Stand: 21.04.2020 11:50 Uhr

Handball: Heute Saison-Abbruch und THW Meister?

Ein Saison-Abbruch in der Handball-Bundesliga (HBL) rückt immer näher. Bis Wochenbeginn sollten die Erst- und Zweitligisten darüber abstimmen, heute kommt es zur nächsten Videokonferenz der Verantwortlichen, in der es eine Entscheidung geben könnte. HBL-Präsident Uwe Schwenker geht von einem eindeutigen Votum aus: "Nach dem, was wir bislang von den Club-Verantwortlichen gehört haben, glaube ich, dass es eine breite Mehrheit dafür gibt, die Saison zum jetzigen Zeitpunkt zu beenden", sagte der 61-Jährige zuletzt dem NDR Sportclub.

THW Meister? SG würde "keinen Aufstand machen"

Selbst der aktuell zweitplatzierte Titelverteidiger SG Flensburg-Handewitt plädiert für ein vorzeitiges Ende der Spielzeit und würde "keinen Aufstand machen, lamentieren oder etwas infrage stellen", wenn der Erzrivale und Spitzenreiter THW Kiel zum Meister ernannt würde. "Natürlich hätte im Endspurt noch viel passieren können, aber wir sind zum jetzigen Zeitpunkt unumstößlich Zweiter. Das ist Fakt", sagte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke.

Top-Teams sehen keine Alternative

Für ein vorzeitiges Saisonende bedarf es einer Dreiviertelmehrheit. "Es gibt wenig Alternativen zum Abbruch", so Schmäschke: "Geisterspiele sind für mich keine Alternative." Ebenso hatte sich bereits Trainer Martin Schwalb von den Rhein-Neckar Löwen im NDR Sportclub geäußert.

Auch der THW rechnet mit dem Saison-Ende: "Ich denke, die Mehrheit ist für einen Abbruch", sagte Geschäftsführer Viktor Szilagyi. "Es gibt sicherlich gute Ideen, die Saison fortzusetzen. Aber die Zeit ist zu kurz und die Bedingungen sind unklar. Wir haben auch eine Vorbildfunktion und Verantwortung für die Spieler."

Szilagyi wünscht sich im Falle eines Abbruchs "eine Wertung und keine Annullierung. Es wäre eine schöne Anerkennung für unsere Leistungen in dieser Saison." Die Berechnung der Abschlusstabelle könnte anhand einer Quotientenregel erfolgen. Dabei werden die Pluspunkte jedes Teams durch die Anzahl der absolvierten Spiele geteilt und dann mit 100 multipliziert. Der THW liegt derzeit mit vier Minuspunkten vor Verfolger Flensburg, der im EHF-Pokal wäre - ebenso wie der Vierte Hannover-Burgdorf. Die Tabelle sei "aussagekräftig, weil schon drei Viertel der Saison gespielt sind", so Szilagyi.

Wertung der Saison noch offen

In diesem Punkt äußerte sich Schwenker allerdings noch zurückhaltend. Medienberichte, denenzufolge die Kieler sich bereits als Meister feiern lassen dürfen, wies er als "verfrüht" zurück: "Der THW hat eine sehr gute Saison gespielt und ist klarer Tabellenführer. Insofern wäre das möglicherweise gerechtfertigt." Gleichwohl schränkte er ein: "Jemanden zum Meister zu küren, obwohl die Saison nicht zu Ende gespielt wurde - damit muss jeder persönlich umgehen."

Fest steht allerdings, dass es im Falle eines Saisonabbruchs keine Absteiger geben wird. Das dürfte beim abgeschlagenen Schlusslicht HSG Nordhorn-Lingen für Freude sorgen - die Niedersachsen würden mit lediglich zwei Saisonsiegen die Klasse halten. Zugleich erklärte Schwenker, dass die kommende Spielzeit um die beiden Aufsteiger aus der Zweiten Liga aufgestockt und mit 20 Teams starten würde.

Spielplanung kaum machbar

"Diese Spielzeit werden alle Clubs überleben: Die Hausaufgaben wurden gemacht", sagte Schwenker, der hingegen für die kommende Saison große Schwierigkeiten erwartet: "Das ist ein bisschen wie ein Blick in die Glaskugel. Wir wissen nicht, wann wir beginnen können und unter welchen Voraussetzungen." Die existenzielle Frage sei, wann wieder mit Zuschauern gespielt werden könne: "Anders als im Fußball sind unsere Clubs zum Teil bis zu 50 Prozent und darüber hinaus auf Zuschauer-Einnahmen angewiesen, weil das ihre Etats im Wesentlichen ausmacht."

Kein DHB-Pokal im kommenden Jahr

Ein Spielplan könne unter diesen Voraussetzungen kaum erstellt werden, so Schwenker, der auch nicht ausschloss, dass der eine oder andere Wettbewerb ausfällt. "Wenn die Ligen aufgestockt werden, müssen wir natürlich auch mehr Spieltermine zur Verfügung stellen. Das bedeutet, dass wir im nächsten Jahr auf den DHB-Pokal verzichten werden."

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 19.04.2020 | 22:30 Uhr

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