Stand: 20.08.2020 18:43 Uhr

Handball: Empörung über Störfeuer aus Flensburg und Kiel

Spielszene Flensburg - Kiel © imago images / Holsteinoffice
Auch verbal angriffslustig: Der THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt.

"Arrogant", "respektlos", "anmaßend": Im Handball ist ein handfester Streit um den Start-Termin für die Bundesliga und eine mögliche Absage der Weltmeisterschaft entbrannt - mit harschen Vorwürfen in Richtung Norden, das Handball-Mekka der Republik. Was ist passiert?

Kiels Aufsichtsratsvorsitzender Marc Weinstock und Flensburgs Beiratschef Boy Meesenburg hatten in einem gemeinsamen Interview der "Sport Bild" für eine WM-Absage plädiert, weil sie bei dem Turnier vom 13. bis 31. Januar kommenden Jahres aufgrund der aktuellen weltweiten Corona-Lage eine erhöhte Infektionsgefahr und damit Auswirkungen für die Clubs befürchten. Auch den bislang für den 1. Oktober geplanten Saisonstart wollen die Vereinsvertreter von THW und SG am liebsten um drei Monate nach hinten verschieben.

Hanning teilt verbal aus

Während Deutscher Handball-Bund (DHB) und die Handball-Bundesliga (HBL) in einer offiziellen Mitteilung am Donnerstag sachlich auf diesen unverhofften Vorstoß reagierten ("Ein Saisonstart am 1. Oktober bleibt fest in unserem Fokus" - "Der gesamte deutsche Handball profitiert von einer Weltmeisterschaft der Männer im Januar"), ging Bob Hanning im Gespräch mit dem Sportinformations-Dienst verbal aus dem Sattel.

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Symbolfoto Handball © picture alliance / Eibner-Pressefoto

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"Es ist arrogant und respektlos, den Ägyptern abzusprechen, Hygienestandards einhalten zu können. Natürlich können sie das. Die gehen doch nicht noch im Vierfüßlerstand über die Straße. Ich distanziere mich von solchen Aussagen", wetterte der DHB-Vizepräsident.

"In Ägypten treffen sich 32 Handball-Völker aus aller Welt, teils aus Corona-Krisengebieten. Ägypten steht zudem nicht gerade in dem Ruf, die höchsten Hygienezustände der Welt zu haben", hatte Meesenburg in dem Interview gesagt. Diese "WM darf nicht stattfinden". Auch Weinstock, Aufsichtsratschef bei Meister THW Kiel, will die WM nicht: "Nichts gegen Ägypten, aber die Spieler müssten voraussichtlich hinterher 14 Tage in Quarantäne. Das macht überhaupt keinen Sinn."

Schwenker fordert solidarisches Verhalten

In einem Statement von HBL-Präsident Uwe Schwenker, selbst im Norden verwurzelt und verbandelt, schwang sogar der Vorwurf unsolidarischen Verhaltens an die Meinungsmacher aus Kiel und Felsnburg mit. "Wir stehen vor einer sehr schwierigen Saison, die allen Beteiligten sehr viel zumuten wird", sagte Schwenker. "Wir sitzen alle in einem Boot. Umso wichtiger ist es, dass wir solidarisch und wachsam auf unserem Kurs bleiben und uns trotz aller individuellen Nöte weiter geschlossen in den Dienst des großen Ganzen stellen."

Szilagyi: Was ist das Beste für den Handball?

Bereits am 26. September sollen Meister Kiel und Vizemeister Flensburg in Düsseldorf um den Supercup spielen. Ob zum Saisonstart Zuschauer zugelassen sind, ist wegen der Corona-Lage derzeit ungewiss. Kiels Geschäftsführer Viktor Szilagyi versuchte, nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen, machte die Haltung des THW gleichzeitig aber sehr deutlich: Beim Thema Saisonstart müsse man sich "eine gewisse Flexibilität erhalten - wir dürfen uns vor nichts verschließen", sagte er. "Wir haben uns vor zwei Monaten, auch geprägt von einem gewissen Optimismus, auf den 1. Oktober als Ligastart geeinigt. Das sollte aber meiner Meinung nach nicht heißen, dass wir aufhören, darüber zu diskutieren, was das Beste für den Handball ist."

VIDEO: Zaungespräch mit SG-Trainer Maik Machulla (11 Min)

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 20.08.2020 | 17:25 Uhr

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