Stand: 21.04.2020 13:59 Uhr

Handball-Saison abgebrochen - THW Kiel ist Meister

Die Spieler des THW Kiel nach dem CL-Heimspiel gegen Vardar Skopje. © picture alliance/Axel Heimken/dpa Foto: Axel Heimken
Der THW Kiel ist zum 21. Mal deutscher Handball-Meister.

Wegen der Corona-Krise ist am Dienstag zum ersten Mal in der Geschichte der Handball-Bundesliga (HBL) eine Saison abgebrochen worden. Die 36 Erst- und Zweitligisten stimmten mit der notwendigen Dreiviertelmehrheit für diesen Schritt und gegen eine Fortführung mit Geisterspielen. Meister ist erstmals seit 2015 der THW Kiel, die SG Flensburg-Handewitt Zweiter. Beide Clubs sind damit für die Champions League qualifiziert. Der SC Magdeburg, die TSV Hannover-Burgdorf und die Rhein-Neckar Löwen spielen in der Euro League (ehemals EHF-Cup).

"Emotional ist das nicht zu vergleichen mit früheren Meisterschaften. Trotzdem ist es eine Anerkennung für das, was alle beim THW geleistet haben", betonte Kiels Geschäftsführer Viktor Szilagyi. Den Gewinn der 21. Meisterschaft hatten sich die "Zebras" aber natürlich ganz anders vorgestellt. "Das ist für uns alle sehr bitter", sagte Flensburgs Geschäftsführer Dierk Schmäschke. SG-Coach Maik Machulla, betonte, wie stolz er auf seine Spieler und das Erreichen der Champions League sei, schränkte aber ein: "Mit dem jetzigen Abbruch fühlt es sich einfach nicht vollwertig an und damit können wir es auch nicht richtig genießen."

 

Keine Absteiger: HSG Nordhorn-Lingen profitiert

Absteiger gibt es in beiden Ligen nicht. So bleibt auch die HSG Nordhorn-Lingen erstklassig, obwohl die Niedersachsen nur zwei Siege aus 27 Partien geholt haben. "So traurig die Begleitumstände da draußen natürlich sind: Ein klein bisschen Freude ist schon dabei", sagte HSG-Geschäftsführer Matthias Stroot. In der kommenden Saison soll es für die HSG besser laufen: Mit dem Gros der Spieler hat der Club die Verträge bereits verlängert, unter anderen mit Leistungsträger Robert Weber. Auch Trainer Geir Sveinsson hat noch einen Kontrakt für die neue Saison.

HBL-Geschäftsführer Bohmann: "Schlag ins Kontor"

"Aus sportlicher Sicht wäre es natürlich das Beste gewesen, die Saison fortzusetzen. Der Rahmen hat gesundheitlich, organisatorisch und wirtschaftlich aber nicht gepasst. Von den ungerechten Lösungen haben wir diese für die Beste gehalten", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann: "Es ist ein echter Schlag ins Kontor." Der finanzielle Schaden wird auf rund 25 Millionen Euro geschätzt. Liga-Präsident Uwe Schwenker betonte, dass "ein Wiedereinstieg zu einem noch späteren Zeitpunkt nicht mehr machbar" gewesen wäre. Der Abbruch sei daher zwar "sehr bitter, aber alternativlos".

Bundesliga wird aufgestockt - Pokal-Endrunde verschoben

Die Abschlusstabelle wurde mithilfe der sogenannten Quotientenregelung ermittelt. Dabei wurden die Pluspunkte jedes Teams durch die Anzahl der absolvierten Spiele geteilt und dann mit 100 multipliziert.

Davon profitierten die Rhein-Neckar Löwen, die an den Füchsen Berlin vorbeizogen und sich das letzte Europacup-Ticket sicherten. Aus der Zweiten Liga steigen die beiden erstplatzierten HSC Coburg und TuSEM Essen auf. Die Bundesliga wird in der kommenden Spielzeit, die im September beginnen soll, damit aus 20 Mannschaften bestehen. Vier steigen am Saisonende ab. In der Zweiten Liga spielen 19 Vereine, unter anderem auch der Wilhelmshavener HV als Aufsteiger.

Noch einmal verschoben wurde das Final Four im DHB-Pokal. Die Endrunde sollte ursprünglich am 4./5. April in Hamburg steigen und war wegen der Coronavirus-Pandemie bereits auf den 27./28. Juni verlegt worden. Weil in Deutschland alle Großveranstaltungen bis zum 31. August untersagt sind, kommt es nun zu einer weiteren Verschiebung.

Zuschauereinnahmen für Clubs unverzichtbar

Der Saisonabbruch hatte sich in den vergangenen Wochen angedeutet. Für die Handball-Clubs sind Geisterspiele, anders als für die Erst- und Zweitligisten im Fußball, keine lohnenswerte Option. Zuschauereinnahmen sind bei der Etatplanung ein viel größerer Posten als die Fernseh-Gelder.

Ticketing-Erlöse machen im Liga-Durchschnitt rund 30 Prozent der Gesamterlöse der Clubs aus. Noch wichtiger sind nur die Sponsoring-Einnahmen, die 60 bis 65 Prozent einbringen. Im Vergleich dazu verdienen die Vereine nur einen Bruchteil durch TV-Gelder.

Was wird aus der Saison 2020/2021?

Insolvenzen wird es im Profi-Handball trotzdem wohl zunächst nicht geben. Schwenker schaut jedoch mit Sorge auf die Spielzeit 2020/2021. "Das ist ein bisschen wie ein Blick in die Glaskugel. Wir wissen nicht, wann wir beginnen können und unter welchen Voraussetzungen." Die existenzielle Frage sei, wann wieder mit Zuschauern gespielt werden könne: "Anders als im Fußball sind unsere Clubs zum Teil bis zu 50 Prozent und darüber hinaus auf Zuschauer-Einnahmen angewiesen, weil das ihre Etats im Wesentlichen ausmacht", so Schwenker im Sportclub.

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Handball im Tornetz © picture-alliance / Sven Simon Foto: FrankHoermann/Sven Simon

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Sport aktuell | 21.04.2020 | 12:25 Uhr

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