielerinnen geworden.

"Hatten nicht den Hauch einer Chance"

Neben Bölk wechseln in Ann-Cathrin Giegerich, Alicia Stolle (beide Thüringer HC) und Dinah Eckerle (SG BBM Bietigheim) drei weitere deutsche Akteurinnen aus der Bundesliga in den osteuropäischen Staat. Die bisherige Russland-Legionärin Julia Behnke schließt sich zudem ebenfalls Ferencvaros an. "Wir hätten alle unsere Spielerinnen unglaublich gerne gehalten, aber wir hatten nicht den Hauch einer Chance", erklärte THC-Coach Herbert Müller jüngst der "Südthüringer Zeitung".

Ferencvaros nun mit deutschem Trio

Bölk wird gemeinsam mit ihrer guten Freundin Stolle und Behnke bei Ferencvaros einen deutschen Block bilden. "Dass die beiden Mädels dahin wechseln, ist natürlich schön", meinte die 22-Jährige. Für sie ist es bereits die zweite Auslandserfahrung. Als Jugendspielerin hatte sie ein Jahr in Dänemark bei der Sports Academy Viborg verbracht, bevor sie zum Buxtehuder SV zurückkehrte und dort mit 16 Jahren ihr Bundesliga-Debüt feierte. Der Wechsel an die Donau, da ist sich die Rückraum-Linke sicher, wird allerdings schon "wegen der recht schwierigen Sprache" eine ganz andere Herausforderung. Eine, die sie aber selbstbewusst annimmt: "Ich glaube, dass es mit meiner Persönlichkeit kein Problem wird."

Bölk hofft auf neuen Input fürs Nationalteam

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Bölk debütierte bereits als 16-Jährige für den Buxtehuder SV in der Bundesliga.

Bundestrainer Henk Groener wird die Wechsel seiner Nationalspielerinnen nach Ungarn wohlwollend zur Kenntnis genommen haben. Der Niederländer hatte bereits bei seinem Amtsantritt 2018 darauf hingewiesen, dass es für das DHB-Team nur förderlich sein könne, wenn möglichst viele Akteurinnen im Ausland Erfahrungen sammeln würden. Und auch Bölk ist fest davon überzeugt, dass sie durch ihr Budapest-Engagement noch wertvoller für ihr Heimatland werden kann: "Ich möchte weiter wachsen und mit dem neuen Input die nächsten Schritte gehen. Hoffentlich kann ich das dann in die Nationalmannschaft einbringen und wir können auch dort weitere Schritte nach vorn gehen."

Bevor es jedoch neuen "Input" für Bölk gibt, heißt es erst einmal warten. Denn wegen der Coronavirus-Pandemie steht aktuell noch in den Sternen, wann die neue Saison in Ungarn beginnen kann. Die aktuelle Spielzeit wurde übrigens nicht nur wie die der Frauen-Bundesliga abgebrochen, sondern annulliert. Heißt für Bölk: Sie wechselt zum Vizemeister. Denn Rang zwei und damit die Champions-League-Qualifikation hatte für Ferencvaros in der Serie 2018/2019 zu Buche geschlagen.

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Sport aktuell | 29.04.2020 | 09:25 Uhr